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Immer mehr Freiberufler Raus aus dem Hamsterkäfig

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Wer wagt, kann gewinnen

Was Selbstständige bei der Vorsorge beachten müssen
Eine Auswahl von Versicherungskarten verschiedener Krankenkassen Quelle: dpa
Eine Euromünze steht auf der Versichertenkarte einer privaten Krankenversicherung Quelle: dpa
Tänzer des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe (v.l) Bruna Andrade (Hora Frau), Blythe Newman (Momo) und Admill Kuyler (Hora Mann) Quelle: dpa
ein Patient wird von einem Arzt gegen Tetanus geimpft. Quelle: AP
Ein Notarztwagen Quelle: AP
Besucher der Agentur für Arbeit Quelle: dpa
Aeltere Frauen sitzen am 5. November 2008 auf einer Bank am Ufer des Ammersees Quelle: AP

Natürlich: Viele Freiberufler können von solch hohen Tagessätzen nur träumen. Sie fürchten finanzielle Ungewissheit oder die soziale Isolation. Doch wer diesen Schritt gewagt hat, bereut ihn selten.

So wie Rolf Dieter Humm. Manchmal dauert es ein paar Monate, manchmal ein paar Jahre, aber früher oder später zieht der 63-Jährige weiter. Humm ist Jobnomade, seit 1997 arbeitet er als selbstständiger IT-Experte. Zuvor war er 31 Jahre lang bei Siemens angestellt. Nach zahlreichen Restrukturierungen entschied Humm, sich selbstständig zu machen.

Heute ist er vor allem im Bereich Programmierung und Datenbankentwicklung tätig. Wenn ein Unternehmen seine Systeme umstellen will – etwa von Office 2003 auf Office 2010 – entstehen dabei Probleme, mit denen Laien vorab nicht rechnen. Dann muss ein Experte ran.

Berufliches Nomadenleben

Feste Arbeitszeiten, einen eigenen Schreibtisch, immer gleiche Kollegen – darauf verzichtet Humm freiwillig. „Natürlich muss ich mich immer wieder schnell auf neue Herausforderungen und Probleme einstellen. Aber genau diese Bandbreite mit ständig wechselnden Kunden und Aufgaben liebe ich.“ Bei einem Arbeitgeber alleine könnte er das nicht ausleben.

Humm gehört zum neuen Typ von Wissensarbeitern, die bei den Unternehmen begehrt sind. Der Fachkräftemangel hat das Kräftegleichgewicht verschoben, zugunsten der qualifizierten Mitarbeiter. Viele von ihnen führen ein berufliches Nomadenleben und hüpfen von Job zu Job.

Wirklich verwunderlich ist das nicht. Die obersten Angestellten leben es genauso vor. Die Beratung Booz & Company untersuchte im vergangenen Jahr zum zwölften Mal, wie lange die Chefs der weltweit größten 2500 börsennotierten Konzerne im Amt sind. Im deutschsprachigen Raum blieben sie in 2012 im Schnitt nur 6,2 Jahre auf ihrem Posten. 2011 waren es noch 7,6 Jahre. Europaweit lag die CEO-Amtszeit bei 5,1 Jahren. Das sei „zu wenig, um einen CEO-Posten gut auszufüllen“, sagt Klaus-Peter Gushurst von Booz. Die persönlichen Vorteile zählen offenbar mehr als das Wohl des Unternehmens.

Das bestätigt auch Andreas von Schubert, Professor für Personalmanagement der Hochschule Wismar. Die unerschütterliche Treue zum Arbeitgeber, einst eine moralische Maxime, ist heute eine „knallharte Kosten-Nutzen-Rechnung“.

Loyalität lohnt nicht mehr

Manche ziehen daraus die Konsequenz, ihr Glück bei einem anderen Unternehmen zu suchen. Jeder dritte Arbeitnehmer in Deutschland hat im Jahr 2012 seinen Arbeitgeber gewechselt, fand der Personaldienstleister Kelly heraus. Auch deshalb, weil sich Loyalität nicht mehr lohnt. Wortwörtlich. Wer sein Gehalt überproportional steigern will oder bei seinem Arbeitgeber in einer beruflichen Sackgasse steckt, muss sich einen neuen Job suchen.

Das belegte im Jahr 2011 auch eine Umfrage unter 892 Mitgliedern des Karrierenetzwerks e-Fellows: Wer den Arbeitgeber mindestens zweimal wechselte, steigerte sein Gehalt jährlich im Schnitt um 15 Prozent. Wer beim selben Unternehmen blieb, verdiente nur knapp elf Prozent mehr.

Doch häufig hilft selbst der Wechsel zu einem neuen Arbeitgeber nicht weiter. Jeder zweite Manager ist nach dem Neubeginn mindestens ernüchtert und schlimmstenfalls enttäuscht. Darauf deutet eine aktuelle Studie der Personalberatung InterSearch Executive Consultants hin, für die 150 Führungskräfte befragt wurden. 45 Prozent aller Teilnehmer, die in den vergangenen zehn Jahren mindestens einmal den Job gewechselt hatten, wunderten sich hinterher über die Diskrepanz zwischen Jobprofil und Alltag. Unter Vorständen und Geschäftsführern waren es sogar fast 50 Prozent.

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