Jill Abramson Gefeuert werden ist keine Schande

Jill Abramson war drei Jahre lang Chefredakteurin der New York Times. Im Mai wurde sie wegen ihres schroffen Managementstils gefeuert. Jetzt erzählt sie, warum das keine Schande ist und was sie jungen Frauen rät.

Jill Abramson gibt erstmals nach ihrer Entlassung ein Interview. Quelle: AP

Jill Abramson war die erste Frau an der Spitze der New York Times. Indirekt hatte ihr die Freundschaft zur Vorstandsvorsitzenden des Verlages, Janet Robinson, den Weg in diese Position geebnet. Doch nach nicht ganz drei Jahren war Schluss für Abramson: Im September 2011 hatte sie die Stelle angetreten, im Mai 2014 wurde sie gefeuert. Ihr Führungsstil sei zu schroff, sie geriet häufig mit dem Chef vom Dienst und heutigem Chefredakteur der New York Times, Dean Baquet, aneinander. "In den vergangenen Monaten ist Abramson zu einer Quelle der Frustration und Besorgnis im Newsroom der Times geworden", schrieb das Magazin Politico im April 2014.

Jetzt äußert sich Abramson erstmals selbst zu ihrer Kündigung und ihre Botschaft ist klar: Ein Rückschlag ist kein Grund aufzugeben.

Diese Fehler verbauen Frauen die Karriere
1.  Frauen lassen sich von Stellenanzeigen einschüchternKeine Frage, Bewerber sollten Stellenanzeigen sorgfältig durchlesen. Aber zu viel Sorgfalt schadet eher. Ein Problem, das vor allem Frauen betrifft. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Online-Stellenbörse Jobware. 151 Männer und 79 Frauen lasen darin 150 Stellenanzeigen. Währenddessen wurden ihre Augenbewegungen aufgezeichnet, hinterher bewerteten die Studienleiter ihre Aussagen. Das Ergebnis: Frauen klickten im Schnitt nicht nur auf mehr Jobprofile, die sie auch länger durchlasen. Mehr noch: Sie ließen sich wesentlich stärker von vermeintlich männlichen Stellentiteln und Qualifikationen beeindrucken – und wollten sich gar nicht erst bewerben. Ein Indiz dafür, dass sich Frauen von manchen Anforderungen immer noch zu stark beeindrucken lassen. Ein Problem, das schon früh beginnt... Quelle: Fotolia
2. Schon Mädchen scheuen WettbewerbMatthias Sutter und Daniela Rützler von der Universität Innsbruck untersuchten in einer Studie das Verhalten von mehr als 1000 Kindern im Alter zwischen 3 und 18 Jahren. Sie sollten verschiedene Tests lösen, etwa Wettläufe oder Matheaufgaben. Als Belohnung erhielten sie kleine Geldbeträge. Im Verlauf des Spiels konnten die Kinder dann gegen Gleichaltrige antreten und dabei mehr verdienen. Bei den Jungen entschieden sich 40 Prozent für den Wettkampf unter Gleichaltrigen. Von den Mädchen wollten das nur 19 Prozent wagen. Quelle: Fotolia
3. Frauen unterschätzen ihre LeistungErnesto Reuben von der Columbia Business School gewann für sein Experiment ( .pdf) 134 Studenten. Alle hatten zwei Jahre zuvor verschiedene Aufgaben absolviert, jetzt sollten sie ihre damalige Leistung bewerten. Das Ergebnis: Die Männer überschätzen ihre tatsächliche Leistung um rund 30 Prozent überschätzt, die Frauen hingegen um weniger als 15 Prozent. Im zweiten Schritt teilte Reuben die Teilnehmer in Gruppen. Sie sollten einen Vertreter wählen, der für die Gruppe Geld gewinnen konnte. Das Ergebnis: Weil sie zu ehrlich waren, schafften es weibliche Teilnehmer drei Mal seltener als Männer, die Rolle des Anführers zu übernehmen. Quelle: Fotolia
4. Frauen lassen sich von Klischees beeinflussenMarina Pavlova vom Universitätsklinikum Tübingen reichte für ihre Studie im Jahr 2010 83 Medizinstudenten den Abschnitt eines Intelligenztests. Dabei sollten sie eine Reihe von Bildern in die richtige Reihenfolge zu bringen. Doch vorab gaukelte Pavlova der einen Hälfte der Teilnehmer vor, dass Frauen bei dieser Aufgabe generell besser abschneiden. Die andere Hälfte erfuhr, dass Männer darin bessere Ergebnisse erzielen. Ergebnis: Die Frauen ließen sich von negativen Aussagen viel stärker beeinflussen als Männer. Deren Leistung litt kaum unter der Vorab-Information. Quelle: Fotolia
5. Frauen sind schneller zufriedenDer Soziologe Stefan Liebig von der Universität Bielefeld analysierte für seine Studie ( .pdf) Daten des Sozio-oekonomischen Panels. In dieser Langzeitstudie machen 10.000 Deutsche regelmäßig Angaben zu Ihrem Beruf und Privatleben. Liebig wollte wissen, ob sie ihr aktuelles Einkommen als gerecht empfanden - und falls nein, welches Nettogehalt angemessen wäre. Wenig überraschend: Etwa jeder dritte Befragte fand sein Einkommen ungerecht. Doch das Einkommen, das Frauen als gerecht empfanden, lag noch unter dem tatsächlichen Gehalt von Männern. Egal ob Akademikerin oder Reinigungskräfte: Frauen hatten finanzielle geringere Ansprüche. Quelle: Fotolia
6. Frauen scheuen Jobs mit WettbewerbAndreas Leibbrandt und John List schalten für ihre Untersuchung Stellenanzeigen in neun US-Städten – in zwei verschiedenen Versionen. Die eine Ausschreibung suggerierte, dass das Gehalt nicht verhandelbar sei. Die andere behauptete, dass das Gehalt Verhandlungssache sei. Fazit: Bei letzterer Stelle bewarben sich wesentlich mehr Männer. Offenbar meiden viele Frauen Jobs mit starkem Konkurrenzdenken. Quelle: Fotolia
Ein Mann hält einen Zettel mit der Aufschrift

