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  4. Karriere zwischen Sein und Schein: So finden Sie Ihre Rollen-Authentizität

Karriereleiter„Authentisch sein“ und „authentisch wirken“ – ein dramatischer Unterschied

Was hilft es, sich total authentisch zu fühlen, wenn das Team, das Publikum, die Öffentlichkeit finden: „Das passt nicht“? Müssen Sie sich also verstellen? Nein. Finden Sie Ihre Rollen-Authentizität. Eine Kolumne.Marcus Werner 25.01.2023 - 19:35 Uhr

Authentisch wirken oder authentisch sein?

Foto: Getty Images

Authentizität, Authentizität, Authentizität. Das Wort ist nicht nur schwer auszusprechen und zu tippen. Viele können es auch nicht mehr hören und lesen. Denn so kompliziert das auch ist: Es ist immer noch leichter gesagt als getan, finden viele.

Aber warum eigentlich? Das Angebot „Sei einfach du selbst“ ist doch ein wunderbares. Klingt es doch wie: Nicht nachdenken und einfach alles intuitiv und unverstellt aus dem Ärmel schütteln.

Aber das ist es ja gerade: So einfach ist ich selbst zu sein gar nicht. Denn:

Wie bin ich ich?

Und da sind wir schon beim Knackpunkt: Wir sind nicht immer gleich. Wir geben uns je nach Lebenssituation und sozialem Bezug unterschiedlich. Verhalten wir uns deshalb überwiegend unecht? Sind wir nur dann unverstellt wir selbst, wenn wir gemütlich mit der oder dem Liebsten zuhause auf der Couch liegen und uns gegenseitig zärtlich Pralinen in den Mund stecken?

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Nein, in diesen vertrauten Situationen haben viele schlicht das Gefühl, sich ganz und gar fallen lassen zu können. Es ist ein Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und Zuneigung, das wir in solchen Situationen genießen. Es fühlt sich gut an. Aber das heißt nicht, dass wir nur in solch geschützten Nest-Situationen authentisch sind.
Entspannungsgefühl ist nicht gleich Echtheit.

Es gibt neben unserer Couch-Kuschel-Authentizität eine Vielzahl anderer echter Verhaltensmuster, die wir je nach Situation an den Tag legen. Und unseren Mitmenschen zeigen.

Wir geben uns je nach Situation und unserer sozialen Rolle. Und präsentieren dort unsere Rollen-Authentizität. Im Supermarkt sind wir anders, als im Umgang mit unseren Kindern oder wenn wir auf dem Polizeirevier wegen irgendetwas Anzeige erstatten oder wenn wir im Job eine Präsentation halten.

Und noch einmal: Authentisch ist nicht identisch mit cool, locker und lässig.

Wer aber in der mündlichen Prüfung am Ende der Ausbildung mit Puls 180 aus Angst vor dem Scheitern in letzter Minute kaum einen geraden Satz herausbekommt, ist auf seine Weise in diesem Augenblick authentisch. Unbeholfen unverstellt. Auch wenn es eine Art von Echtheit ist, auf die alle von uns dankend verzichten könnten.

Denn es ist natürlich in aller Regel unser Ziel, bei unserem Auftritt authentisch, locker und lässig zu sein.

Wer von sich behauptet: „Ich bin, wie ich bin“ und das als Begründung dafür hernimmt, sich nicht verändern zu können und sich deshalb über seine Wirkung auf andere keine Gedanken machen zu müssen, irrt zu seinen eigenen Ungunsten.

Sollen wir also deshalb ständig wie Laienschauspieler durch die Welt gehen und eine Fake-Variante von uns präsentieren?
Das wäre aussichtslos und zumindest viel zu anstrengend. Weil wir Menschen zum Glück mit einer sehr, sehr feinen Nase ausgestattet sind, was unechtes Verhalten unserer Gegenüber angeht, und diese dann misstrauisch rümpfen, ist Echtheit der große Tür- und Herzensöffner.

Es lohnt sich also tatsächlich für Sie, Situationen zu schaffen, in denen Sie sich unverstellt geben können und dabei gerade deshalb Ihre Ziele erreichen. Weil Ihnen die Anderen vertrauen. Zurecht.
Weil wir in unterschiedlichen Momenten des Lebens unterschiedlich authentisch sind, können wir die Momente des Lebens so arrangieren, dass uns ein authentischer Auftritt möglich ist, den wir uns selber wünschen, weil er uns zugute kommt.

Wer sich etwa für einen großen Witzeerzähler hält und dabei falsch liegt, wird sich womöglich vor dem höflich hüstelnden Publikum blamieren. In aller Authentizität. Wer sich seiner mangelnden Fähigkeiten in punkto Pointen bewusst ist, erzählt wahrscheinlich lieber eine anrührende Geschichte und fesselt die Zuhörenden auf diese Weise viel besser. Situation verändert, anders authentisch zum Ziel gekommen.

