WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Geschäftsreisen in Krisengebiete Wie Sie Ihre Mitarbeiter richtig vorbereiten

Geschäftsreisende leben gefährlich, die Risiken durch Krieg, Terror, Kriminalität und Naturkatastrophen nehmen zu. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen tun häufig zu wenig, um ihre reisenden Mitarbeiter schützen, obwohl Reisebüroketten und spezialisierte Dienstleister passende Sicherheitskonzepte anbieten.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Flugsicherheit Quelle: dpa

Die amerikanische Botschaft in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi warnt US-Bürger vor Terror-Anschlägen des IS. Tempel, Märkte, Festivals und andere Orte, die Ausländer aus dem Westen gern besuchen, sollten gemieden werden. Das Auswärtige Amt in Berlin rät deutschen Reisenden außerdem zu besonderer Wachsamkeit bei großen Menschenansammlungen sowie in der Nähe von Regierungsgebäuden und nationalen Wahrzeichen.

Der Tod eines Fischverkäufers führt zu landesweiten Protesten in Marokko. Polizisten hatten seinen verdorbenen Fisch in einen Müllwagen geworfen, der Mann war hinterher geklettert und dabei tödlich verletzt worden. Demonstrationen mit tausenden von Teilnehmern gegen Behördenwillkür sind die Folge, im Internet formiert sich Protest gegen den König. 5000 Polizisten und Militärs sollen für Ruhe sorgen.

In Mittelitalien haben schwere Erdbeben mehrere Städte zerstört, an vielen Orten gibt es weder Strom noch fließendes Wasser, zahlreiche Straßen sind unpassierbar. Rund um die australische Metropole Sydney wüten Buschfeuer, ein Teilstück des Pacific Highway ist unpassierbar. In Vietnam haben sintflutartige Regenfälle 15 Todesopfer gefordert. In Hongkong gibt es heftige Proteste gegen die Politik Pekings, die Polizei setzt Tränengas und Schlagstöcke ein. Außerdem führt eine hochgiftige Smogglocke über Neu-Delhi dazu, dass die zulässigen Luft-Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation um bis zum 40-fachen überschritten werden.



Quelle:Travel Risk Map 2017



Was haben diese so unterschiedlichen Ereignisse, zusammengetragen aus den Nachrichten, gemeinsam? Sie sind eine potenzielle Gefahr für Menschen. Für die, die dort ständig leben, wie für die, die sich als Touristen oder Geschäftsreisende nur zeitweise dort aufhalten.

Nicht nur in Kriegsgebieten wie in Afghanistan, im Irak oder in Libyen können zumal Fremde ziemlich schnell in die Schusslinie verfeindeter Gruppen geraten, auch anderswo wachsen die Risiken: in Nordafrika, in Pakistan oder in der Ukraine sorgen politische Unruhen, gewaltsame Proteste oder Bürgerkriege für schwer kalkulierbare Risiken.

Anderswo ist es anders gefährlich. In Rio de Janeiro kann man in bewaffnete Auseinandersetzungen verfeindeter Gangs geraten, in anderen Städten Südamerikas sind Schnellentführungen an der Tagesordnung. Dabei werden Reisende gezwungen, am nächsten Geldautomaten Bares abzuheben, was ihnen dann abgenommen wird. In Südafrika zählen bewaffnete Raubüberfälle auf offener Straße zur Alltagskriminalität. Wer sich wehrt, riskiert sein Leben.

Auch Naturkatastrophen können zur tödlichen Gefahr werden: Tornados in den USA, Taifune in Asien verwüsten ganze Landstriche. Und vor allem drohen weltweit Terroranschläge islamistischer Extremisten – wie vor einem Jahr in Paris, im März in Brüssel, im Sommer am Flughafen in Istanbul und vor ein paar Monaten im bayrischen Ansbach oder Würzburg.

