Jobfrust Warum montags alles noch schlimmer ist

Den "Mondayblues" gibt es wirklich: 85 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland starten mit schlechter Stimmung in eine neue Arbeitswoche. Woher der Montagsblues kommt - und wie Sie ihm entkommen.

Was die Deutschen auf die Palme bringt
Rücksichtlose AutofahrerBeim Autofahren gibt es viele Gründe, sich aufzuregen. Vorneweg sind dabei rücksichtlose Autofahrer, die  laut einer Forsa-Umfrage 79 Prozent der Deutschen nervig finden. Diese landen damit noch vor Staus und überfüllten Straßen (71 Prozent). Zu den rücksichtlosen Fahrern kommen noch ihre Gegenstücke: Unsichere Fahrer nerven 67 Prozent der Deutschen. Auch bei den Radfahrern dominieren rücksichtlose Autofahrer als Störfaktor (59 Prozent). 50 Prozent von ihnen beklagen sich über zu wenige Radwege. Quelle: dpa
KinderDeutschland gilt nicht als kinderfreundliches Land. Diese Ansicht teilen laut der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung GfK 74,6 Prozent der Deutschen. 15,5 Prozent sagen sogar, dass Kinder oft auf die Nerven gehen. Quelle: dapd
Flugpassagiere, die gegen den Sitz drückenIm Flugzeug müssen es Passagiere teils mehrere Stunden miteinander aushalten. An diesem Miteinander nervt die Deutschen vor allem, wenn der Hintermann gegen den Sitz drückt. Dies haben 76 Prozent der 1.100 Befragten des Reiseportals lastminute.de angegeben. Auf der Rangliste folgen betrunkene Mitreisende (75 Prozent) und Sitznachbarn, die sich breit machen (71 Prozent). Allerdings zeigen sich die Deutschen gesprächig. Nur sieben Prozent stört es, wenn sie der Nebenmann in ein Gespräch verwickelt. Quelle: dpa
Müll in freier Natur entsorgenBesonders sensibel zeigen sich die Deutschen, wenn es um die Umwelt geht. 92 Prozent stört es, wenn Menschen ihren Abfall in freier Natur entsorgen. Speziell nach einem Picknick liegen gelassener Müll nervt 91 Prozent, achtlos weggeworfene Zigarettenkippen stören 82 Prozent. Quelle: dpa
Streitende NachbarnSo ganz privat ist man doch nie so wirklich: Vom Leben der Nachbarn bekommt man trotzdem immer wieder etwas mit – und umgekehrt. Was die Deutschen an ihren Nachbarn am meisten nervt, hat das Immobilienportal Immowelt in einer Umfrage zusammengetragen. Vorneweg liegen Streitgespräche der Nachbarn mit 29,6 Prozent. Am wenigsten stört es die Deutschen, wenn sie die Nachbarn beim Sex hören können (11,1 Prozent). Quelle: dpa
Werbeunterbrechungen im FernsehenBei Fernsehen nerven 65 Prozent der Deutschen die Werbeunterbrechungen. 45 Prozent der durch das Marktforschungsunternehmen TNS Emnid Befragten gaben zudem an, dass sie es stört, wenn der Ton bei der Werbung lauter wird. Quelle: dpa
Mangelnde Hygiene in der GastronomieSauberkeit ist das Mindeste, das die Deutschen in Hotels und Restaurants erwarten. Dementsprechend stört es mit 81 Prozent die meisten der Befragten durch TNS Emnid, wenn sie dort Dreck vorfinden. Weitere Störfaktoren sind unter anderem unfreundliche Mitarbeiter (74 Prozent) und unangenehmer Geruch (67 Prozent). Quelle: dpa
Die passende Kleidung zu findenBei Kleiderkauf muss nicht nur die Größe stimmen – sondern auch Aussehen und Preis. 45 Prozent der Deutschen finden, dass es zumindest teils zutrifft, dass es Zeit und Nerven kostet, die Kleidung zu finden, die den eigenen Vorstellungen entspricht. Dies ergab eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Marplan unter 10.000 Deutschen. Quelle: dpa
Nervige Aussagen von Frauen und Männern„Wie war ich?“ Diese Frage können 80,1 Prozent der deutschen Frauen gar nicht leiden. Dies hat eine Umfrage der Partnervermittlung Elite Partner ergeben. Dahinter kommt mit weitem Abstand die Frage: „Hat Du ein bisschen zugenommen?“ (47,1 Prozent). Dass Frauen ihr Gewicht anscheinend sehr beschäftigt belegt auch die Aussage, die Männer an Frauen am nervigsten finden. Diese lautet: „Findest Du mich zu dick?“ ( 50,8 Prozent). Allerdings sind auch Männer sensibel bei ihrem Gewicht. 30,8 Prozent nervt die Aussage: „Du warst auch schon mal schlanker.“ Quelle: dpa
Streit vor FreundenLiebespaare entwickeln Eigenheiten, die für ihre Mitmenschen nervig werden können. So stört es etwa 63,7 Prozent der durch die Partnervermittlung „Elite Partner“ Befragten, wenn Paare vor ihnen streiten. Doch mit allzu vielen Liebenswürdigkeiten kann es der Umwelt auch nicht recht machen: 62,2 Prozent nervt es, wenn Pärchen in Babysprache miteinander sprechen. Quelle: dpa