"Ich wusste, dass ich gefeuert werde, bevor es publik wurde", schreibt sie. Ihre Kinder seien wütend gewesen, sie dagegen nur vom medialen Echo rund um den Globus überrascht. An dem Tag, als ihr Rauswurf bekannt gegeben wurde, habe sie ihrer Tochter ein Foto von sich geschickt, das sie beim Boxtraining zeigt. "Ich wollte meinen Kindern zeigen, dass ich nicht weinend zu hause in einer Ecke sitze", sagt sie. Ihre Tochter veröffentlichte das Bild daraufhin bei Instagram.

Natürlich habe sie auch geweint, gibt sie zu. Aber zu sagen, dass sie gefeuert wurde, sei ihr nicht schwer gefallen. "Und ich glaube nicht, dass sich junge Frauen stigmatisiert fühlen sollten, wenn sie entlassen werden", so Abramson. "In unserer Wirtschaft werden ständig Leute wegen der willkürlichsten Gründe entlassen", man könne nicht immer alles kontrollieren.


Nicht über den Job definieren

In Arbeit
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Für junge Frauen hat sie zwei Ratschläge. Zum einen sagte sie: "Es ist gefährlich, sich selbst über den Job zu definieren." Natürlich vermisse sie ihre Kollegen bei der New York Times, genauso, wie sie ihre Arbeit vermisse. "Aber ich vermisse es nicht, zu sagen: Jill Abramson, Chefredakteurin."

Außerdem müssten Frauen bei Gehaltsverhandlungen selbstsicherer werden, so Abramson. "Für Frauen ist es schwer, mit ihren Vorgesetzten über Geld zu sprechen", sagt sie. Sie bewundere Frauen, denen dies leicht falle. Das Problem sei, dass Frauen oft so froh darüber seien, einen Job bekommen zu haben, dass sie sich nicht trauen, noch mehr zu fordern: "Männer glauben nie, dass ihr Erfolg reine Glückssache war, Frauen tun das oft".

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