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Jochen Schweizer „Mein Büro ist die Welt“

Jochen Schweizer sucht einen neuen Geschäftsführer im Fernsehen Quelle: ProSieben/Richard Hübner

Der Unternehmer Jochen Schweizer sucht einen neuen Geschäftsführer – und zwar in einer Fernsehsendung, in der er elf Kandidaten Rinder durch die afrikanische Savanne treiben und über alpine Höhen turnen lässt. Warum nur?

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Der Raum wirkt wie ein Museum für all die Souvenirs, die Jochen Schweizer von seinen Reisen mitgebracht hat: zwei afrikanische Statuen, ein Wandteppich aus Tibet, ein alter Flugzeugflügel von einer Lockheed T-33, der als Platte für den Schreibtisch dient.

Der Raum stehe jeder seiner Führungskräfte offen, betont der Unternehmer. Nicht nur ihm, dem Chef. „Mein Büro ist die Welt“, sagt er. „Da, wo ich bin, ist mein Büro.“ Solch ein Statement passt natürlich perfekt zu Jochen Schweizer.

Der Mann, der nach einer Karriere als Stuntman 1985 eine Event- und Werbeagentur gründete, aus der später die Unternehmensgruppe Jochen Schweizer wurde, verkauft schließlich vor allem den Geschmack der großen weiten Welt: Das Internetportal, das seinen Namen trägt, auch wenn der Fernsehsender ProSiebenSat1 vor zwei Jahren die Mehrheit übernommen hat, bietet Gutscheine für Wanderungen mit Alpaka oder Übernachtungen im Iglu. Und die Jochen-Schweizer-Arena, südlich von München, ist eine Art Abenteuerspielplatz für Erwachsene, mit einer stehenden Welle zum Surfen, einer Flugkammer fürs Fallschirmtraining und Klettergarten. Im vergangenen Jahr gab es dort 460 Firmenveranstaltungen, in diesem Jahr werden es voraussichtlich mehr als 600 sein.

Wohl auch weil Jochen Schweizer nicht jedem seine Souvenir-Sammlung im ersten Stock seiner Arena zeigen kann, sucht er eine andere Bühne, um das Bild des Abenteurers im Kopf möglichst vieler Menschen zu verankern: Am 9. Juli startet eine neue Fernsehshow, die der 62-Jährige das „längste und intensivste Bewerbungsgespräch der Welt“ nennt. Elf Bewerber treten darin an, um einen Posten als Geschäftsführer in Schweizers Unternehmen zu ergattern.

Das Konzept der Sendung erinnert stark an die US-Show „The Apprentice“, welcher der heutige US-Präsident Donald Trump seine Popularität verdankt. Schweizer aber verfolgt andere Ziele: „Das Format bietet mir die Möglichkeit, meine Überzeugungen sowohl an die Bewerber als auch an ein breiteres Publikum weiterzugeben“, sagt Schweizer im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. „In der Mythologie der Heldenreise wird der Protagonist am Ende seiner Reise vom Lernenden zum Lehrenden. Ich habe in meinem Leben viel erlebt, bin auch gescheitert und wieder aufgestanden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse möchte ich teilen.“

Der Mann, der das Bungee-Jumping einst in Deutschland populär machte, führt die Kandidaten in seiner Sendung an Orte, die ihn selbst geprägt haben. Etwa nach Kenia.

Vor ein paar Jahren ist Schweizer mit seinen Söhnen, einer von ihnen Helikopterpilot von Beruf, über das afrikanische Land geflogen. An der Grenze zum Sudan haben sie ein eindrucksvolles Natur-Kunstwerk entdeckt: „schwarze Lava-Landschaften, wo sich Wasser in den Kratern sammelt. Algen färben es in das intensivste Grün, das ich jemals gesehen habe.“ Der Unternehmer schwärmt immer noch davon: „Wenn es diese Landschaft nicht gäbe, müsste man sie im Rausch erfinden.“

Unternehmer Jochen Schweizer und die Kandidaten der Fernsehshow „Der Traumjob“, von denen einer neuer Geschäftsführer bei Schweizer werden soll. Quelle: ProSieben/Richard Hübner

Das Problem: Selbst mit dem Helikopter ist diese Gegend nicht leicht zu erreichen. Deshalb lässt Schweizer die Bewerber nun in seiner Show in einer Art Schnitzeljagd Kerosinlager anlegen – um mit einem Bewerber den „impossible flight“ zu absolvieren. „Alles hat eine Geschichte“, erläutert Schweizer seine Idee hinter der Sendung.

„Nur im gemeinsamen Erleben lernt man sich richtig kennen“, sagte der Unternehmer im Juni der WirtschaftsWoche. „Wenn ich jemanden in einer führenden Position in einem meiner Unternehmen einsetze, will ich genau wissen, wie der- oder diejenige tatsächlich tickt, und ich habe mich auf das Experiment eingelassen, über eine TV-Show einen Geschäftsführer zu finden.“

Zu den Leuten, die in der Sendung „Der Traumjob“ antreten, gehören unter anderem eine 30 Jahre alte Managerin bei einem Kreuzfahrtanbieter, ein Coach aus dem Personalwesen, ein Marketing-Mann, 35 Jahre alt, aus dem Onlinehandel und eine Unternehmerin, die in Nordrhein-Westfalen einen Kiosk, ein Bistro, ein Spielwarengeschäft und eine Textilreinigung betreibt.

Die Marke Jochen Schweizer: Was hinter dem bekannten Namen steckt

Jochen Schweizer hat die Kandidaten gemeinsam mit den Personalern und dem Geschäftsführer seiner Unternehmensgruppe aus 4000 Bewerbern ausgewählt. Der Sieger erhält einen Job mit sechsstelligem Jahresgehalt.

Dazu haben die Bewerber vor der Fernsehkamera aber einiges absolviert: Sie müssen eine Rinderherde durch die afrikanische Savanne treiben, auf einem Schwebebalken in alpinen Höhen ebenso bestehen wie bei einer Modeshow in einer Shopping-Mall in Bangkok.

Schweizer ist selbst nach dem Abitur mit dem Motorrad 20.000 Kilometer quer durch Afrika gereist. Auf die Frage, was er aus dieser Zeit mitgenommen hat, antwortet er prompt – mit einem seiner wichtigsten Prinzipien als Unternehmer: „Es gibt immer einen Weg. Auch in der vermeintlich ausweglosen Situation.“

„Der Traumjob“ läuft immer dienstags auf Pro7.

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