Hoodie statt Hemd Ein Neustart im Start-up kann sich lohnen

Junge Unternehmen können schnell wieder weg sein vom Markt. Trotzdem geben auch alte Hasen Top Jobs auf, um im Start-up neu durchzustarten. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Eine Sache haben sie jedoch gemein.

Manchmal lohnt es sich, etwas Neues zu wagen. Quelle: Fotolia

Zwischen Gökhan Kizilays alter und neuer Arbeitsstelle liegen gut 500 Kilometer und knapp 60 Jahre: 500 Kilometer beträgt die Strecke zwischen Schwaben und Berlin, 60 Jahre sind zwischen den Gründungen seines letzten und neuen Arbeitgebers vergangen. Heute arbeitet Kizilay für Contorion, einen digitalen Fachhändler, der Handwerksbedarf an Privat- und Geschäftskunden verkauft. Contorion ist ein klassisches Start-up aus Berlin.

Bevor Kizilay zu dem Onlinemarktplatz wechselte, arbeitete er fünfzehn Jahre für ein großes, am Markt etabliertes Unternehmen, das ebenfalls mit Handwerksbedarf handelt. Dort machte er eine klassische Karriere.

Die Entscheidung, das hinter sich zu lassen, traf Kizilay nicht unüberlegt. Über einen Bekannten, der schon im Unternehmen arbeitete, entstand der erste Kontakt zu Contorion. Das Angebot, dort ebenfalls einen Job anzunehmen, schlug er zu diesem Zeitpunkt jedoch noch aus.

Ein Chefwechsel brachte ihn ins Grübeln

Erst nachdem die Führungsspitze seines bisherigen Arbeitgebers wechselte, geriet er nochmals ins Grübeln. Um endgültig zu einer Entscheidung zu gelangen, legte er eine große Strecke zurück: Gut 2000 Kilometer fuhr er mit dem Motorrad bis nach Istanbul um, wie er heute sagt, seinen inneren Jakobsweg zu bestreiten. Besonders die vielen ruhigen Momente, die er alleine verbrachte, gaben ihm den nötigen Raum zum Nachdenken. Am Ende stand für ihn fest: Er würde das Traditionsunternehmen für ein Start-up verlassen.

Warum die Deutschen den Job wechseln
Gehaltserhöhung, Jobwechsel Quelle: Fotolia
Die Aussicht auf bessere Karrierechancen ist für 55 Prozent ein Grund, den aktuellen Arbeitsplatz gegen einen neuen einzutauschen. Quelle: Fotolia
Auch der Background der beruflichen Situation sollte stimmen: Etwas mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer geben an, den Job zu wechseln, wenn sie einen Arbeitsplatz finden, der besser zu ihrem Bildungshintergrund passt. Quelle: Fotolia
Beförderung, Jobwechsel Quelle: Fotolia
Als einen weiteren Grund für einen notwendigen Aufbruch wird auch eine mangelnde Unternehmens-„Vision“ angeführt. Wenn das Management zu wichtigen Fragen keine Stellung nimmt, die Produktpalette nicht mehr zeitgemäß ist oder die Wettbewerber deutlich bessere Leistungen anbieten wechseln viele den Arbeitgeber. Quelle: Fotolia
Wenn die Freizeit auf Grund von Überstunden und zu hoher Arbeitsbelastung zu kurz kommt, werfen ebenfalls viele das Handtuch. Quelle: Fotolia
Intrigen von Kollegen wirken sich auf die Gesundheit aus und somit ist ein Jobwechsel für die Meisten die beste Entscheidung, wenn sich an diesem Umstand nichts ändert. Quelle: Fotolia
Besonders in herausfordernden Zeiten neigen viele Führungskräfte dazu, zu wenig zu kommunizieren. Wenn viele Meetings hinter verschlossenen Türen stattfinden und der eigene Vorgesetzte zu den Entwicklungen schweigt und überfordert scheint, entscheiden sich viele für einen Jobwechsel. Quelle: Fotolia
Inkompetente Kollegen nennt demnach jeder Sechste als Anlass dafür, sich nach einer neuen Arbeit umzusehen. Quelle: Fotolia
Viele Jobwechsler bemängeln die Führungsqualität ihres Chefs. Sie fühlen sich in ihrer Karriere ausgebremst wenn dieser sich mit fremden Lorbeeren schmückt und gute Leistungen nicht ausreichend lobt. Quelle: Fotolia

Nach den Gründen für seine berufliche Neuorientierung befragt, gerät er ins Schwärmen. Als ein möglicher Wechsel zu Contorion zum ersten Mal ein Thema wurde, suchte er das Gespräch mit den Gründern. Von ihnen lässt er sich das Business-Konzept erklären – auch um sich sicher zu sein, dass er nicht in ein Unternehmen wechselt, das in fünf Jahren nicht mehr am Markt ist. Am Ende ist er überzeugt: „Die haben eine Euphorie und einen Tatendrang ausgestrahlt. Beides habe ich so schon länger nicht mehr erlebt.“

Worauf die Deutschen bei einem neuen Job Wert legen

Sein Umfeld reagiert auf die Entscheidung positiv, allen voran seine Familie. Doch auch Freunde und Kollegen unterstützen den 49-Jährigen. „Mutig und cool waren die Worte, die ich am häufigsten gehört habe“, erzählt Kizilay. „Ich hatte das Gefühl, dass manche auch ein wenig eifersüchtig waren, dass sie sich das selber nicht getraut haben.“
Kizilays Beweggründe bezeichnet die Psychologie als Pull-Motivation. In der Erwartung auf bessere Umstände treffen Menschen die Entscheidung zu wechseln.

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