Es gibt also viele Konstellationen, in denen es sich lohnt, daran zu arbeiten, sein authentisches Verhalten in der jeweiligen Rolle zu verändern. Indem wir umdenken. Halten wir uns dabei an die Testfrage:

Wie wirke ich auf meine Empfänger?

Diese Frage wird viel zu oft weggewischt, weil viel zu oft die Haltung dominiert: „Wenn ich mich zeige, wie ich bin, bin ich am besten.“
Es fehlt hierbei aber noch die Erkenntnis, in welcher Rolle genau wir uns am besten präsentieren. Wie gesagt: Das bedeutet keine Fake-Show. Es bedeutet eine Verhaltensänderung nach Justierung der Rolle.

Dafür fragen wir uns am besten:

Welche Rolle erwarten meine Empfänger von mir?

Das heißt nicht, dass die Erwartungen eins zu eins erfüllt werden müssen (weil die Erwartungen der anderen zu erfüllen, nicht immer in Ihrem eigenen reinen Interesse sind), aber zunächst einmal ist wichtig, die Antwort zu wissen.

Aktuelles Beispiel dafür, wie es nicht geklappt hat, ist das Neujahrsvideo der zurückgetretenen Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht.

Der Fall Christine Lambrecht als Beispiel für eine falsche Rolle

Was hat sie sich bloß bei diesem schlechten Video gedacht?, haben sich viele selbst in ihrer eigenen Partei gefragt. Von der unverhältnismäßigen technischen Qualität einmal abgesehen: Ich bin davon überzeugt, wir haben es hier mit unterschiedlichen Ansichten zur präsentierten Rollen-Authentizität zu tun.

Lambrecht selber war wohl der Meinung, wenn sie das Video als „privat“ einstuft, dann könne sie sich ganz authentisch von ihrer amtsfreien Seite zeigen. Über ihre eigenen Befindlichkeiten und eigenen Eindrücke sprechen. Die Empfänger allerdings sahen das zu einem relevanten Teil anders: „Der laienhafte Auftritt schadet dem Ansehen der Bundesregierung in der Welt.“

Dass Lambrecht als Rücktrittsgrund vorrangig sinngemäß angab, die Medien hätten sich auf sie eingeschossen, ist für mich ein Indiz dafür, dass Lambrecht nicht erkannt hatte:

Ihr authentischer Auftritt als Privatperson an Silvester entsprach nicht dem authentischen Verhalten, das die Öffentlichkeit von ihr erwartet hatte. Nämlich ein authentisches Verhalten als Trägerin eines der höchsten Ämter Deutschlands. Lambrecht hatte sich in der falschen Rolle präsentiert. Und da half ihr alle Authentizität in dieser Rolle nichts. Es wäre allerdings leicht gewesen, den Erwartungen der Anderen zu entsprechen, ohne selber Nachteile in Kauf zu nehmen. Mit einem besseren Video mit der passenden Rollen-Authentizität.

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Ähnliches erleben wir meines Erachtens gerade bei Elon Musk, der sein eigenes und damit auch das Image etwa von Tesla aktuell zumindest in Deutschland nach Umfragen ordentlich ramponiert hat, weil er sich offenbar nicht zu Genüge damit auseinandersetzt: Passt meine unbekümmert rabiate Art zu meiner neuen Rolle als Twitter-Eigentümer? Ginge es nicht anders authentisch besser?

Was heißt das alles für Ihren Auftritt?

Beispiel: Sie möchten als Chefin oder Chef gerne der gute Kumpel der Belegschaft sein und präsentieren sich nahbar, humorvoll und flapsig. Entspricht diese Rolle auch dem, wo-nach Ihr Team sich sehnt? Klären Sie das im Zweifel in Zweiergesprächen.

Seien Sie sie selbst. Weil das am einfachsten ist. Aber suchen Sie sich die passende Rolle heraus, in der Sie dann ganz unverstellt aufgehen können. Die passende Rolle ist die, die am meisten in Ihrem Interesse ist. Berücksichtigen Sie dabei die Erwartungen der Anderen. Weil den Erwartungen zu entsprechen, Ihnen unter Umständen selber zugute kommen kann.

Hüten Sie sich vor dem zu kurz gedachten „so bin ich nun einmal“. Wenn Sie davon nicht profitieren, bringt das ja nichts. Seien Sie offen dafür, Ihre Rolle kritisch zu hinterfragen. Bei Bedarf mit Feedback von außen.

Und genießen Sie die Erkenntnis: Wir sind viel vielschichtiger, als uns oft bewusst ist. Das Gute ist: Sie können die Rolle wechseln. Und bleiben trotzdem authentisch. Wir können uns ändern.

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