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IW-Studie Überstunden sind out

Länger arbeiten, um mehr zu verdienen? Kommt aus der Mode. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft.

Diese Berufsgruppen arbeiten am meisten
Vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer arbeiteten 2015 durchschnittlich 1.657 Stunden Quelle: ZB
ArbeitstageWas sich dagegen viel stärker geändert hat, sind die Tage, an denen gearbeitet wird. Von "Samstags gehört Vati mir" ist in vielen Branchen nichts mehr zu spüren: Im Jahr 2015 arbeitete gut jeder Vierte (26,5 Prozent) ständig oder regelmäßig an Samstagen oder Sonntagen. 20 Jahre zuvor, im Jahr 1996, waren es noch 23,5 Prozent. Bis zum Jahr 2007 war der Anteil auf den bisherigen Höchststand von 27,8 Prozent angestiegen und bis 2015 wieder etwas zurückgegangen. Quelle: dpa
Wohnungsanzeige Quelle: dpa
Ein junger Mann liest kleinen Kindern etwas vor Quelle: dpa
Zwei Männer putzen Fenster Quelle: dpa/dpaweb
Zwei Frauen richten ein Bett in einem Hotel Quelle: dpa/dpaweb
Ein Mann arbeitet an einer Maschine Quelle: dpa

Die deutschen Arbeitnehmer machen weniger Überstunden. Das fand das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in einer neuen Studie heraus. Zwar machen vier von fünf Vollzeitbeschäftigten weiterhin bezahlte Überstunden. Aber in den Siebzigerjahren war die Anzahl der Überstunden viereinhalb Mal so hoch wie heute.

Pro Jahr fielen in den Siebzigerjahren durchschnittlich 170 bezahlte Überstunden an, also fast vier pro Woche. Vor 20 Jahren waren es noch 57 und 2013 nur 37, also weniger als eine Stunde pro Woche. Bezahlte Überstunden entsprechen damit nur noch weniger als drei Prozent der gesamten Arbeitszeit.

Als Hauptgrund für die Abkehr von den Überstunden vermutet Studien-Autor Holger Schäfer die Einführung von Arbeitszeitkonten bei den meisten Unternehmen. Man arbeitet am einen Tag, weil viel ansteht, länger als sonst - lässt sich das aber nicht mehr auszahlen, sondern nimmt dafür einen Tag frei.

Für viele Arbeitgeber ist das durchaus attraktiv, denn sie sparen teure Überstundenzuschläge, die manchmal einem vollen Stundenlohn entsprechen. Freizeitausgleich statt Zusatzverdienst bewährte sich für viele Unternehmen auch als Puffer während der Rezension der Finanzkrise. Dieser Entlastungseffekt für die deutschen Firmen war im Krisenjahr 2009 fast genauso groß wie derjenige durch Kurzarbeit.

In Arbeit
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Noch günstiger für Arbeitgeber, aber nicht für die Beschäftigten ist eine Vereinbarung, die in vielen Arbeitsverträgen von Hochqualifizierten und Akademikern steht: „Sämtliche Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten.“ Das heißt de facto nichts anderes, als dass es keine fixierte Arbeitszeitregelung gibt. Jeder sechste Arbeitnehmer arbeitet deswegen ohne jeden Ausgleich länger als vertraglich vorgesehen.

Die Zahl der unbezahlten Überstunden von Führungs- und Fachkräfte und Wissenschaftlern ist nach Schätzungen des IW etwa so hoch wie die aller bezahlten Überstunden der anderen Arbeitnehmer. Also etwa 37 Stunden pro Jahr.

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