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Junge Angestellte Gähneration Z: Träumen vom Mittagsschlaf

Der Traum vom Mittagsschläfchen: Vor allem junge Menschen sehnen sich vermehrt danach, zeigt eine Studie. Quelle: imago images

Vor allem jüngere Angestellte sehnen sich danach, öfter mal ein Nickerchen zu halten. Über die Ursachen lässt sich rätseln, doch ein Schlafforscher warnt: Sie sollten es nicht übertreiben.

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An Erkundungen der Gefühlslage der Jugend besteht wahrlich kein Mangel. Besonders klimabewegt sei diese Generation Greta getaufte Kohorte, vegane Lebensweise sei ihr besonders wichtig. Den eigenen Konsum nutze sie für politische Statements, auch wenn ihr Besitz insgesamt nicht mehr so wichtig sei. Lieber werde geleast, geshared, gekauft und wieder zurückgeschickt als dauerhaft erworben. Und wenn doch, dann am besten gebraucht.

Doch so breit die Palette der Zuschreibungen ist, so groß ist auch die Zahl der Widersprüche: Unter den klimabewegten Neuwählern haben ebenso viele die marktliberale FDP gewählt wie die ökologischen Grünen. Unter den vermeintlichen Besitzskeptikern strebt ein größerer Anteil nach einem eigenen Auto als in der Gruppe der Über-60-Jährigen, so ergab jüngst eine Umfrage der KfW.

Entsprechende Vorsicht ist also auch bei der folgenden Zahl geboten: 65 Prozent, mithin also zwei von drei Arbeitnehmern unter 30 Jahren, sehnen sich danach, öfters mal einen Mittagsschlaf zu halten – deutlich mehr als in jeder anderen Altersgruppe. Diese Erkenntnis ergibt sich aus dem Gesundheitsbericht „How's work“, den das Konstanzer Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung im Auftrag der Techniker Krankenkasse erstellt hat. Der Bericht basiert auf der Befragung von mehr als 11.000 Angestellten verschiedenster Branchen und ist damit eine der umfassendsten Erhebungen zum Stand der Gesundheit in deutschen Unternehmen überhaupt.

„Der Schlaf hat für die Arbeitszufriedenheit von Angestellten eine besonders große Bedeutung“, sagt Utz Niklas Walter, Geschäftsführer des Instituts und selbst promovierter Mediziner mit Schwerpunkt Schlaf. Das gelte auch für die Arbeitgeber, die sich immer stärker darum sorgten, dass ihre Mitarbeiter erholsam schlafen, um so im Büro fit zu sein. „Die Erwartung ständiger Erreichbarkeit, die noch vor einem Jahrzehnt sehr ausgeprägt vorhanden war, verliert immer mehr an Bedeutung“, sagt Walter, der die Vorlieben der jungen Generation grundsätzlich gutheißt.

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    „Ein Mittagsschlaf wirkt sich positiv auf die Leistungsfähigkeit aus.“ Man sollte es damit jedoch nicht übertreiben, an besten nach 15 Minuten das Nickerchen wieder unterbrechen. „Sonst beginnen die Tiefschlafphasen, die insgesamt ungefähr zwei Stunden in Anspruch nehmen und aus denen wir besser nicht herausgerissen werden sollten“, mahnt der Schlaf-Experte. Ein kurzer Schlummer hingegen sorge dafür, dass wir für ungefähr drei Stunden deutlich produktiver sind.

    Nur in Deutschland gibt es „Penner“

    Anders als in ostasiatischen Ländern oder – zumindest früher – in einigen Regionen Südeuropas, fehle es in Deutschland jedoch an einer Mittagsschlafkultur. „Das deutsche Schimpfwort Penner gibt es so in keiner anderen Sprache“, sagt Walter, der hier einen dringenden Mentalitätswechsel fordert – und bereits erkennt. Immer mehr Unternehmen richteten Rückzugsräume für ihre Mitarbeiter ein oder sogar explizite Schlafräume. „Wenn die jüngere Generation das nun verstärkt einfordert, könnte sich dieser Trend noch beschleunigen“, sagt Walter, der immerhin eine Vermutung darüber hat, warum sich die Jugend so sehr fürs Nickerchen begeistern kann: Insgesamt sei bei der nachwachsenden Generation das Bewusstsein für gesunde Ernährung und Lebensweise deutlich ausgeprägter, da gehöre ein guter Schlaf eben dazu.



    Walter selbst hat seinen Biorhythmus schon vor gut zehn Jahren radikal umgestellt, um sich den Bedürfnissen seines Körpers optimal anzupassen: Nachts schläft er nur noch fünf Stunden, eine weitere komplette Tiefschlafphase verlagert er in die Mittagszeit und ruht täglich für zweieinhalb Stunden.

    Redaktioneller Hinweis: In der Ursprungsversion des Artikels war fälschlich von Kardiologen die Rede – wir haben die Bezeichnung von Dr. Utz Niklas Walter korrigiert. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

    Mehr zum Thema: Wer schläft, verliert – diese Taktik hat nicht nur Angela Merkel in langen Verhandlungsnächten zur Perfektion gebracht. Doch Schlafmediziner Ingo Fietze warnt vor den gesundheitlichen Folgen solcher Gewohnheiten.

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