Wer reist, hat nicht nur was zu erzählen, er lebt auch ziemlich gefährlich, wenn er zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Das gilt für Touristen, das gilt aber noch viel mehr für Geschäftsreisende, denn die können sich ihr Reiseziel nicht aussuchen. Gereist wird dorthin, wo das Unternehmen Geschäfte macht und das können auch Länder sein, in denen es manchmal - oder sogar immer - gefährlich ist.

So lange solche Bedrohungen weit weg waren, wurde das Thema Sicherheit auf Geschäftsreisen von vielen Unternehmen eher lässig gehandhabt – und die Vorsorge häufig den Reisenden selbst überlassen. Seitdem auch mitten in Europa Selbstmordattentäter unterwegs sind, hat sich das geändert - das Thema ist in den Führungsetagen so gut wie aller deutschen Unternehmen angekommen. „Seit den Anschlägen in Brüssel und Paris haben entsprechende Angebote eine neue Bedeutung bekommen“, sagt Hans-Ingo Biehl, Geschäftsführer des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR), in dem rund 550 große und mittelständische Unternehmen sowie Dienstleister aus dem Geschäftsreisebereich organisiert sind. Umfragedaten des VDR aus 800 Unternehmen belegen das: „Beschäftigten sich 2014 erst 74 Prozent der deutschen Konzerne mit der Sicherheit ihrer Geschäftsreisenden, sind es aktuell 81 Prozent“, sagt Biel.

„Die Sicherheit der Mitarbeiter hat oberste Priorität“, ist darum die am häufigsten zitierte Antwort auf die Frage, was die Unternehmen für die Sicherheit ihrer Handlungsreisenden tun. Gefolgt von dem Satz: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zu konkreten Sicherheitsmaßnahmen grundsätzlich keine Aussagen machen.“ Was oft weniger mit besonders wirkungsvollen, weil hochgeheimen Vorkehrungen zu tun hat, sondern eher verschleiern soll, dass die Verantwortlichen mehr oder weniger ratlos sind, wie sie mit dem brisanten Thema umgehen sollen.

Informiertheit schützt

Der Professionalisierungsgrad beim Sicherheitsmanagement hat dabei weniger mit der Intensität der Auslandsbeziehungen eines Unternehmens zu tun, sondern mehr mit dessen Größe. Während weltweit engagierte Großkonzerne wie Siemens eigene Sicherheitsabteilungen haben, sind viele kleine und mittelständische Unternehmen organisatorisch nach wie vor schlecht vorbereitet. „Selbst große Mittelständler blenden das Thema häufig aus, kleine Start-ups sind meist völlig blank, obwohl auch die oft global unterwegs sind“, sagt Martina Eggler, Vice President Global Strategic Accounts bei der Geschäftsreisekette Carlson Wagonlit Travel (CWT) und damit zuständig für die weltweite Großkundenbetreuung.

Was einigermaßen unverständlich ist, denn „es gibt Gebiete, in denen Geschäftsreisende keinen Schritt mehr alleine machen“, warnt Stefan Vorndran, Vice President Europa, Naher Osten und Afrika beim CWT-Mitbewerber BCD Travel, der größten Geschäftsreisekette in Deutschland. „Sie werden am Gate abgeholt und bewegen sich dann in einer Art Hochsicherheitstrakt.“ Weil die Zahl gefährlicher Ziele, an denen Geschäftsreisende besonderen Schutz brauchen, ständig zunimmt, sieht Business-Travel-Experte Vorndran nur eine Möglichkeit, mit den wachsenden Risiken umzugehen: Wer unterwegs ist, braucht gute Informationen, damit er sein Risiko einigermaßen einschätzen kann.

Worüber sich selbst viele Personaler erstaunlicherweise nicht im Klaren sind: Diese Informationen zu beschaffen, den reisenden Mitarbeiter auf die möglichen Risiken am Reiseziel vorzubereiten, ihn so gut es geht davor zu beschützen, ihn im Notfall aus brenzligen Situationen zu befreien und erlittene Schäden aller Art zu ersetzen, ist - koste, was es wolle - Aufgabe des Unternehmens und gehört zu dessen Fürsorgepflichten gegenüber dem Mitarbeiter: nachzulesen in den Paragrafen 617 bis 619 des Bürgerlichen Gesetzbuchs und im Paragraf 1, Arbeitsschutzgesetz.

