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Goldman Sachs Unfreiwillig am Mythos gestrickt

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Das Wunsch nach Wachrütteln bleibt unerfüllt

Der Abschiedsbrief hat auf dem heiß umkämpften Bewerbermarkt das Profil von Goldman Sachs gestärkt. Quelle: REUTERS

Es gebe vor allem drei Wege, um in der Bank schnell Karriere zu machen, schreibt Smith: Entweder überrede man die Kunden, in Produkte zu investieren, die die Bank ohnehin loswerden wolle; oder man jage „Elefanten“, indem man die Kunden dazu bringe, die profitabelsten Produkte zu handeln – egal, ob das für die gut oder schlecht sei. Dritte Möglichkeit: irgendein undurchsichtiges Produkt mit einem Drei-Buchstaben-Akronym verkaufen. „Es macht mich krank, wie herzlos meine Kollegen darüber reden, wie sie ihre Kunden am besten abzocken können“, so Smith. Alternativ bezeichnen sie die milliardenschweren Klienten gerne auch mal als „Muppets“, in Anlehnung an die amerikanischen Puppenfiguren.

Das wollte Smith nicht länger ertragen, und deshalb reichte er seine Kündigung ein – nicht ohne letzten Appell. Er wolle die Vorstandsetage wachrütteln. Die solle die „moralisch bankrotten“ Mitarbeiter feuern – egal, wie viel Geld sie dem Konzern einbringen. Es scheint so, als bliebe dieser Wunsch unerfüllt.

Das Image wird den neuen PR-Chef beschäftigen

Die „New York Times“ zitierte am selben Tag eine E-Mail von Bankchef Blankfein an die Mitarbeiter. Die „Behauptungen dieses Individuums“ spiegelten die Firmenkultur nicht wider. Ein klares Dementi klingt anders.

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    Nelly Riggenbach, Geschäftsführerin der Beratung Universum Communications für Deutschland, Österreich und die Schweiz, überrascht das nicht. Ihr Unternehmen beschäftigt sich vor allem mit Employer Branding, also dem gezielten Aufbau einer Arbeitgebermarke. Riggenbach: „Es klingt völlig absurd, aber der Artikel kann Goldman Sachs sogar helfen.“ Damit schärfe die Bank letztlich ihr Arbeitgeberimage. Der Effekt: Wer nicht in das gesuchte Profil passt, bewirbt sich gar nicht erst. „Aber die Absolventen, die sich davon angezogen fühlen, bewerben sich umso eher“, sagt Riggenbach.

    Damit wird sich nun ein Mann beschäftigen, für den der 14. März ebenfalls ein Wendepunkt war. Bis dahin war Richard Siewert junior ein Arbeitsloser, der zuvor den US-Finanzminister Timothy Geithner beraten hatte. An dem Tag wurde bekannt, dass Siewert einen neuen Job hat: Er wird neuer PR-Chef von Goldman Sachs.

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