Jugendarbeitslosigkeit Für die europäische Jugend sieht es finster aus

Viele der 16- bis 29-jährigen Europäer haben keinen Job, keine Ausbildung, keinen Abschluss. Selbst die Qualifizierten haben kaum Chancen. Damit sich daran etwas ändert, müssen Unternehmen und Schulen zusammen arbeiten.

Junge Demonstranten sitzen auf einem Platz in Madrid Quelle: dpa

Europas Jugend hat ein Problem. Es versteckt sich hinter Begriffen wie befristete Arbeitsverträge, unbezahlte Praktika, keine Ausbildung, aber auch hinter Absagen wie: "Leider haben Sie zu wenig Berufserfahrung für den Job." Das ist das Fazit des Skills Outlook 2015 der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu den Beschäftigungsaussichten der Generation unter 30. Demnach waren im Jahr 2013 39 Millionen Europäer zwischen 16 und 29 Jahren ohne Job oder Ausbildung. Das sind fünf Millionen mehr als vor der Finanzkrise im Jahr 2008.

20 Millionen dieser Jugendlichen haben weder eine Schule besucht noch sind sie auf Jobsuche. "Dadurch sind sie möglicherweise im Bildungs-, Sozial- und Arbeitsmarktsystem ihres Landes nicht mehr erfasst", heißt es in dem Bericht. 20 Millionen junge Europäer fallen durch das Raster - und niemand merkt es. Das ist nicht nur für die Betroffenen eine Katastrophe, sondern auch für die Wirtschaft der jeweiligen Länder. "Junge Menschen sollen für die Wirtschaft ein Vorteil, keine potenzielle Belastung sein", so die OECD.

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Doch woran liegt es, dass Europa offenbar auf die Arbeitskraft von 39 Millionen Menschen verzichten kann? Zum einen tatsächlich an den schlecht ausgebildeten Schulabgängern, wie die Unternehmen häufig beklagen. Eine OECD-Erhebung aus dem Jahr 2013 zu den Lese- und Rechenfähigkeiten Erwachsener (PIAAC) hat gezeigt, dass 14 Prozent der jungen Absolventen sich mit der alltäglichen Mathematik schwer tun, 10 Prozent haben Probleme mit dem Lesen. Bei den Schülern, die kein Abitur oder einen vergleichbaren Abschluss gemacht haben, fallen 40 Prozent durch Schwierigkeiten beim Rechnen oder schlechtes Leseverständnis auf.

Und wenn die jungen Menschen die Schule verlassen, haben sie außerdem keine Ahnung vom Arbeitsleben oder dem gewünschten Job. Und zwar unabhängig vom Bildungsweg. "Weniger als 50 Prozent der Teilnehmer beruflicher Bildungsgänge und weniger als 40 Prozent der Teilnehmer akademischer Bildungsgänge haben eine arbeitsplatzierte Ausbildung", heißt es im OECD-Bericht. 12 Prozent der europäischen Jugendlichen arbeiten in Jobs, für die sie überqualifiziert sind. Hauptsache Arbeit, lautet gerade in Südeuropa das Motto.

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Denn selbst gut gebildete Menschen haben es schwer, eine Stelle zu finden. Viele Unternehmen wollen aus Kostengründen niemanden einstellen, der noch keine Erfahrung hat. Da ist er also wieder, der Wunsch nach dem 18-jährigen Uniabsolventen mit zehn Jahren Berufserfahrung.

Und wer einen Job bekommt, erhält in der Regel einen befristeten Arbeitsvertrag. 25 Prozent der jungen Europäer stünden in befristeten Arbeitsverhältnissen und hätten entsprechend wenig Sicherheiten und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Damit sich daran etwas ändert, muss laut der OECD die frühkindliche Bildung in allen Ländern und für alle Einkommensklassen verbessert werden. Durch eine Vorschule für alle "können die Lehrkräfte und Schulleiter leistungsschwache Schülerinnen und Schüler frühzeitig identifizieren und ihnen gegebenenfalls die erforderliche Unterstützung beziehungsweise die nötigen Sonderprogramme zur Verfügung stellen", so die OECD. Außerdem müssten Pädagogen und Arbeitgeber zusammenarbeiten, damit Schülerinnen und Schüler "die nachgefragten Kompetenzen erwerben und diese bereits zu Beginn ihres Erwerbslebens genutzt werden".

Außerdem sollten Arbeitgeber aus den befristeten Verträgen ein Sprungbrett in den sicheren Job machen, anstatt durch andauernde Verlängerungen die Unsicherheit der Jungen zu vergrößern. Dafür müsse zunächst die Asymmetrie bei den Beschäftigungsschutzbestimmungen reduziert werden, durch die es für Unternehmen kostspielig ist, befristete in unbefristete Verträge umzuwandeln.

Kosten, die für Arbeitgeber bei der Einstellung junger Menschen ohne Berufserfahrung für Weiterbildung und Coachings anfallen, könnten über Steuern und Sozialabgaben wieder reingeholt werden. Laut der OECD könne für diese teuren Jobeinsteiger zur Not auch am Mindestlohn geschraubt werden.

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