Wo Deutschland fliegt
Flughafen Frankfurt-Hahn Quelle: dpa
Flughafen Tegel (Berlin) Quelle: REUTERS
Flughafen Schönefeld (Berlin) Quelle: dpa
Flughafen Düsseldorf Quelle: dpa
Flughafen Köln-Bonn Quelle: dpa
Flughafen Hamburg Quelle: dpa
Flughafen Memmingen Quelle: imago images

Sich bei der Risikoeinschätzung für bestimmte Länder ausschließlich auf die Reisehinweise des Auswärtigen Amts in Berlin zu verlassen, wäre leichtsinnig. Zum einen sind diese Warnungen häufig so allgemein formuliert, dass damit wenig anzufangen ist. Empfehlungen etwa, Menschenansammlungen zu meiden, sind für Geschäftsreisende, die sich permanent auf überfüllten Flughäfen oder Bahnhöfen aufhalten müssen, kaum realisierbar. Hinzu kommt, dass die regierungsoffiziellen Warnungen nicht frei von politischen Opportunitäten sind. Für Israel gab es beispielsweise noch nie eine Reisewarnung – trotz permanenter Bedrohung durch Attentate palästinensischer Extremisten.

Professionelle Unterstützung beim Sicherheitsmanagement bieten die großen Geschäftsreiseketten wie BCD Travel, CWT, FCm Travel, die Lufthansa City Center und American Express. Sie bieten ihren Kunden Zugang zu umfangreichen Datenbanken, damit die sich vorab über die Sicherheitslage am Reiseziel informieren können. Sie leiten aktuelle Warnungen über Probleme aller Art per SMS an betroffene Reisende weiter – ärgerliche aber ungefährliche Störungen an Flughäfen durch Streiks gehören ebenso dazu wie hochbrisante, wenn zum Beispiel irgendwo ein Amokläufer unterwegs ist oder Bombenanschläge verübt wurden. „Allein zwischen Juni und Anfang Oktober 2016 haben wir 2719 Warnhinweise an unsere Kunden weitergeleitet“, sagt CWT-Managerin Eggler.

Ist irgendwo Gefahr im Verzug, können die Ketten durch Auswertung der Buchungsdaten ihrer Kunden genau sagen, wo sich deren Reisende gerade aufhalten und sich um sie kümmern. Wenn nötig, können die Reisenden umgebucht werden, um Orte erhöhten Risikos zu meiden, notfalls kann auch die Evakuierung aus der Gefahrenzone organisiert werden.

Kommunikation klappt nicht immer

Dieses im Fachjargon Tracking genannte Lokalisieren über die Buchungsdaten funktioniert allerdings nur, wenn Flüge und Hotels über die Kette gebucht wurden. Ein mal eben über das Smartphone reservierter Ryanair-Flug oder das über eine Web-Plattform wie Booking.com bestellte Hotelzimmer fließen nicht in die Datenbanken der Reisebüroketten ein – wenn dann noch, wie etwa bei Anschlägen nicht selten, das Mobilnetz überlastet oder abgeschaltet wird, ist der Reisende erst mal nicht mehr auffindbar.

„Bei den Attentaten in Brüssel waren viele unserer Kunden betroffen“, erinnert sich FCm Travel-Chef Mark Tantz, „einige von ihnen sogar im Flughafengebäude.“ Die wurden über ihre hinterlegten Mobilfunknummern kontaktiert, FCm organisierte die Rückreise per Shuttle oder Mietwagen. „Hätten die ihre Dienstreise selbstständig im Internet gebucht', wäre ihr Aufenthaltsort unbekannt gewesen.“

