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Heimarbeit & Co. "Auch in Zukunft gibt es kein Home-Office für alle"

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Home-Office ist nichts für Familienmenschen


In Deutschlands Finanzsektor und in der öffentlichen Verwaltung sagen die Arbeitgeber überwiegend Nein zu Flexibilität, obwohl die Arbeitnehmer sie sich wünschen. Für die Experten des DIW ist die Sache klar: Die Arbeitgeber stellen sich quer. „In den meisten Fällen scheitert der Wunsch nach Heimarbeit an den Arbeitgebern. Würden sie umdenken, könnte der Anteil der Heimarbeiter auf über 30 Prozent steigen“, heißt es in der Studie.



Denn oftmals fürchten die Arbeitgeber, dass ihre Angestellten zuhause nichts leisten, sondern sich die Zeit mit Hausarbeit oder Facebook vertreiben, oder nur die Kinder betreuen, anstatt Erwerbs- und Familienarbeit zu verbinden. „Es ist immer auch eine Frage der Persönlichkeit, manche Menschen können gut von zuhause aus arbeiten, andere vereinsamen oder lassen sich zu leicht ablenken“, sagt Ronald Rubens, Vice President für Nord-, Zentral- und Osteuropa bei dem US-Kommunikations-Dienstleister Avaya.

Rubens ist Niederländer, in seinem Heimatland haben Arbeitnehmer seit Juli 2015 einen Rechtsanspruch auf Heimarbeit – solange dadurch kein großer finanzieller Schaden entsteht oder es ein schweres Sicherheitsrisiko darstellt, wenn der Angestellte von zu Hause aus arbeitet.


Er selbst hat sowohl positive als auch negative Erfahrungen mit dem Thema gemacht. „Es ist Aufgabe des Managers abzuwägen, welcher Mitarbeiter sich für Home-Office eignet und welcher nicht“, so sein Fazit. Er selbst sagt, dass er nur schlecht von zuhause aus arbeiten könne, weil ihn seine vier Kinder zu sehr ablenken würden. Auch deshalb sagt er: „Ich glaube nicht daran, dass eines Tages jeder nur noch im Home-Office arbeiten wird.“

Homeoffice: 10 Regeln für Arbeitnehmer

Von dem Gedanken, dass Heimarbeit der Schlüssel zur Vereinbarkeit ist, sollte man sich ohnehin besser frei machen, denn entweder leidet der Job oder die Familie muss acht bis zwölf Stunden lang auf Zehenspitzen vor der verschlossenen Arbeitszimmertür vorbeischleichen – was im Übrigen deutlich häufiger der Fall ist, als dass Papa vor lauter Fangen spielen nicht zum Arbeiten kommt. Heimarbeiter machen laut DIW-Studie fast doppelt so viele Überstunden wie Mitarbeiter, die nicht ins Home-Office dürfen, der Anteil der unbezahlten Mehrarbeit macht mehr als 50 Prozent aus.


Wegen dieses Aspekts der Mehrarbeit klingeln auch bei Arbeitsrechtlern und Betriebsräten regelmäßig die Alarmglocken, wenn es um flexible Arbeitszeitregelungen geht. Das könnte mit ein Grund sein, warum sich deutsche Unternehmen immer noch nicht so recht an die Sache herantrauen.

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