Karriere für Frauen Vorbilder und Sabbaticals für Karrierefrauen

In welchen Unternehmen haben Frauen ebenso gute Chancen auf eine Karriere wie Männer? Der Frauen-Karriere-Index hat 128 Unternehmen untersucht und nach Frauen-Fördermaßnahmen gefragt. Gewonnen hat Hewlett Packard.

Diese Fehler verbauen Frauen die Karriere
1.  Frauen lassen sich von Stellenanzeigen einschüchternKeine Frage, Bewerber sollten Stellenanzeigen sorgfältig durchlesen. Aber zu viel Sorgfalt schadet eher. Ein Problem, das vor allem Frauen betrifft. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Online-Stellenbörse Jobware. 151 Männer und 79 Frauen lasen darin 150 Stellenanzeigen. Währenddessen wurden ihre Augenbewegungen aufgezeichnet, hinterher bewerteten die Studienleiter ihre Aussagen. Das Ergebnis: Frauen klickten im Schnitt nicht nur auf mehr Jobprofile, die sie auch länger durchlasen. Mehr noch: Sie ließen sich wesentlich stärker von vermeintlich männlichen Stellentiteln und Qualifikationen beeindrucken – und wollten sich gar nicht erst bewerben. Ein Indiz dafür, dass sich Frauen von manchen Anforderungen immer noch zu stark beeindrucken lassen. Ein Problem, das schon früh beginnt... Quelle: Fotolia
2. Schon Mädchen scheuen WettbewerbMatthias Sutter und Daniela Rützler von der Universität Innsbruck untersuchten in einer Studie das Verhalten von mehr als 1000 Kindern im Alter zwischen 3 und 18 Jahren. Sie sollten verschiedene Tests lösen, etwa Wettläufe oder Matheaufgaben. Als Belohnung erhielten sie kleine Geldbeträge. Im Verlauf des Spiels konnten die Kinder dann gegen Gleichaltrige antreten und dabei mehr verdienen. Bei den Jungen entschieden sich 40 Prozent für den Wettkampf unter Gleichaltrigen. Von den Mädchen wollten das nur 19 Prozent wagen. Quelle: Fotolia
3. Frauen unterschätzen ihre LeistungErnesto Reuben von der Columbia Business School gewann für sein Experiment ( .pdf) 134 Studenten. Alle hatten zwei Jahre zuvor verschiedene Aufgaben absolviert, jetzt sollten sie ihre damalige Leistung bewerten. Das Ergebnis: Die Männer überschätzen ihre tatsächliche Leistung um rund 30 Prozent überschätzt, die Frauen hingegen um weniger als 15 Prozent. Im zweiten Schritt teilte Reuben die Teilnehmer in Gruppen. Sie sollten einen Vertreter wählen, der für die Gruppe Geld gewinnen konnte. Das Ergebnis: Weil sie zu ehrlich waren, schafften es weibliche Teilnehmer drei Mal seltener als Männer, die Rolle des Anführers zu übernehmen. Quelle: Fotolia
4. Frauen lassen sich von Klischees beeinflussenMarina Pavlova vom Universitätsklinikum Tübingen reichte für ihre Studie im Jahr 2010 83 Medizinstudenten den Abschnitt eines Intelligenztests. Dabei sollten sie eine Reihe von Bildern in die richtige Reihenfolge zu bringen. Doch vorab gaukelte Pavlova der einen Hälfte der Teilnehmer vor, dass Frauen bei dieser Aufgabe generell besser abschneiden. Die andere Hälfte erfuhr, dass Männer darin bessere Ergebnisse erzielen. Ergebnis: Die Frauen ließen sich von negativen Aussagen viel stärker beeinflussen als Männer. Deren Leistung litt kaum unter der Vorab-Information. Quelle: Fotolia
5. Frauen sind schneller zufriedenDer Soziologe Stefan Liebig von der Universität Bielefeld analysierte für seine Studie ( .pdf) Daten des Sozio-oekonomischen Panels. In dieser Langzeitstudie machen 10.000 Deutsche regelmäßig Angaben zu Ihrem Beruf und Privatleben. Liebig wollte wissen, ob sie ihr aktuelles Einkommen als gerecht empfanden - und falls nein, welches Nettogehalt angemessen wäre. Wenig überraschend: Etwa jeder dritte Befragte fand sein Einkommen ungerecht. Doch das Einkommen, das Frauen als gerecht empfanden, lag noch unter dem tatsächlichen Gehalt von Männern. Egal ob Akademikerin oder Reinigungskräfte: Frauen hatten finanzielle geringere Ansprüche. Quelle: Fotolia
6. Frauen scheuen Jobs mit WettbewerbAndreas Leibbrandt und John List schalten für ihre Untersuchung Stellenanzeigen in neun US-Städten – in zwei verschiedenen Versionen. Die eine Ausschreibung suggerierte, dass das Gehalt nicht verhandelbar sei. Die andere behauptete, dass das Gehalt Verhandlungssache sei. Fazit: Bei letzterer Stelle bewarben sich wesentlich mehr Männer. Offenbar meiden viele Frauen Jobs mit starkem Konkurrenzdenken. Quelle: Fotolia
Ein Mann hält einen Zettel mit der Aufschrift "Job gefällig?" in der Hand Quelle: dpa
6. Chefinnen unerwünschtNicht nur Männer wollen keine Frauen als Chef, sogar die weiblichen Arbeitnehmer sind von Frauen in Führungspositionen wenig überzeugt. Nur drei Prozent wollen eine Chefin. Neunmal so viele finden es besser einen Mann als Chef zu haben. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Meinungsforscher von Forsa.     Quelle: Fotolia
 Eine Frau steht mit zwei Paar Schuhen vor ihrem Kleiderschrank Quelle: dpa
10. Frauen streben seltener nach FührungspositionenEin Team von Organisationspsychologen um Jörg Felfe von der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg untersuchte für eine Langzeitstudie ( .pdf) „Führungsmotivation im Geschlechtervergleich“. Kurios: Zwar hatten die Frauen häufig wesentlich mehr Potenzial als die Männer. Doch das hieß noch lange nicht, dass sie nach einer steilen Karriere strebten. Ganz im Gegenteil: Laut Felfe haben sie haben mehr Bedenken als Männer, in einer Führungsposition zu versagen und befürchten, Arbeit und Familien nicht vereinbaren zu können. Deshalb fahren sie „auf der Karriereautobahn mit angezogener Handbremse“. Quelle: Fotolia
11. Frauen kommunizieren Ihre Schwächen, nicht ihre StärkenFrauen kommunizieren anders als Männer. Nämlich sprechen sie rund 20-mal häufiger über ihre vermeintlichen Unzulänglichkeiten als über ihre Stärken und Erfolge, wie Studien zeigen. So verkaufen sie sich unter Wert. Denn im Berufsleben ist "ich kann das nicht" keine Botschaft, die einen weiter bringt. Quelle: Fotolia