Damit das Zusammenspiel zwischen Geschäftsreisekette und Kunde im Ernstfall reibungslos funktioniert, braucht es allerdings auch beim Unternehmen bestimmte organisatorische Vorkehrungen: „Aus Gründen des Datenschutzes wollen manche Kunden nicht, dass wir direkt mit den Reisenden Kontakt aufnehmen“, sagt CWT-Key-Accounterin Eggler. „Aber dann stehen wir bei kleinen und mittelständischen Kunden häufig vor dem Problem, dass uns der Ansprechpartner fehlt – wir wissen dann nicht, bei wem wir sicherheitsrelevante Informationen loswerden können.“ Auch bei großen Unternehmen klappt die Kommunikation nicht immer. Probleme gibt es öfter, „weil es zwischen Sicherheitsabteilung und dem für Reisebuchungen zuständigen Travel Management keine vorab definierten Kommunikationsregeln gibt.“

Die gefährlichsten Flughäfen der Welt
Platz 10: TegucigalpaIn der Hauptstadt von Honduras zu landen ist gleich in dreifacher Hinsicht eine Herausforderung. Denn die Landebahn ist mit zwei Kilometern äußerst kurz – bis Mai 2009 war sie sogar nur 1,8 Kilometer lang. Bevor die Piloten die Maschinen dort aufsetzen lassen können, müssen sie eine scharfe Kurve fliegen – und vorher erfolgreich über bergiges Gelände manövrieren. Seit Jahren wird überlegt, den Flughafen zu verlegen. Doch die Hauptstadt ist mit rund 870.000 Einwohner die größte Stadt des Landes. Der Airport Tegucigalpa gilt laut iPilot als zehntgefährlichster der Welt. Die Flugsimulatoren-Kette hat das Adrenalin-Ranking zusammengestellt. Quelle: imago images
Platz 9: Insel SkiathosDer Skiathos Island National Airport gilt als noch gefährlicher. Die Seiten der Landebahn werden nur vom Meer begrenzt und obwohl große Boeing-Maschinen den Flughafen anfliegen, verfügt er nicht über ein Instrumentenlandesystem – die Piloten müssen auf Sicht fliegen. Auch Nachtanken können die Flieger auf der griechischen Insel nicht. Skiathos ist die kleinste der bewohnten Inseln der nördlichen Sporaden und ist bekannt für ihren Wein und ihre Oliven. Quelle: imago images
Platz 8: CourchevelMitten im Skigebiet Courchevel liegt auf 2007 Meter Höhe dieser Flugplatz, der deshalb auch Altiport genannt wird. Die Landebahn ist mit 537 Metern besonders kurz und dazu noch ungewöhnlich steil. Linienflugzeuge landen dort nicht mehr, Hobbypiloten müssen ihre Privatmaschinen hangaufwärts landen. Starten müssen alle Maschinen wie ein Skispringer – nicht zuletzt deshalb hat es der Flughafen Courchevel in die James-Bond-Filme „Der Morgen stirbt nie“ sowie „Goldeneye“ geschafft. Quelle: GNU
Platz 7: MadeiraNahe der Inselhauptstadt Santa Cruz befindet sich einer der gefährlichsten Flughäfen der Welt. Denn die Landebahn liegt an einem Steilküstenhang und wird streckenweise nur von Stelzen gestützt. Passagiere haben bis kurz vor der Landung das Gefühl, einen Berg zu rammen – die Piloten können erst im letzten Augenblick auf die Piste eindrehen. Nur Flugkapitäne mit einer Spezialeinweisung dürfen sich an einer solchen Landung versuchen. Hat die Anreise nach Madeira jedoch geklappt, erwarten einen auf der portugiesischen Insel das ganze Jahr über sommerliche Temperaturen. Etwa 235.000 Menschen haben dort ihren festen Wohnsitz. Quelle: imago images
Platz 6: LuklaWer den Mount Everest besteigen möchte, muss auf dem Flugplatz Lukla in Nepal landen – oder eine Woche zu Fuß anreisen. Piloten können die Piste nur bergwärts anfliegen, weil sie sich mit zwölf Prozent nach unten neigt. Durchstarten ist überhaupt nicht möglich, da es am Ende der Startbahn 600 Meter in die Tiefe geht. Quelle: imago images
Platz 5: London City AirportIn den Docklands der britischen Hauptstadt liegt seit 1987 der London City Airport, der vor allem unter Geschäftsreisenden beliebt ist. Denn der Finanzdistrikt ist ebenso nah wie das Stadtzentrum Londons. Doch die Landung ist nichts für schwache Nerven: Jets fliegen den Flughafen wegen der Bebauung rundum besonders steil an. Wer ungefährlicher anreisen will, kann auf einen der vier anderen Flughäfen der englischen Hauptstadt ausweichen. Quelle: imago images
Platz 4: InnsbruckRund fünf Kilometer von der Innenstadt entfernt liegt der Flughafen Innsbrucks. Um dort zu landen, benötigen Piloten eine Sonderausbildung. Denn die Pisten werden von Bergen umgeben: Beim Start müssen die Piloten schnell an Höhe gewinnen, bei der Landung muss jeder Handgriff sitzen. Oft erschwert Wind die Manöver zusätzlich. Die Hauptstadt Tirols ist bei Touristen beliebt – aber sie reisen nicht unbedingt mit dem Flugzeug an. Quelle: imago images

