Karriere Wie man sich richtig coachen lässt

Karrierecoaching wird immer beliebter. Doch wie findet man den passenden besten Berater? Wie läuft so ein Treffen ab und was ist dabei entscheidend? Gastautorin Sandra Altmeyer kennt das Coaching von beiden Seiten und berichtet aus eigener Erfahrung.

Wer sich beruflich verbessern möchte, kann in einem Karrierecoach einen passenden Sparringpartner finden. Ein professioneller Helfer kann durchaus etwas für den eigenen Karrieresprung tun. In einem gesichertem Umfeld können reale berufliche Situationen vorbereitet werden. Themenbereiche für Coachings können unter anderem sein: Gehaltsverhandlung, Beförderung, Bewerbung und Neuorientierung oder Gründung eines eigenen Unternehmens. Aber auch das Verhalten bei Konflikten, die Work-Life-Balance oder der eigene Außenauftritt.

Da der Begriff „Karrierecoach“ rechtlich nicht geschützt ist, ist es nicht leicht, wirklich kompetente Berater zu finden. Einen guten Coach zeichnen emotionale Intelligenz und Kommunikationsstärke aus, möglichst auch eine Coaching- oder Karriereberaterausbildung. Erfahrung in Unternehmen, möglichst mit Führungsverantwortung ist von Vorteil, um die inneren Spielregeln der Wirtschaftswelt zu kennen. Die Branche oder Fachrichtung spielt eine geringere Rolle.

Wichtig ist, einen individuell passenden Partner für sein persönliches Anliegen zu finden. Dafür ist es notwendig, im Vorhinein die Bedürfnisse des Klienten und die Erfahrungen und das Wissen des Karrierecoachs abzustimmen. Einen Eindruck davon erhält man vielleicht schon in der Kurzvita auf der Website und in seinen Fachbeiträgen. Ein persönliches Telefongespräch im Vorhinein ist auf jeden Fall sehr ratsam.

Fünf typische Schlüsselfragen im Vorstellungsgespräch
Auf diese typischen Fragen sollten Sie im Vorstellungsgespräch gefasst sein1. „Erzählen Sie etwas von sich“Es ist wie im Lebenslauf - hier möchte ein Personaler nichts Privates lesen und daher im Gespräch nicht Privates hören. Es sei denn, es ist tatsächlich für die künftige Tätigkeit relevant. Also lieber nicht von der Beziehung zum Lebenspartner sprechen, sondern über den Hintergrund der beruflichen Biographie. Für eine gute Antwort kann man sich den richtigen Ansatz holen, indem man eine Gegenfrage an den Personaler stellt: „Wo soll ich beginnen?“ oder „Was möchten Sie genau wissen?“ Quelle: Fotolia
2. „Warum wollen Sie Ihre aktuelle Stelle verlassen?“Auf jeden Fall vermeiden: negative Äußerungen über den momentanen Arbeitgeber. Wer es doch tut, sagt mehr über sich selbst, als über die vermeintlichen Umstände, unter denen er angibt zu leiden. Wer Konflikte am Arbeitsplatz zu bewältigen hat, sollte deutlich machen, dass er versucht hat, diese zu lösen. Eleganter antwortet ein Bewerber auf diese Frage, indem er aufzählt, warum er beim neuen Arbeitgeber andocken möchte. Zum Beispiel: dass der Wechsel jetzt der richtige nächste Karriereschritt ist. Allerdings sollten Bewerber auch wissen, warum Sie sich für die ausgeschriebene Stelle beworben haben. Eine weiteres No-Go: Gehaltvorstellungen als Wechselgrund angeben. Quelle: Fotolia
3. „Welche Stärken und Schwächen haben Sie?“Die eigenen Schwachpunkte sollte man identifizieren können. Ebenso sollten Bewerber glaubhaft erläutern, wie Sie mit diesen Schwächen umgehen und dass Sie an diesen arbeiten können. Auf die Frage nach den Stärken: Lieber nicht sagen, dass man schlau ist oder besonders hart arbeitet. Das Risiko ist dann groß, dass Personaler entgegnen: „95 Prozent der Kandidaten vor Ihnen haben das gleiche gesagt. Was unterscheidet Sie von ihnen?“ Was auf jeden Fall nicht geht: Der Bewerber zeichnet sich als Superman oder Superwoman und gibt vor, keine Schwächen zu haben.
4. „Haben Sie kurzfristige Ziele?“Auch hier ist eine Gegenfrage angebracht: „Von welchem Zeitraum sprechen wir?“ Denn „kurzfristig“ kann für viele sechs Monate bedeuten – der Arbeitgeber meint aber vielleicht 18 oder 24 Monate. Klar ist auch: der Bewerber sollte die Ziele im Einklang mit der Position nennen, für die er vom künftigen Arbeitgeber zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. Die Antwort: „Ich möchte so schnell wie möglich aufsteigen“, sollte ein künftiger Angestellter lieber für sich behalten. Zuviel Ehrgeiz tut selten gut. Quelle: Fotolia
5. „Haben Sie noch Fragen?“Es ist eine der wichtigsten Fragen, die ein potenzieller Arbeitgeber stellen kann. Sie kommt stets am Ende des Vorstellungsgesprächs. Ein Bewerber wähnt sich dann bereits am Ziel – wenn die Chemie gestimmt hat und das Gespräch gut gelaufen ist. Und dann diese Frage. Die Antwort „Nein, danke“ ist fatal. Wer keine Fragen hat, der zeigt auch, dass er sich über die künftige Stelle keine Gedanken gemacht hat oder schlimmer: dass er kein wirkliches Interesse hat. Genauso falsch ist es nach folgenden Dingen zu fragen: „Was macht das Unternehmen genau?“, „Wie viel Urlaub bekomme ich?“, „Kann ich von zu Hause aus arbeiten?“ Lieber sollte der Bewerber Fragen stellen, die dem potenziellen Arbeitgeber helfen zu zeigen, dass er mit seinen Erfahrungen und Qualifikationen zu der ausgeschriebenen Stelle passen. Auch hier helfen Gegenfragen: über die Beschaffenheiten der künftigen Abteilung, über die Aufgaben, darüber, wie der Arbeitgeber Erfolg messen wird. Quelle: dpa

