Karriere Nur bestimmte Netzwerke nutzen Frauen etwas

Art und Mitgliederstruktur eines Netzwerks sind erfolgsentscheidend: Besonders Frauen müssen hier sorgsam auswählen. Eine Studie zeigt: Die besten Karrierechancen haben sie, wenn die Teammitglieder sehr verschieden sind.

Zehn Fakten zu Frauen im Berufsleben
Eine Frau geht in Berlin auf dem roten Teppich zur Verleihung Quelle: dpa
Logo der Bundesagentur für Arbeit in Frankfurt am Main Quelle: dpa
Zwei männliche und ein weibliches Vorstandsmitglieder stehen auf dem Podium Quelle: dpa
Neue 20-Euro-Scheine in der Hand einer Frau Quelle: AP
Eine Ärztin untersucht ein Mädchen in Brandenburger Kinderklinik Quelle: dpa
Heirat Quelle: dpa
Ein Neugeborenes in Mainz strampelt Quelle: dpa

Vernetzen sich Frauen anders als Männer? Tatsächlich sind Frauen in flexiblen, durch Arbeit in Projekten und Teams gekennzeichneten Branchen beruflich weit weniger erfolgreich, wenn sie ihre Karriere in sehr festen und homogenen Netzwerken aufbauen; dagegen erhöht sich ihr Erfolg deutlich, wenn sie sich eher in offenen und heterogenen Gruppen bewegen – mit Menschen mit verschiedenen sozialen und kulturellen Hintergründen. In diesem Fall haben sie die gleichen Karrierechancen wie ihre männlichen Kollegen.

Dies zeigt eine Studie von Mark Lutter, Leiter der Forschungsgruppe „Transnationale Diffusion von Innovationen“ am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung (MPIfG). Am Beispiel des amerikanischen Schauspielermarktes belegt er einen in der Theorie schon lange vermuteten Zusammenhang: dass Frauen und Männer unterschiedliche Karriereerfolge haben, je nachdem in welche Beziehungsnetzwerke sie eingebunden sind.

Hinterfragen Sie sich selbst: Stimmen diese Klischees über Frauen und Männer im Job?

„Die erfolgreiche Karriere von Frauen hält länger an, wenn sie überwiegend in Teams arbeiten, deren Mitglieder einander möglichst unähnlich sind“, stellt der Sozialwissenschaftler fest. Frauen profitieren dann von der Vielfalt und Offenheit ihrer Beziehungsnetzwerke. Die Karrierechancen von Schauspielerinnen etwa drohen zu sinken, wenn sie in homogenen Teams arbeiten. Weisen diese Netzwerke noch dazu einen hohen Anteil von Männern in Führungspositionen – Regisseure und Produzenten – auf, oder arbeiten Frauen in männlich dominierten Filmgenres, gilt dies umso mehr. Noch verstärkt wird dieser Effekt, wenn die Schauspielerinnen am Anfang ihrer Karriere stehen.

Der Büro-Knigge für Männer
Sie sitzen im Meeting und die Kollegin macht einen Vorschlag. Wenn Sie jetzt das Gesagte in eigenen Worten wiederholen, wirkt es für die Kollegin keineswegs so, als ließen Sie sich ihren Gedanken nochmal auf der Zunge zergehen. Es sieht schlicht so aus, als hätten Sie nicht zugehört. Apropos: Hören Sie Ihrem Gegenüber zu - egal ob Mann oder Frau. Quelle: Fotolia
Wenn Sie eine Idee gut finden, sagen Sie das. Auch der Kollegin. Wer erst in die Runde fragen muss, ob noch ein anderer Mann die Idee der Kollegin unterstützt, hat es sich mit der Dame verscherzt. Quelle: Fotolia
"Deine Präsentation war ja nicht so gut, aber hübsch siehst du heute aus": Wenn Sie sich nicht wirklich gut kennen, haben Komplimente zum Aussehen im Job nichts verloren. Quelle: Fotolia
Unabhängig vom Geschlecht des Gegenübers: Lassen Sie andere ausreden und fallen Sie Ihrem Gegenüber nicht ins Wort. Alles andere ist mehr als unhöflich. Und besonders Frauen legen Wert auf Höflichkeit. Quelle: Fotolia
Fragen Sie eine Frau nicht, wie sie ihren Beruf mit der Familie vereinbart - oder noch schlimmer: was ihr Mann davon hält, dass sie so viel arbeitet. Quelle: Fotolia
Sollten Sie in einem klassischen Männerberuf tätig sein, fragen Sie bitte auch nicht danach, ob sich die Dame bei den ganzen harten Kerlen denn überhaupt durchsetzen kann. Quelle: dpa
Und bitte: Wenn im Meeting der Kaffee aus geht, bitten Sie nicht immer die einzige Frau am Tisch, neuen zu besorgen. Sie können auch selbst gehen. Oder einen männlichen Kollegen darum bitten. Quelle: Fotolia