Hewlett Packard ist das Unternehmen mit den fairsten Karrierechancen für Frauen und steht im Frauen-Karriere-Index (FKi) auf dem ersten Platz mit 85 von 100 möglichen Punkten - und das bereits zum zweiten Mal. Ihm folgen relativ dicht die Deutsche Telekom (83 Punkte), Airbus Group und Randstad (je (82 Punkte), die Charite´in Berlin (81), SMA Solar Technology (80), die HypoVereinsbank (80) und die Siemens Betriebskrankenkasse SBK. Insgesamt hatten sich 128 Unternehmen aus allen Branchen und aller Größen für diesen dritten FKi beworben.

Den Frauen-Karriere-Index kreierte das Bundesfamilienministerium vor zwei Jahren, um die Aufstiegschancen von Frauen in Unternehmen hierzulande objektiv und unabhängig auf den Prüfstand zu bringen und zu ranken. Mit Fragebögen wurde das Engagement der Unternehmen gemessen. Das Ziel: Transparenz in die Aufstiegschancen von Frauen in Unternehmen zu bringen sowie die Karrierechancen von Frauen zu identifizieren und zu vergleichen.

Die Untersuchung der Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig liefert einige interessante Erkenntnisse: Die zukunftsträchtigsten Maßnahmen zur Frauen-Karriereförderung sind erfolgreiche Frauen als Rollenvorbilder in der internen Kommunikation von Unternehmen, die Anrechnung von Elternzeit als Berufserfahrungsjahre und Sabbaticals.

Hinterfragen Sie sich selbst: Stimmen diese Klischees über Frauen und Männer im Job?

Frauen ohne Durchhaltevermögen

Weibliche Führungskräfte steigen schneller wieder aus als Männer. Auch wenn manche Unternehmen gezielt mehr Managerinnen einstellen, erhöht sich die Zahl ihrer weiblichen Führungskräfte unterm Strich am Ende trotzdem nicht.

Warum? "Zum einen geben Frauen auch schneller auf, weil sie es können. Insbesondere wenn sie nicht die Alleinverdiener in der Familie sind," sagt Barbara Lutz, Vorstand der Initiative Frauenpreis, die den FKi für das Bundesfrauenministerium verantwortet sowie Managing Partner der Personalberatung HuntingHer ist, die auf Frauen spezialisiert ist. Ein weiterer Grund: "Wenn Frauen alleine, auf verlorenem Posten kämpfen sollen und gar keine Chance haben." Nur wenn das Umfeld mit unterstütze und nicht von vornherein ablehnt, kann es klappen, so Lutz.

Frauenfreundlichere Ausländer

Unter den Top 21 Unternehmen im FKi sind neun, die ihre Firmenzentrale im Ausland haben. Vermutlich deshalb, weil sich andere Nationen schon länger mit dem Thema befassen und es voran treiben.

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Barbara Lutz macht eine andere Kultur aus: "Ausländische Unternehmen haben eine offenere, leistungsorientierte Kultur, die sie dann auch in Deutschland leben." Viele Themen die in Mutterländern wie den USA oder Frankreich selbstverständlich sind, gelten dann auch in den deutschen Töchtern. "Frauen können sich dort leichter etablieren und werden häufig auch von den Zentralen unterstützt, so ihre Erfahrung.

 Viele Frauen heißt nicht: viele Chefinnen

Auch wenn ein Unternehmen überdurchschnittlich viele Frauen beschäftigt, bedeutet das noch lange nicht, dass dort auch viele Chefin werden können.

 

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