Es ist sechs Uhr, vielleicht auch fünf oder halb acht, der Wecker klingelt. Und läutet damit das Unvermeidbare ein: Den Montag. Der Kopf warnt, dass kein Kaffee mehr im Haus ist, die Züge oder Autobahnen überfüllt und die Kollegen an der Arbeit mindestens so schlecht gelaunt sein werden, wie man selbst. Oder noch schlimmer – die widerlich gute Laune haben. An einem Montag!

Und schon ist die Laune im Keller, obwohl man noch nicht einmal den kleinen Zeh aus dem Bett bewegt hat. „Der Montagmorgen geht sogar schon am Sonntagabend los, wenn wir uns Sorgen machen, was uns auf der Arbeit alles erwartet“, sagt die Psychologin Ilona Bürgel. Und tatsächlich: 85 Prozent der Deutschen stehen montags mit mächtig schlechter Laune auf, wie die Studie "Arbeitsmotivation 2016" der ManpowerGroup Deutschland zeigt. Hinzu kommt die Montagsmüdigkeit: Wer sonntags bis um elf Uhr vormittags schläft, geht abends nicht um zehn ins Bett. Klingelt dann um sechs oder sieben der Wecker, kommt so mancher nur schwer aus den Federn.

Die gängigste Strategie gegen Montagsfrust lautet Verdrängung. Um ihre Minidepression am Wochenanfang zu bekämpfen, verfahren 41 Prozent der Deutschen nach dem Motto: "Augen zu und durch". Fast jeder dritte (32 Prozent) Arbeitnehmer versucht es mit Ablenkung und macht am Wochenende einen großen Bogen um berufliche E-Mail-Accounts. Rund jeder Vierte (24 Prozent) setzt auf viel Schlaf und frühes Aufstehen am Montag, um sich langsam in die Woche vorzutasten.

So schlafen Sie besser ein und stehen morgens entspannter auf

Trotzdem: Montags ist es besonders schlimm. Morgens kommt dann gerne noch der Ärger auf der Autobahn hinzu. Wer im Internet nach dem Schlagwort „road rage“ sucht, findet groteske Videos aus aller Welt, die Prügeleien auf offener Straße oder heftige Verbalattacken zeigen. Die Auslöser sind oft nur Kleinigkeiten: Abbiegen ohne Blinken, abruptes Bremsen und Gedrängel. Zwar greift nicht jeder gleich zur Waffe, aber Ärger im Straßenverkehr kennen die meisten. Der entsteht auch, weil vier von fünf Menschen glauben, dass sie die besseren Autofahrer sind – oder zumindest so gut fahren, wie der Durchschnitt. Das zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov.

Entsprechend regen sich 47 Prozent am meisten über die anderen Autofahrer auf – man selbst ist schließlich perfekt. „Das Ziel ist immer, möglichst schnell von A nach B zu kommen. Alles, was mich dabei aufhält, ist ein Ärgernis“, erklärt Verkehrspsychologe Wolfgang Fastenmeier dieses Phänomen gegenüber der dpa.

Dabei sei der ganze Stress ja eigentlich selbstgemacht, so Bürgel. Das gilt besonders, wenn es um die Arbeitsbelastung geht.

Mit wem wir uns im Beruf am häufigsten streiten

Denn wenn wir ehrlich sind, hat es nie bessere Arbeitsbedingungen gegeben als heute. Selbst in der produzierenden Industrie oder bei der Müllabfuhr gebe es hohe Sicherheits- und Hygienestandards, wie Bürgel sagt. „Die Crux ist, dass Arbeit etwas ist, das wir müssen, während Freizeit etwas ist, was wir wollen.“ Montags heißt es also in unserem Gehirn: Tschüss, fröhliche Selbstbestimmung, hallo Sklaverei. Wer mit solchen Gedanken in den Tag startet, den erwischt der Montagsblues mit voller Wucht - selbst an einem Mittwoch.

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