Für Eggler und ihre Kollegen in den anderen Reisebüroketten hat das stärkere Interesse der Kunden an Sicherheitsdienstleistungen noch einen positiven Zusatzeffekt: Sicherheitskonzepte werden im Rahmen von Firmenverträgen gesondert in Rechnung gestellt und sind damit eine neue Einnahmequelle, um die Erträge aus dem tendenziell unter Druck stehenden Stammgeschäft aufzuhübschen. Zwar steigt die Zahl der Geschäftsreisen, die Durchschnittskosten der Reisen sinken aber: Obwohl der VDR im vergangenen Jahr 182,7 Millionen Geschäftsreisen zählte - vier Prozent mehr als im Vorjahr -, stieg der Reiseumsatz nur um 3,4 Prozent auf 50,9 Milliarden Euro. Ursache sind der sinkende Anteil von Business-Class-Buchungen: Aus Kostengründen vergattern die meisten Unternehmen ihre Reisenden dazu, in der Holzklasse zu fliegen.

Bei ihren Sicherheitsangeboten arbeiten die Geschäftsrseiseketten mit spezialisierten Dienstleistern zusammen, CWT zum Beispiel mit International SOS. Das 1985 von dem französischen Geschäftsmann Arnaud Vaissié und seinem Landsmann, dem Arzt Pascal Rey-Herme, gegründete Unternehmen unterhält weltweit 25 Alarmzentralen und ist mit gut 8000 Mitarbeitern in mehr als 70 Ländern für etwa 8300 Kunden aktiv. International SOS betreibt 32 eigene Kliniken und zehn Ambulanzflugzeuge, das Netzwerk umfasst rund 60000 geprüfte und zertifizierte Dienstleister.

Zu den Leistungen zählen medizinische Hilfe wie die für einen an Diabetes erkrankten Amerikaner, der im Auftrag seiner Firma in Deutschland war und dem die Medikamente ausgegangen waren. Die International SOS-Niederlassung in Neu-Isenburg half ihm dabei, ein passendes Ersatzpräparat zu bekommen. 60 Leute, davon 22 Koordinatoren und zehn Ärzte, arbeiten dort im Schichtdienst rund um die Uhr.

Andere Alarmfälle sind nicht so einfach zu lösen und erfordern einen hohen organisatorischen Aufwand. Als etwa die Demonstrationen gegen den damaligen Präsidenten Hosni Mubarak während des ägyptischen Frühlings eskalierten, wurde von der Neu-Isenburger Alarmzentrale innerhalb weniger Tage die Evakuierung von mehr als 800 Menschen organisiert. Acht Flugzeuge mussten gechartert, Flugrouten geplant, Landerechte eingeholt und die Betroffenen zu den Flugplätzen gebracht werden.

