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Karriereleiter

Mit dem „Übrigens“-Trick retten Sie das Betriebsklima

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Es ist nie zu spät, die Stimmung steigen zu lassen

Neue Vorschläge werden als Profiliergehabe wahrgenommen. Kritik an der Sache als Kritik am Arbeitsstil. Die Bitte um Beeilung wird als Vorwurf verstanden, der andere arbeite einfach zu lahm.

Weil über Jahre eins zum anderen kommt, was die eingeschliffenen Erwartungen mal wieder nur bestätigt, kommt es zum Ist-ja-mal-wieder-typisch-Effekt.

Warum sollten dann plötzlich nach so langer Zeit diese Vorbehalte und der ganze Ärger zum Thema werden?

Antwort: Weil Sie jetzt das Ruder rumreißen. Entweder als Chef oder Chefin oder indem Sie es aus dem Team heraus vorschlagen. Und weil es viel schwerer ist, aus heiterem Himmel ausnahmsweise ein Krisen-Gespräch anzusetzen, wenn es sonst in Jahren nie vorgekommen ist, führen Sie gemeinsam solche Gespräche als feste Institution ein. Nennen Sie sie nicht Krisen-Gespräch, sondern „Friedensverhandlung“, „Kontaktpflege“ oder „Kriegsbeil-Beerdigungszeremonie“ – überlegen Sie sich irgendwas, das deutlich macht, dass alle es gut meinen.

Räumen Sie den Teammitgliedern dafür auch Zeit ein. Halten Sie einen Konferenzraum dafür frei oder spendieren Sie den Streithähnen auf ihrem Weg hin zur neuen Harmonie einen Tee im Café nebenan. Werben Sie im Unternehmen für diesen neuen Aufbruch zu mehr Spaß im Job. Und schlagen Sie Kollegen, die offensichtlich nicht miteinander können, diese persönliche Aussprache vor, bei Bedarf gemeinsam mit einem neutralen Kollegen aus dem Team, der gerne mitkommt und vermittelt. Wenn beide Kontrahenten einverstanden sind.

Und dann wird im kleinen Kreis Tacheles geredet: Warum ich mich von dir gekränkt, in die Enge getrieben, geschnitten, bevormundet oder hintergangen fühle... Das Gegenüber schildert seine Sicht. Wer das so angeht, wird merken: Vieles erledigt sich mit ein paar Klarstellungen und Entschuldigungen. Anderes mit fairen Vereinbarungen für die Zukunft. Lediglich dann eventuell noch übrig gebliebene unüberwindbare Jobkonflikte (etwa dauerhaft schräge Arbeitsprozesse, die den einen benachteiligen) oder tief sitzendes gegenseitiges Misstrauen brauchen dann mehr Aufmerksamkeit – vielleicht auch mit Hilfe von außen.

3. Seien Sie gemeinsam „auch nur Menschen“

Ich habe es gerade selbst erst erlebt. Da haben wir in einer Arbeitsgruppe in der Freitagnachmittag-Konferenz vorm Wochenende eine Positiv-Runde eingeführt. Jeder reihum darf dabei in wenigen Sekunden zwei Dinge aus seinem Leben erzählen, die ihn fröhlich machen. Eine aus dem Job, eine aus dem Privatleben.

Die Projektleiterin schwärmt: „Mich hat diese Woche motiviert, dass wir so konstruktiv diskutiert haben und am Ende so ein tolles Ergebnis rauskam.“

Der stolze Vater mit feuchten Augen: „Meine Tochter wird heute vier und hat heute Morgen gesagt: Ich habe erst Geburtstag, wenn Papa von der Arbeit kommt.“

Der Praktikant sagt: „Danke, dass ihr mir den Auftritt auf dem Podium zugetraut habt.“

Die Chefin erzählt: „Ich habe mir heute eine Hollywood-Schaukel für den Garten bestellt. Kommt morgen.“

Ich sage Ihnen: Da fliegen gefühlt die quietschbunten Herzen nur so durch den Konfi. Wenn plötzlich neben allen wichtigen Aufgaben im Job, die Nerven kosten und auch Konflikte provozieren, auf wunderbar leichte Weise klar wird: Es gibt auch noch ganz andere Seiten an unseren Kollegen.

Sagen Sie jetzt nicht, das ist doch was für Kindergärtnerinnen auf Betriebsausflug. Eben nicht nur: Gerade Manager unter Hochdruck verlieren manchmal den Blick auf das, was die Wogen glättet und die Seele streichelt. Wenn Sie sich bei so viel Gefühlsduseleien seltsam berührt fühlen, dann machen Sie sich erst recht den Spaß draus und probieren Sie es aus. Die Karrieristen im Team sind so plötzlich auch entspannte Fliegenfischer, die Einzelkämpfer engagieren sich bei der Tafel, die Erbsenzähler machen eine Oldtimer-Tour durch die Bretagne und die schüchternen studentischen Aushilfen geben ein Konzert im Jazzkeller.

Das von den anderen zu wissen, gibt neue Ansatzpunkte für Smalltalk und hilft dabei, verkrustete Verhältnisse aufzupolieren.

Genießen Sie es, Konflikte anzugehen. Mit System, mal eben zwischendurch oder indem Sie zeigen: Ich bin doch gar nicht immer so. Es ist nie zu spät, die Stimmung steigen zu lassen.

Mikrofon kaputt, Lampenfieber vor der Präsentation, keine schlagfertigen Argumente? In seiner Kolumne „Karriereleiter“ gibt Marcus Werner Tipps zu den großen und kleinen Katastrophen des Berufslebens.

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