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Jobprofile Was Top-Manager vom Nachwuchs erwarten

Dax-Vorstände wünschen sich von Bewerbern völlig andere Qualifikationen als ihre eigenen, zeigt eine aktuelle Studie.

Die größten Karrieremythen
Der erste Job muss der richtige seinWer auf standardisierte Einstiegsprogramme in Unternehmen mit hohem Bekanntheitsgrad setze, müsse auch in Kauf nehmen, dass die eigene Berufslaufbahn nachgemacht wirkt, sagt Personalberater Marcus Schmidt. „Gehen Sie eigene Wege. Suchen Sie Ihren Einstieg ruhig gegen den Strich. Probieren Sie etwas aus, was sie wirklich interessiert.“ Quelle: AP
Der MBA ist ein Karriere-TurboDie deutsche Wirtschaft zeigt ein anderes Bild: Absolventen hätten sich selten in die Führungsetage hochgearbeitet, sagt Schmidt. Anders als der Doktortitel ist der MBA zudem kein normierter akademischer Grad, seine Vergabe wird also grundsätzlich nicht staatlich geregelt oder kontrolliert. Wer Studiengebühren von bis zu 70.000 US-Dollar auf sich nehme, solle deshalb das Renommee der Schule immer überprüfen. Quelle: dpa
Ein Auslandsaufenthalt fördert die weitere KarriereNicht immer, sagt Headhunter Marcus Schmidt – stattdessen kann der Auslandseinsatz sogar zum Nachteil werden. „Oftmals sind es die Daheimgebliebenen, die dann verbleibende Inlandsposten unter sich aufteilen“. Sie säßen dann auf Stühlen, auf die Auslandsrückkehrer vergeblich spekulieren. Quelle: Fotolia
In der Wirtschaftskrise macht man keine Karriere„In der Krise wählen Unternehmen bei der Besetzung von Stellen zwar sorgfältiger aus. Aber sie stellen trotzdem noch ein“, ist die Erfahrung von Marcus Schmidt. Gerade in Phasen des Umbruchs gebe es etwa die Chance zur Übernahme von Restrukturierungsjobs, bei denen wirklich die Fähigkeit der Verantwortlichen zählt. Quelle: dpa
Frauen hindert die „gläserne Decke“ am AufstiegTatsächlich finde sich diese „gläserne Decke“ vor allem in den Köpfen der männlichen Entscheider, glaubt Schmidt. Für weibliche Führungskräfte scheine sie hingegen kein Thema zu sein. „Viele Beratungsunternehmen und große Konzerne bitten uns öfter sogar explizit, nach weiblichen Kandidatinnen zu suchen.“ Quelle: dapd
Karriere macht, wer mehr als 60 Stunden pro Woche arbeitetFalsch, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Ebenso wichtig wie der tatsächliche Zeiteinsatz sei der gefühlte Zeiteinsatz. Und der definiere sich auch durch die Befriedigung mit der getanen Arbeit. „Wer es schafft, aus seiner Arbeit weitgehend Befriedigung zu ziehen, muss auch nicht Karriereschablonen zum persönlichen Zeiteinsatz nachjagen.“ Quelle: dpa
Gehalt ist ein untrüglicher Gradmesser des KarriereerfolgsDie Position mit Perspektive sei nicht immer die am besten bezahlte, sagt Marcus Schmidt. So könne sich für ein renommiertes Traineeprogramm ein kurzfristiger Gehaltsverzicht durchaus auszahlen - etwa, wenn das ausbildende Unternehmen in seiner Branche als Kaderschmiede gilt. Quelle: dpa

Die Lebensläufe von Spitzenmanagern und ihre Erwartungen an den Nachwuchs klaffen krass auseinander. Das ist das Ergebnis der Studie "Akademiker im Chefsessel“ der Unternehmensberatung Roland Berger und der Universität Innsbruck. Sie vergleicht die Ausbildungswege von 181 Dax-Vorständen mit den Anforderungen an künftige Führungskräfte.

Wichtiger Master

Demnach haben 84 Prozent der Manager ein Universitätsstudium absolviert, fast die Hälfte hat danach noch promoviert. Aber nur 20 Prozent der Führungskräfte erwarten von den Nachwuchskräften einen Doktortitel. Knapp 70 Prozent halten ein Master-Studium für sehr wichtig. Forschungserfahrung spielt für die Personalentscheidungen der Manager so gut wie keine Rolle.

Auch beim Punkt Praxiserfahrung klaffen die Erwartungen der Manager und ihr eigener Lebenslauf weit auseinander. Mehr als 80 Prozent der Manager halten praktische Erfahrung für vorteilhaft – aber nur knapp 14 Prozent der Manager haben sie während ihres Studiums selbst gesammelt.

In Arbeit
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Der klassische Weg

Eine ähnliche Beobachtung machten die Studienautoren bei den Punkten unternehmerisches Denken und Kreativität. Zwar suchen viele Konzerne Querdenker mit Unternehmergeist – doch die Lebensläufe der Vorstände zeigen ein anderes Bild.

So hatten lediglich vier Prozent der Befragten in ihrem Leben eine Geschäftsidee, die sie auch umsetzten. Die Mehrheit der Vorstände ging den klassischen Weg mit einem schnellen Universitätsabschluss und sofortigem Berufseinstieg.

Auch hinsichtlich der Auslandserfahrung gehen die Forderungen und Wege auseinander: Über ein Drittel der Befragten hat nie im Ausland studiert oder gearbeitet, obwohl 97 Prozent der Top-Manager einen beruflichen Auslandsaufenthalt für wichtig erachten.

Die Studienautoren raten: Wenn deutsche Unternehmen auch künftig von der soliden Ausbildung ihrer Top-Manager profitieren wollen, sollten sie ihre Rekrutierungsstrategie und ihr Anforderungsprofil überdenken.

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