Partner von International SOS ist das Londoner Beratungsunternehmen Control Risks. Das 1975 als Tochter des Versicherungsbrokers Hogg Robinson gegründete Unternehmen beschäftigt 2000 Mitarbeiter in 100 Ländern auf fünf Kontinenten. Die 33 Niederlassungen bieten das volle Programm - von Sicherheitsleistungen für Geschäftsreisende und längerfristig im Ausland Beschäftigte bis zur Prävention vor Cyberangriffen auf die Unternehmens-IT.

Präventive Sicherheitstrainings zur Vorbereitung

Kleiner aber in ihrem Leistungsspektrum ähnlich ist die am Starnberger See ansässige Result Group. Viele Mitarbeiter der Sicherheitsberatung sind ehemalige Polizisten oder Soldaten, manche mit einem kurzen Draht zu den Geheimdiensten. Gesammelt und an Kunden weitergegeben werden nicht nur aktuelle Informationen über die Lage in Krisenregionen, der Dienstleister hilft, wenn nötig, auch mit logistischem Know-how, zum Beispiel wenn Evakuierungen notwendig werden. Zielgruppe sind vor allem Unternehmen, die über längere Zeiträume Mitarbeiter in Risikogebiete schicken – Monteure zum Beispiel, die im Irak während der diversen Kriege zerschossene Ölförderanlagen reparieren – oder die Großprojekte in Ländern mit niedrigen Sicherheitsstandards hochziehen.

Ein Großteil der Aufgaben ist dabei eher präventiv, zum Beispiel Sicherheitstrainings als Vorbereitung der für Auslandsaufenthalte vorgesehenen Mitarbeiter. Die Trainings informieren über Sicherheitsrisiken und sicherheitsgerechtes Verhalten, auch Schulungen über kulturelle Eigenheiten gehören häufig dazu. Für Einsätze etwa in Gegenden, in denen Freischärler unterwegs sind, wird auch professioneller Personenschutz durch Bodyguards angeboten.

Einen anderen, eher präventiven Fokus hat der IT-Dienstleister A3M mit seinen Frühwarn-, Informations- und Kommunikationssystemen. Das IT-Unternehmen unterhält eine Datenbank mit Länderinformationen und kombiniert die mit einem auf Buchungsdaten gestützten Tracking-Tool sowie einem Monitoringsystem, in das aktuelle politische, meteorologische und Nachrichten zum Thema Gesundheit aus rund 150 internationalen Quellen einfließen.

Geschäftszahlen europäischer Fluglinien

Ein Redaktionsteam bewertet diese Nachrichten, anschließend werden die Informationen auf einer Weltkarte aktuell dargestellt. „Wir bekommen täglich zwischen 80 und 100 Meldungen, von Sprengstoffanschlägen, über Unwetterwarnungen bis zur Ankündigung eines Taxi-Streiks“, sagt A3M-Gründer Tom Dillon. „Um einen Information-Overkill zu vermeiden, bekommt jeder Kunde aber nur die Meldungen, die für ihn relevant sind.“ Genutzt wird Dillons Angebot vor allem von großen Touristik-Veranstaltern wie TUI, Thomas Cook und FTI, zu seinen Kunden zählen aber Unternehmen wie etwa der Springer-Verlag, Tchibo und etliche Mittelständler.

A3M ist zusammen mit dem Gesundheitsdienstleister MC Medicus und der Result Group zudem Kooperationspartner von Trisavo. Der Zusammenschluss mit seinen Kombinationsangeboten für Sicherheitsdienstleistungen richtet sich speziell an mittelständische Unternehmen.

