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Impfpflicht in den USA Neuer Job? Nur für Geimpfte

Herzlich willkommen -- aber nur mit Pieks. Immer mehr Unternehmen verlangen bereits in den Stellenanzeigen explizit einen Impfnachweis.   Quelle: dpa

Arbeitgeber verlangen derzeit immer öfter einen Impfnachweis von neuen Mitarbeitern, vor allem in den USA. Deutschland hinkt dem internationalen Trend noch hinterher.

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Wer sich derzeit auf einen neuen Job bewirbt, wird immer öfter schon vor dem ersten Vorstellungsgespräch mit einer klaren Forderung konfrontiert: Bewerbungen bitte nur von Geimpften.  Das geht aus einer exklusiven Umfrage der Analysefirma Textkernel aus Amsterdam hervor, die der WirtschaftsWoche vorab vorlag. Textkernel hat in den vergangenen drei Monaten rund 20 Millionen Stellenanzeigen in zehn Ländern dazu ausgewertet.

Demnach stieg die Zahl der Arbeitgeber, die bereits in den Stellenanzeigen auf eine Impfpflicht am ausgeschriebenen Arbeitsplatz hinwiesen, besonders im Oktober und November rasant an. In Nordamerika etwa hat sie sich seit Anfang September verfünffacht.



Es gibt jedoch große regionale Unterschiede; Während in den USA die Anzahl der Jobs mit Impfpflicht von 1,5 auf 8,1 Prozent aller Stellenausschreibungen stieg, in absoluten Zahlen auf 150.000, ist diese Forderung in deutschen und europäischen Stellenanzeigen noch selten zu lesen. Nur 0,2 Prozent der Stellenanzeigen in Deutschland und den Niederlanden enthielten eine explizit formulierte Impfpflicht; in Italien waren es sogar nur 0,01 Prozent.



Die Unterschiede sind neben kulturellen vor allem auf rechtliche Spezifikationen zurück zu führen: US Präsident Joe Biden hat seinen Vorstoß, Impfungen und wöchentliche PCR-Tests für alle US-Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeiterinnen vorzuschreiben, wegen des politischen Widerstands vor allem in republikanisch dominierten Staaten am 12. November zurückziehen müssen. Seitdem steht es den Unternehmen wieder frei, eigene Impfpflichten zu fordern.

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    Trotz der strengen Antidiskriminierungsregeln in den USA, die persönliche Fragen in Vorstellungsgesprächen und Stellenanzeigen fast völlig verbieten, machen offenbar immer mehr US-Firmen von der Impfpflicht für ihre Mitarbeiter Gebrauch. Eine Impfpflicht ist bei Neueinstellungen rechtlich einfacher umzusetzen als in laufenden Verträgen. Spitzenreiter ist, nach staatlichen Behörden mit einer Quote von über 96 Prozent, der Pharmakonzern Merck, der zuletzt in 87 Prozent der neuen Stellen explizit eine Impfpflicht erwähnte. Bei Amazon waren es 26 Prozent.

    Auch innerhalb der USA gibt es dabei regionale Unterschiede. Am häufigsten wird der Impfnachweis an der nördlichen Westküste (Washington, Oregon) gefordert, am zweithäufigsten im Nordosten und Kalifornien. Kaum erwünscht ist sie in Texas und im tiefen Süden (Alabama, Louisiana). Pikanterweise sind das die Regionen mit den höchsten Inzidenzen, Hospitalisierungsraten und Ungeimpften. Dort ist es, besonders im Gastgewerbe oder der Logistik, ohnehin schon schwierig, Personal zu finden; eine Impfpflicht würde die Auswahl weiter einschränken.

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    Europäer zurückhaltend 

    In Europa schrecken offenbar noch fast alle Unternehmen vor einer solchen expliziten Forderung zurück. Regionale Unterschiede gibt es aber auch hier. In Großbritannien fordern signifikant mehr Arbeitgeber (rund zehn mal so viele) von neuen Mitarbeitern einen Impfnachweis als auf dem Kontinent, etwa in Belgien, den Niederlanden oder Deutschland. In Italien ist es gar nur ein zehntel Promille. Das erklärt sich jedoch zum großen Teil aus den unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen der Länder: In Italien ist der Zutritt zum Arbeitsplatz ohnehin nur mit dem so genannten Grünen Pass (2G, geimpft oder genesen) möglich, ein explizites Erwähnen der Impfung in Stellenanzeigen also überflüssig. In Deutschland und vielen anderen Ländern gilt immerhin 3G (geimpft, genesen, getestet) verpflichtend.

    Mehr zum Thema: Ein Unternehmen aus Thüringen bietet seinen Mitarbeiter einen in Deutschland wohl einzigartigen Impfanreiz: eine Prämie in Höhe von 5000 Euro. Vorstand Danilo Frasiak sagt, warum die Firma nicht auf die Politik warten will – und sich das Geld leisten kann.

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