Die Kosten eines Karrierecoachings für Privatpersonen beginnen bei ca. 100 Euro pro Stunde, wobei ein seriöser Coach die Zeit nicht mit der Stoppuhr misst. Ein guter Karrierecoach arbeitet nach klaren ethischen Grundsätzen. Neben Verschwiegenheit ist eine gewisse Vertrauensbasis dabei das Wichtigste. Sie ist Grundlage für das Gelingen und das A und O im Karrierecoaching. Nur so lassen sich später Interventionstechniken und Führung gezielt einsetzen.

Jeder Karrierecoach arbeitet mit verschiedenen Werkzeugen, so genannten „Tools“. Das sind Fragetypen und Methoden. Als Fragetypen kommen z.B. hypothetische Fragen, Ressourcenfragen oder Lösungsfragen vor. Methoden können zum Beispiel das NLP (Neurolinguistisches Programmieren), das Disney-Konzept oder das Innere Führungsteam sein. Coaches gebrauchen für die wichtigsten Schritte oft die englischen Begriffe: Rapport, Pacen, Leaden. Das heißt: Zunächst einen guten Draht zu dem Klienten finden, ihm zuhören und an der jetzigen Station abholen. Danach ihn ein Stück des Weges begleiten, gleiche Signale verbal und nonverbal nutzen, und zum passenden Zeitpunkt ihn in die richtige Richtung führen

Wie läuft so ein Karrierecoaching konkret ab? Meistens treffen sich Klient und Karrierecoach in einem öffentlichen Umfeld, also einem Restaurant oder Bistro. Nach einer kurzen Aufwärmphase, die meist schon recht zielgenau auf den Klienten zugeschnitten ist, geht es um die Klärung der Situation und des Zieles. Stand heute – und was soll nach Abschluss erreicht sein? Dabei stellt sich oft heraus: Es gibt ein Ziel hinter dem Ziel. Kann bedeuten: Mit einer Gehaltserhöhung strebe ich nicht nach mehr Geld, sondern nach mehr Ansehen. Das ist entscheidend, denn nur wer seine wirklichen Wünsche kennt, kann den ersten Schritt auf seinem neuen Weg gehen.

Im weiteren Verlauf wird es konkret: Welcher neue Posten würde passen? Wie bitte ich meinem Chef am klügsten um eine Gehaltserhöhung? Das Spektrum ist groß. Das Anliegen bestimmt natürlich auch die Dauer des Einsatzes. Eine passgenaue Optimierung der Bewerbungsunterlagen ist meist in ein bis zwei Stunden erledigt. Geht es allerdings um die Änderung der inneren Landkarte, sprich Werte und Normen, die jahrelang gelebt wurden, kann dieses sich über einen langen Zeitraum hinziehen. Die Trainingsintervalle bestimmt der Klient in Absprache mit dem Karrierecoach selbst.

 

Wie man einen guten Karrierecoach erkennt

Ein guter Coach gibt Denkanstöße, die helfen innere Blockaden zu lösen und eingefahrene Wege zu verlassen. Er erweitert den Blickwinkel des Klienten und hilft ihm, sich für Veränderungen zu öffnen. Er gibt Orientierung, hilft bei der Zielklärung, informiert, regt Lösungen an und sichert durch verbindliche Festlegung der nächsten Schritte die Umsetzung in der Praxis.

 

 

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