Vor allem diese Zielgruppe hat auch der Anbieter Cybizz Intell mit seinem RiskCompass im Visier, allerdings mit einem anderen, viel mehr in die Tiefe gehenden Ansatz. „Die Logik der Risikoeinstufung ausschließlich auf Basis der Länderkategorisierung ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Wolfgang Koestner, Gründer des Start-ups. „Was bisher fehlte, ist eine professionelle Städtedatenbank.“

Genau in diese Lücke stoßen Koestner und seine Partner Boris Blauth und Ralph Langrock. Ihre deutschsprachige Städtedatenbanken RiskCompass bietet detaillierte Sicherheitsdaten von 134 Städten in Deutschland, der Schweiz und Österreich sowie weiterer 342 Städte weltweit, etwa über die Häufigkeit von Raubüberfällen in bestimmten Stadtteilen. „Damit decken wir rund 90 Prozent aller internationalen Geschäftsreiseziele ab“, sagt Langrock. „Unser USP ist die Informationstiefe der einzelnen Datensätze, die von vergleichbaren Anbietern aus dem angelsächsischen oder amerikanischen Bereich nicht erreicht werden.“ Dazu gehören interaktive Karten und Stadtpläne mit entsprechenden Markierungen der Gefahrengebiete.

Ergänzende Auslandsreise- und Notrufversicherung sinnvoll

Als weitere Dienstleistung bietet Cybizz Intell den Kunden ein Sicherheits-Monitoring an, das insbesondere die Städte der RiskCompass-Datenbanken sowie insgesamt 199 Länder berücksichtigt. Ein Trackingsystem zum Lokalisieren reisender Mitarbeiter gehört ebenfalls zu den in Modulform angebotenen Dienstleistungen. Langrock: „Auch dabei bieten wir mehr als andere, wir tracken anhand der GPS-Daten des Mobiltelefons, was eine wesentlich genauere Ortung erlaubt als die Lokalisierung über Buchungsdaten.“

Die Städtedatenbank ist demnächst auch in einer App-Version verfügbar, die Preisgestaltung orientiert sich vor allem an den Bedürfnissen kleiner und mittlerer Unternehmen: Das Angebot beginnt mit einem Basispreis ab 7,90 Euro pro Mitarbeiter und Jahr. „Individuelle Lizenz-Lösungen für Großunternehmen und Konzerne sind aber ebenfalls verhandelbar“, sagt Boris Blauth.

Die Fürsorgepflicht der Unternehmen betrifft allerdings nicht nur Schutz vor Terror, Kriminalität und Naturkatastrophen, auch Vorkehrungen etwa für schwere Erkrankungen oder Unfälle gehören dazu. „Wenn es um die Absicherung von Mitarbeitern geht, verlassen sich viele Unternehmen auf die Leistungen der Berufsgenossenschaft“, warnt Andreas Krugmann, Global Account Director bei der SAP-Tochter Concur, die Geschäftsreise-Software anbietet. „Eine ergänzende Auslandsreise- und Notrufversicherung, sogenannte Assistance, ist anzuraten.“

