Home-Office Nahles will mehr Flexibilität für Mitarbeiter

In Familienunternehmen gibt es zig Modelle, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern. Anders sieht es in vielen Großunternehmen aus. Arbeitsministerin Nahles fordert deshalb mehr Home-Office.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) bei der Auftaktveranstaltung

Die Ansprüche an Mitarbeiter steigen immer stärker: Flexibel sollen sie sein, sich weiterbilden, "geht nicht" aus ihrem Wortschatz streichen. Damit trotzdem die Motivation nicht leidet, setzen immer mehr Unternehmen das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf die Agenda. Und das zu Recht, wie eine empirische Studie der Stiftung Familienunternehmen und der Technischen Universität München zeigt. Demnach ist das - unabhängig von Geschlecht und Alter der Bewerber und Angestellten - für mehr als 95 Prozent "wichtig" beziehungsweise "sehr wichtig".

"Langfristigkeit und Nachhaltigkeit bestimmt die Personalpolitik in Familienunternehmen - und dazu gehört mit hoher Priorität, Maßnahmen zu entwickeln, um Familie und Beruf in Einklang zu bringen", sagt Heinz-Walter Große, Vorstandsvorsitzender und Arbeitsdirektor bei dem Pharma- und Medizintechnikunternehmen B. Braun. Familienunternehmen, so Stefan Klemm, Inhaber des Entrepreneurs Club, haben bei der Vereinbarkeit die Nase vorn: "Familienunternehmen sind erfinderisch und bieten eher individuelle Lösungen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen."

So gebe es eine Vielzahl von lebenspraktischen Maßnahmen, die von den Mitarbeitern geschätzt würden: Dazu gehört die Möglichkeit des Home-Office, die Unterstützung von Kinderbetreuung in Wohnort-Nähe, die Möglichkeit, das Essen aus der Kantine mitzunehmen, um die Familie zu versorgen, bis zu einem Wäsche- und Bügelservice.

In vielen Unternehmen herrscht Anwesenheitspflicht

Dass sich hier die großen Konzerne eine Scheibe abschneiden könnten, findet auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). In der Süddeutschen Zeitung fordert sie Unternehmen auf, mehr Home-Office zuzulassen. "Der Bedarf ist riesig", sagte Nahles der Zeitung. Doch viele Vorgesetzte stellten sich quer, weil immer noch Präsenzkultur herrsche: Nur wer im Büro sitzt, leistet auch etwas, so das Klischee.

Homeoffice: 10 Regeln für Arbeitgeber

Dabei könne man nicht auf der einen Seite Flexibilität verlangen und auf der anderen Seite selbst nicht flexibel sein. Entsprechend können Mitarbeiter von B. Braun, die ihren Beruf unterbrechen wollen oder müssen, dies für bis zu fünf Jahre tun und werden danach garantiert wieder eingestellt. Wer seine Arbeitszeit dagegen für die Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen um die Hälfte reduziert, bekommt trotzdem noch 65 beziehungsweise 75 Prozent des Gehalts.

Homeoffice: 10 Regeln für Arbeitnehmer

"Die Beschäftigten als eine erweiterte Familie zu behandeln, ist in vielen Familienunternehmen die Regel und vermittelt Zugehörigkeit, Verlässlichkeit und Kooperation", sagt Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen. "Das trägt dazu bei, dass die Fluktuation gering ist, das Knowhow in den Unternehmen bleibt und die Mitarbeiter eine größere Identifikation entwickeln als dies in Großkonzernen in Streubesitz der Fall ist."

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%