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Junge Fachkräfte scheuen das Ausland Zu Hause ist es doch am schönsten

Sie sind jung und gut ausgebildet - aber nicht besonders mobil. Immer mehr Firmen in Deutschland macht die mangelnde Lust des Nachwuchses auf Auslandstätigkeiten zu schaffen. Dabei fehlt es nicht an Reiselust.

Junge Fachkräfte zieht es kaum ins Ausland. Quelle: dpa

Ein interessanter Job im Ausland galt einmal als Auszeichnung und Karrieresprungbrett schlechthin. Doch heute schauen viele junge und hochqualifizierte Fachkräfte viel genauer hin, was ihnen ihr Arbeitgeber zu bieten hat. Eine Führungsposition - ja gerne, aber nur, wenn sie sich mit Familie, Freundeskreis und Hobbys gut verträgt. Das Leben aus gepackten Koffern und mit Jetlag im Hotelzimmer dagegen lockt nur noch Wenige. Manches international tätige Unternehmen stellt die schwindende Mobilität der vielbeschworenen Generation Y inzwischen vor Probleme. Und auch sonst stöhnt so mancher Personaler hinter vorgehaltener Hand über die Anspruchshaltung vieler Nachwuchskräfte.

In diesen Berufen verdienen Sie am meisten
Platz 10: Corporate Finance ManagerDas Vergleichsportal Gehalt.de hat mehr als 200.000 Vergütungsdaten aus den letzten zwölf Monaten untersucht und die am besten beziehungsweise am schlechtesten bezahlten Berufe in Deutschland ausgewertet. Berücksichtigt wurden ausschließlich Angaben von Beschäftigten ohne disziplinarische Personalverantwortung. Auf Platz zehn im Ranking kommen die "Corporate Finance Manager" mit einem Durchschnittsgehalt von 65.586 Euro brutto. Quelle: dpa
Eine Hand liegt auf Gesetzesbüchern Quelle: dpa
Platz 8: Business Development Manager Quelle: Fotolia
In der Liste der Top-Ten Jobs finden sich auch Vertriebsingenieure Quelle: dpa/dpaweb
Platz 6: Tax Manager Quelle: dpa
Eine Frau arbeitet in einem Labor Quelle: dpa
Platz 4: Fondsmanager Quelle: dpa

Der Tiefbauspezialist Bauer aus dem oberbayerischen Schrobenhausen beispielsweise braucht regelmäßig gute Leute für Auslandstätigkeiten im Maschinen-Vertrieb oder für Bauprojekte. Meist werde man auch fündig, sagt Personalchef Stefan Reindl. „Allerdings stellen auch wir fest, dass es tendenziell schwieriger wird, Personal zu finden, das dauerhaft bereit ist, weltweit auf Projekten zu arbeiten und sozusagen weltweite Mobilität mitzubringen.“ Auch blieben Mitarbeiter heute kürzer im Ausland, weil das Familienleben einen höheren Stellenwert habe als noch vor einigen Jahren. Auch zum Autobauer BMW kommen zunehmend Bewerber mit individuellen Vorstellungen: „Für Viele sollte sich der Job nach dem Lebensentwurf richten und nicht umgekehrt“, sagt ein Unternehmenssprecher.

Wie sich die Arbeitswelt 2035 von heute unterscheidet
Für die einen ist es reiner Broterwerb, für andere Lebensinhalt und Erfüllung. Dabei unterliegt Arbeit in der Neuzeit einer ständigen Veränderung. Der Erfindung der Dampfmaschine folgte die industrielle Revolution. Fast noch stärker verändert hat die Arbeit der Computer. Und mit der sogenannten Industrie 4.0, der Vernetzung der Produktion, steht schon die nächste Veränderung an. Arbeitsmarktforscher haben einen Blick in die Zukunft geworfen. So sieht nach ihren Erkenntnissen Arbeit in 15 bis 20 Jahren aus... Quelle: Fotolia
Die Arbeit geht uns nicht ausZwar werden weiterhin Jobs im Zuge der fortschreitenden Rationalisierung, vor allem in der Produktion, wegfallen. „Aber mit den neuentstehenden Bedürfnissen werden mehr neue Arbeitsplätze geschaffen als durch Rationalisierung wegfallen“, prophezeit der Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Sozialforschung (IAB), Joachim Möller. Als Beispiel sei hier das Smartphone genannt. Quelle: Fotolia
Künftige Beschäftigte müssen mehr wissen und könnenDenn viele der heute noch üblichen Routinearbeiten auch in Büros werden wegfallen - etwa der Beruf des Buchhalters. Die neuen Arbeitsplätze werden anspruchsvoller und erfordern eine bessere Ausbildung. „Gefragt ist künftig vor allem Problemlösungskompetenz“, prognostiziert Möller. In der vernetzten Industrie 4.0 hat gute Chancen, wer Produktions- und Digitalwissen zugleich hat. Quelle: Fotolia
Der Roboter wird zum "Kollegen" Quelle: dpa
Es gibt auch weiterhin einfachere JobsVor allem im Versand, aber auch in anderen Dienstleistungsbranchen wird es auch künftig Chancen für weniger gut ausgebildete Menschen geben. In den USA hat in den vergangenen Jahren die Zahl der gering qualifizierten Beschäftigten sogar zugenommen. In Deutschland erwarten Arbeitsmarktforscher aber tendenziell eine sinkende Zahl solcher Beschäftigungen. Quelle: dpa
Es sind deutlich weniger Menschen arbeitslos:Die Bundesregierung hält in ihrem „Grünbuch Arbeiten 4.0“ eine Arbeitslosenquote von rund 3 Prozent im Jahr 2030 für realistisch; dies entspräche nach heutigem Stand etwa einer Million Jobsuchern. IAB-Arbeitsmarktforscher Enzo Weber ist vorsichtiger: Um dieses „Fernziel“ erreichen zu können, müsste die Arbeitslosigkeit von heute an monatlich um 10 000 sinken. Dafür seien aber weitere Anstrengungen in der Bildung und für den Arbeitsmarkt wichtig. Ein Hauptproblem: Vielen Langzeitarbeitslosen fehlt die Qualifikation für freie Stellen. Quelle: dpa
Die Arbeit wird flexiblerArbeiten am Wochenende, am späten Abend oder in der Nacht wird künftig verbreiteter sein als heute. Denn die stärkere weltweite Vernetzung der Firmen und eine Produktion, die rasch auf kurzfristige Nachfrage reagieren muss, werden die Betriebe nach Ansicht des Bundesarbeitsministeriums stärker unter Druck bringen. Die Gefahr besteht, dass für die Beschäftigten Freizeit weniger planbar wird. IAB-Chef Möller sieht in der größeren Flexibilität der Arbeitswelt aber auch eine Chance für die Beschäftigten, wenn sie selbst mitgestalten können. Quelle: Fotolia

Der Trend lässt sich auch an regelmäßigen Studierenden- und Mitarbeiter-Befragungen des Autozulieferers Continental ablesen. Im vergangenen Jahr etwa antwortete die Hälfte der befragten jungen Leute auf die Frage, wo sie sich einen Arbeitsplatz suchen wollen: „In der Region, in der ich jetzt lebe.“ Junge Conti-Mitarbeiter, die bereits über den Tellerrand hinausgeschaut hatten, zeigten sich zwar deutlich offener für einen internationalen Job. Weder Studenten noch Fachkräfte wären aber der Befragung zufolge zu größeren Abstrichen bei Familie und Partnerschaft zugunsten von Beruf und Karriere bereit.

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