Was Sie schon immer über Geschäftsreisen wissen wollten
Geschäftsreisen Quelle: dpa Picture-Alliance
Buchung Quelle: dpa
Worauf sollte ich bei der Buchung achten?Eine schnelle Reiseverbindung hat für die meisten Geschäftsreisenden oberste Priorität: Für 40 Prozent steht dies immer im Fokus der Buchung. Ebenso sehr wichtig ist den Befragten die Einhaltung der Reiserichtlinien Ihres Unternehmens, Komfort und stressfreies Reisen. Die Nachhaltigkeit der Reiseverbindung spielt dagegen eine verhältnismäßig untergeordnete Rolle. Gerade einmal 26 Prozent legen immer wert auf ein umweltfreundliches Verkehrsmittel. Unter den älteren Geschäftsreisenden spielen persönliche Präferenzen und Wünsche eine größere Rolle. 81 Prozent der über 40-Jährigen geben an, diese bei der Buchung zu berücksichtigen. Zum Vergleich: In der Gruppe der unter 40-Jährigen sind es gerade einmal 72 Prozent. Quelle: dpa
Welche Verkehrsmittel werden am Zielort benutzt?Am Zielort angekommen wird am häufigsten auf Taxis (42 Prozent), Mietwagen (41 Prozent) und Dienst- beziehungsweise Geschäftswagen (39 Prozent) zurückgegriffen. Auch der Öffentliche Nahverkehr wird viel zur Fortbewegung genutzt: 22 Prozent gaben ihn als das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel an. Eher selten wird auf Mietfahrräder oder Carsharing-Anbieter zurückgegriffen. Für nur 16 Prozent der Reisenden stellen diese beiden Möglichkeiten häufig genutzte Varianten dar. Während Unternehmensleiter überdurchschnittlich oft bequem in Shuttle- oder Chauffeur-Diensten reisen (61-65 Prozent), sind alternative Verkehrsmittel besonders für Geschäftsreisende interessant, die viel reisen. Quelle: dpa
Werde ich über Risiken im Ausland informiert?In der Regel werden Mitarbeiter bei der Suche nach Informationen zu Risiken im Ausland unterstützt. Das gaben 73 Prozent der befragten Geschäftsreisenden an. Die Auskünfte über das Zielland werden Mitarbeitern hauptsächlich über das Intranet verbreitet, zum Beispiel durch die Einbindung von Links zum Auswärtigen Amt oder Robert-Koch-Institut. Ebenso üblich ist die Verbreitung von Informationen über die Abteilung, die sich um die Buchung der Reisen kümmert. Übliche Vorkehrungen im Risikomanagement sind die Vergabe von zentralen Telefonnummern, die Verfügbarkeit von Ansprechpartnern und die Überwachung von eintretenden Naturereignissen, Epidemien oder politischen Unruhen im Zielland. Quelle: dpa
Passkontrolle Quelle: dpa
Reiseunterbrechung Quelle: dpa

Das hilft nicht nur dem Reisenden in seiner Notlage, es hilft auch dem Unternehmen, finanzielle Risiken zu begrenzen. „Die ärztliche Behandlung eines Unfalls im Ausland kann schnell zu Kosten im fünfstelligen Bereich führen, beispielsweise wenn eine Operation oder ein Rücktransport nötig sind“, sagt Krugmann. „Gerade kleinere Unternehmen können solche hohen Kosten in Schwierigkeiten bringen.“ Zumal der Versicherungsschutz der Berufsgenossenschaften nur in direktem Zusammenhang mit der Berufsausübung greift. Wer nach dem Geschäftstermin in Rom einen Spaziergang unternimmt und auf der Spanischen Treppe stürtzt oder einen Herzinfarkt erleidet, ist nicht durch die Berufsgenossenschaft abgesichert, zahlen muss dann der Arbeitgeber.

Die Assistance-Leistungen bieten neben dem finanziellen Schutz noch mehr: Sie helfen, eine Erkrankung schnell und fachgerecht behandeln zu lassen. Kaum ein Geschäftsreisender kennt sich an seinem Reiseziel so gut aus, dass er wüsste, wo in Lagos zum Beispiel ein guter Zahnarzt zu finden ist, der auch noch Englisch oder Deutsch spricht. „Die Firmen sollten eine Notfall-Hotline anbieten können, die schnell unterstützt und ein Krankenhaus oder einen guten Arzt schnell lokalisiert“, sagt Krugmann.

Welche Versicherungen Unternehnmen für ihre Geschäftsreisenden abschließen sollten, hängt davon ab, wie die Mitarbeiter reisen. Einige Anbieter haben Allround-Pakete für Firmen und ihre Geschäftsreisenden im Programm, die Kosten hängen ab von der Zahl der Dienstreisen und der Länge der Aufenthalte. „Krankenversicherung, Assistance und Rückholung sollten unbedingt mit drin sein, Unfall- oder Gepäckversicherungen können nach Bedarf hinzugebucht werden“, rät Krugmann. Das kostet Geld, schützt aber auch – zum Beispiel vor schlechter Pressse, wenn etwas passiert. Krugmann: „Letztlich sind solche Aufwendungen auch Investitionen in das Image des Unternehmens.“

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%