Für seine Studie analysierte Lutter berufliche Karrieredaten von etwa 100.000 Filmschaffenden in der US-amerikanischen Filmindustrie mit mehr als einer Million Engagements in nahezu 400.000 Filmproduktionen. Die Daten stammen aus der Internet Movie Database (IMDb), in der alle Filme erfasst sind, die seit Beginn der Kinematografie produziert wurden, sowie Informationen über alle daran beteiligten Schauspielerinnen und Schauspieler und die Netzwerke, in denen sie arbeiteten.

Um die engmaschigen Film-Netzwerke zu beschreiben, hat Lutter für alle Filmproduktionen mit einem Kohäsionsmaß den Anteil wiederholt auftretender Cliquen im Produktionsteam berechnet. Dabei zeigte sich, dass Frauen, die häufiger in diesen kohäsiven Teams mit einem hohen Anteil wiederholt auftretender Cliquen arbeiteten, einen deutlich geringeren Karriereerfolg als Männer erzielten.

Darüber hinaus erfasste Lutter unter anderem mithilfe von Distanzmaßen die durchschnittliche Ähnlichkeit aller Teammitglieder, basierend auf den Erfahrungshintergründen aller Personen. Hier zeigte sich, dass Frauen ihre Karrieredauer erhöhten, wenn sie häufiger mit Menschen arbeiteten, die einander möglichst unähnlich waren, das Team also durch eine möglichst breite Personenvielfalt geprägt war.

„Im Vergleich zu Männern werden Frauen möglicherweise weit weniger stark durch Mentoren gefördert. Mit ihren beruflichen Netzwerken verfügen sie zudem über weniger Kontakte zu machtvollen Positionsträgern“, so Lutter. Damit werden sie in homogenen Netzen von wichtigen Informationsquellen über zukünftige Projekte ausgeschlossen. Andere Benachteiligungen von Frauen werden dadurch eher noch verstärkt.

In Arbeit
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Dies gilt in besonderem Maß für Arbeitsmärkte, die auf Projektarbeit basieren und in denen Stellen eher über informelle Kanäle und persönliche Netzwerke vermittelt werden. „Statt sich also auf die Beziehungen in ihrem engeren Umfeld zu verlassen, sollten Frauen auf offene und heterogene Beziehungsnetze setzen“, so Lutter. „Insgesamt müssen sie bei Entscheidungen über zukünftige Projekte strategischer und überlegter handeln, um sich Karrierevorteile zu sichern.“

Lutter glaubt, dass seine Ergebnisse auch auf andere Arbeitsmärkte außerhalb der Filmwirtschaft anwendbar sind. „Arbeit findet heutzutage oftmals in Projektteams statt, die Filmwirtschaft ist hierfür ein Paradebeispiel“, erklärt Lutter. „Filmschaffende hangeln sich von Projekt zu Projekt, arbeiten für eine begrenzte Zeit zusammen und gehen danach wieder eigene Wege – so wie viele Freiberufler in den kreativen Berufen, aber eben auch viele Angestellte in großen Unternehmen.“

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