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Karriereleiter

So entwaffnen Sie charmant die leisen Nörgler

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Auf Einwände eingehen

B. Wie greife ich Genörgel auf?

Weil ich spürte, dass der Rest der Gruppe auf meiner Seite war, konnte ich es mir erlauben, offensiv abzufragen, was ihn umtrieb. Ich ahnte es schon.
Und in der Tat sagte er: „Ich habe das Gefühl, Sie wollen uns vermitteln, dass wir Jahrzehnte lang alles falsch gemacht haben. Sie stellen mit Ihren Ideen alles bislang Gültige in Frage. So viel Veränderung kriegen wir nicht hin.“
Ich spürte, er befürchtete vor allem, selber nicht mehr mitzukommen. Und ich hielt die Bedenken für nachvollziehbar aber unberechtigt. Meine obersten Ziele:

1. Die Wortführerschaft behalten gegen sein Bestreben, mit der Formulierung „Wir“ für alle gegen mich zu sprechen. Wissend, dass die anderen zuversichtlich in die Zukunft blickten, fragte ich in die Runde: „Wer hat noch die Befürchtung, dass die angeregten Veränderungen die zuständigen Mitarbeiter im Unternehmen überfordern werden?“ Keiner. Im Gegenteil. Einzelne Teilnehmer versuchten Dirk regelrecht zu trösten. Dirk spürte: Er stand allein.

2. Dirk wieder ins Boot holen, bevor er über die Chefkarte stundenlang den Gegenspieler geben würde, der uns allen beweisen wollte, dass er doch Recht hatte. Ich sagte: „Dirk, zum einen war damals alles für lange Zeit richtig, aber die Zeiten ändern sich, und wenn Sie jetzt gemeinsam umsteuern, werden Sie auch künftig wieder alles richtig machen. Lassen Sie uns hier auf der Flipchart aber alle wabernden Bedenken des Tages aufschreiben. Damit nichts verloren geht.“ Ich notierte: Die neuen Ideen müssen für alle Verantwortlichen gut umsetzbar sein. Damit war Dirk zufrieden. Puh!

Es gibt aber auch Konstellationen, in denen Genörgel zwar nicht von vornherein zu verhindern, aber aus Sicht des Wortführers einfach nur kontraproduktiv ist. Denken wir an unsere Franziska, die vor 120 Leuten zum Thema Schulessen spricht. Eine spontane Diskussion ist hier nicht vorgesehen, die Meinung Einzelner an der Stelle nicht gefragt. Das einzige, was das Gemoser bringt: Franziska aus dem Konzept. Sie spürt Widerwillen und nach einer Zeit des Ignorierens merkt sie: Das wird da hinten immer schlimmer.

Mein Rat: Nörgler ansprechen, aber sich nicht auf der inhaltlichen Ebene verstricken lassen. Hören Sie in solchen Fällen Argumente heraus, die Ihnen gerade nicht ins Konzept passen, nicht drauf eingehen: „Die Herren da hinten. Bitte lassen Sie mich zuerst meinen Vortrag hier beenden und diskutieren Sie im Anschluss.“

Hören Sie Argumente, die Sie entkräften können, fangen Sie bloß nicht an, hektisch Ihr Konzept umzuschmeißen, nur um den Nörglern entgegenzukommen. Sagen Sie: „Warten Sie ab. Ich werde Ihre Bedenken gleich noch zerstreuen.“
Aber fragen Sie nur im äußersten Notfall (kaum einer will Ihnen noch zuhören) nach: „Worum geht es Ihnen denn da hinten gerade?“

Wird aus dem Publikum sogar systematisch inhaltsleer gestört („Hau ab!“), empfehle ich dazu Teil 15 dieser Kolumne hier: „Rhetorik: So wehren Sie Schläge unter die Gürtellinie ab“. Es geht darin darum, wie Sie Saboteure ruhig kriegen, indem Sie sie bloßstellen.

Fazit: Nörgler nörgeln nicht immer zu Unrecht. Aber der Stil ist unfair. Immerhin haben Sie die Chance, das Gemaule so lang wie möglich zu ignorieren, falls Widerspruch im Moment zur Unzeit kommt. Ruiniert das Geraune und das gezielte Kopfschütteln aber die aufgeschlossene Stimmung unter den Zuhörern, greifen Sie ein: Stellen Sie den Nörgler und fordern Sie einen klaren Standpunkt ein. Lässt sich sein Einwand nicht sofort aus der Welt schaffen, heben Sie ihn für später auf. Oft hat sich der Missmut dank Ihrer charmanten Art, mit der Unzufriedenheit Einzelner umzugehen, bis dahin schon gelegt.

Mikrofon kaputt, Lampenfieber vor der Präsentation, keine schlagfertigen Argumente? In seiner Kolumne „Karriereleiter“ gibt Marcus Werner Tipps zu den großen und kleinen Katastrophen des Berufslebens.

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Mehr zum Thema: Studien zeigen: Wer nie lügt, schadet sich selbst. Machen Lügner etwa schneller Karriere?

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