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Jobsuche Die bizarre Welt der Stellenanzeigen

 Stellenanzeigen hängen in Köln im Fenster einer Zeitarbeitsfirma. Quelle: dpa

Eigentlich sollen sie Lust auf einen Job machen und geeignete Bewerber ansprechen. Doch viele Stellenanzeigen sind sehr skurril und nutzen wirre Formulierungen oder Anglizismen. Eine Bestandsaufnahme.

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Von Arbeitsuchenden wird erwartet, dass sie eine überzeugende Bewerbung in gutem Deutsch vorlegen. Rechtschreibfehler, schräge Formulierungen oder alberne Anbiederungen? Bitte nicht! Sie können den Traum von der großen Karriere schnell platzen lassen. Aber wie präsentieren sich eigentlich die Arbeitgeber? Halten Sie sich in ihren Job-Annoncen an die eigenen Regeln?

Besonders beliebt sind bei Personalern Metaphern. „Du bildest das Kugelgelenk in der Produktion“, schreibt die Deutsche Bahn in einer Stellenanzeige und sucht nicht etwa einen Zirkusartisten mit außergewöhnlichen Körpereigenschaften, sondern einen Leiter ihrer Bus-Disposition in Münster. Die Zeppelin Universität in Friedrichshafen verspricht zukünftigen Dozenten ein „turbulentes“ Arbeitsumfeld mit „tatendurstigen“ Studenten. Manch ein Bewerber dürfte da eher an einen Hort für Schwererziehbare denken als an einen verlockenden Arbeitsplatz.

Dass der Bayerische Fußball-Verband sprachlich mit dem Volkssport Nummer Eins spielt, überrascht selbst in einer Stellenanzeige nicht. Aber könnte es sein, dass zu viel des Guten in einem Eigentor endet? „Wenn Sie bei uns „mitspielen“ wollen, den „Doppelpass“ dem „Alleingang“ vorziehen“, so der Verband, dann dürfe man sich bewerben. Gesucht sei ein Online-Koordinator, der zeige, „wie smart der Fußball in all seinen Facetten online rollen kann“. Der Verband bilde „mit Nachdruck die emotionale Erlebbarkeit des Amateurfußballs in der Omni-Channel-Welt ab“. Ob die Einwechslung naht?

„Durch solche Wortspielereien und Bilder wollen die Unternehmen Aufmerksamkeit erregen, um Bewerber anzulocken“, sagt Bewerbungscoach Christine Werner aus Berlin, die in ihrer Arbeit täglich mit Stellenanzeigen zu tun hat. Die Recruiterin Katharina Hain vom Personaldienstleister Hays hat allerdings Zweifel, ob das wirklich funktioniert. „Ich glaube, dass es viel zu Verwirrung kommt. Diese leeren Worthülsen sind teilweise auch dem geschuldet, dass diejenigen, die die Stellenanzeigen schreiben, gar nicht so genau wissen, was die Fachabteilung sucht.“

Eine der Lieblingsdisziplinen von Personalabteilungen scheint es zu sein, banale Selbstverständlichkeiten möglichst kompliziert auszudrücken. So sucht die Bundeswehr im Internet nach einem „Mehrachsschlepperfahrer“ für „manuelle Geländebetreuungsarbeiten“. Die Recherche ergibt, dass es sich um einen Brummi-Fahrer mit Rasenmäh-Kompetenzen handeln dürfte. „Solche Formulierungen sind durchaus Absicht“, erklärt Werner. „Das hat den Hintergrund, dass man Bewerber anzieht, die das Wording kennen, und andere abschreckt.“

Auf die Idee, den Personaler zu duzen, kommt kaum ein Bewerber - zu Recht, möchte man meinen. Doch viele Unternehmen kommunizieren, als seien Arbeitsuchende die besten Kumpel aus der Schulzeit. „Du hast Ketchup im Blut“, verlangt eine Fastfood-Kette von Bewerbern für einen Job zwischen Fritten und Burgern. Und auch ein Modehändler geht in einer Stellenanzeige neue Wege im Bereich der Hämatologie. „Sauberkeit und Ordnung liegen dir im Blut“, heißt es in einer Annonce für einen Abteilungsleiter im Einzelhandel.

„Das „Du“ ist etwas lockerer und vielleicht auch etwas ansprechender und proaktiver“, sagt Norma Schöwe, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Personalführung. Man wolle damit neuen Umgangsformen gerecht werden. „Denn letztlich geht es Arbeitgebern heute mehr als früher darum, auch für sich selbst zu werben.“
Ein nicht enden wollender Trend ist derweil die Nutzung von Anglizismen. Ein Telekommunikationsunternehmen sucht für ein Callcenter erfahrene Verkäufer. Die Aufgabe laut Stellenanzeige: „Cross- und/oder Up-Selling im Rahmen von standardisierten Outbound-Kampagnen inklusive Retention Calls.“ Alles klar? Wohl kaum. Auf Deutsch: Das Unternehmen sucht Mitarbeiter, die Kunden anrufen und ihnen zusätzliche und/oder teurere Produkte verkaufen. „Dadurch will man als Unternehmen modern wirken“, meint Werner. „Es gibt die Tendenz, alles kompliziert auszudrücken, weil es dann wertvoller klingt.“

Wenn sie die Stelle eines Spezialisten für „Brandmanagement“ ausschreibt, denkt eine Supermarktkette nicht etwa an einen Feuerwehrmann. Sie meint einen Verantwortlichen für die Eigenmarken des Unternehmens. Und ein Pflegekonzern benötigt einen Pflegedienstleiter, der „Audits“ begleitet, sich mit dem „Total Quality Management“ austauscht und „attraktive Mitarbeiter Benefits“ wahrnimmt. Sprich: Er soll sich an Qualitätsprüfungen beteiligen und darf sich auf freundliche Gesten des Unternehmens freuen.

Apropos Benefits: Viele Firmen setzen darauf, neue Mitarbeiter mit mehr oder minder sinnvollen Angeboten rund um den Job anzulocken. „Es ist mittlerweile so, dass Unternehmen heute sehr viel mehr bieten müssen als einen sicheren Job“, sagt Hain. Eine Werbeagentur aus Düsseldorf kündigt in ihrer Stellenanzeige zum Beispiel an, „feinste Kaffeespezialitäten“, „knackiges Gemüse“ und „professionelle Massageeinheiten“ anzubieten. Na dann: Schmackhafte Bewerbung schreiben und los geht's!

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