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Karriereleiter

Fünf schnelle Rhetorik-Tipps fürs Vorstellungsgespräch

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Ihre Antworten sollen Ihnen nützen

Klassiker wie „Was ist Ihre größte Stärke/Schwäche?“ sollte keiner so beantworten, dass der Andere maximalen Erkenntnisgewinn in der Sache hat. Die beste Antwort ist die, die Ihnen nützt. Und oftmals geht es bei Fangfragen nicht um die sachlich korrekte Antwort, sondern um die Frage: Wie geht der Bewerber damit um?

Die Antwort auf die Frage nach der Stärke etwa entlarvt im Zweifel den Angeber. Und bei der Frage nach der Schwäche sind Sie nicht gut beraten, etwas preiszugeben, was Ihre Qualifikation in Frage stellt („Ich lasse mir nichts von anderen sagen“). Standard-Antworten wie „Ich bin immer so ungeduldig und perfektionistisch“ sind als Klassiker wiederum ausgelutscht.

Denken Sie an Ihr Ziel. Sie wollen überzeugen. Das gelingt etwa bei der Frage nach Ihrer Schwäche, wenn Sie dann eine Situation schildern, die jeder nachvollziehen kann und dann denkt: Ja, das macht menschlich. Oder sogar: Das kenne ich von mir. Etwa so: „Ich habe gemerkt, dass ich im Homeoffice echt nicht gut abschalten kann.“ Liefern Sie dann direkt die Lösung mit: „Aber ich habe mir angewöhnt, beim selbstgesteckten Feierabend Laptop und Unterlagen komplett wegzuräumen. Der Esstisch ist dann wirklich wieder 100 Prozent Esstisch.“

Auf diese Weise können Sie sogar heiklere Schwächen zugeben. Weil Sie sie vorbildlich im Griff haben: „Ich weiß, Delegieren liegt mir nicht im Blut. Dabei kann das Prozesse ausbremsen, wenn vieles bei mir aufläuft. Aber ich habe mir systematisch angewöhnt, Aufgaben abzugeben und habe nur gute Erfahrungen damit gemacht. Ich habe dann viel mehr Zeit für Neues.“

4. Betreten Sie die Metaebene

„Sind Sie für diesen Job nicht eigentlich überqualifiziert?“ Es gibt Momente in Vorstellungsgesprächen, da fängt das Hirn an zu rattern: Ist das eine Fangfrage? Die Antwort kenne ich nicht. Wollen die mich provozieren? Das Ergebnis mitunter: Langes Schweigen, rote Birne, stammeln, äh, äh, ömm. Die Rettung ist hier oft das Ausweichen auf die Metaebene: Reden Sie über das Gespräch. Das mag in einem Fernsehtalk der letzte Rettungsanker sein, in trauterer Runde bei einem Vorstellungsgespräch ist das aber letztendlich ein sympathisches Eingeständnis von Irritation. Und letztendlich Zeichen von Professionalität. Sagen Sie, wie Sie das Gespräch empfinden: „Ich habe gerade das Gefühl, Sie meinen die Frage gar nicht ernst, sondern wollen meine Nerven nur testen. Kann das sein?“

Das Gleiche, wenn Sie das Gefühl haben, die Atmosphäre kippt. Sprechen Sie es an, bevor es ohne Sie nachbesprochen wird: „Sie wirken auf mich gerade etwas skeptisch. Habe ich etwas gesagt, was Sie hat aufhorchen lassen? Ich möchte, dass Sie mich richtig verstehen.“

Über das Gespräch sprechen – die Rettung vor unausgesprochenen Gedanken, die einen verstummen und schüchtern oder unsicher wirken lassen.

5. „Haben Sie noch eine Frage?“ – „Ja!“

Oft fühlen sich die Anbieter einer vakanten Stelle in der überlegenen Position. Denn die haben ja schon einen Job in dem Unternehmen, in das Sie erst vordringen wollen. Dieses Überlegenheitsgefühl kann von Zeit zu Zeit durchblitzen, wenn durchgängig davon gesprochen wird, was der Bewerber für das Unternehmen tun kann und was von ihm erwartet wird. Gönnen Sie den Anderen dieses gute Gefühl, am längeren Hebel zu sitzen. Aber nur so lange, wie es Ihnen nicht schadet.

Dieses Über- und Unterordnungs-Gefühl mit klarer Wir-fragen-Sie-antworten-Systematik hindert mitunter Bewerber nicht nur daran, angemessen über Aufstiegs- und Gehaltsfragen zu sprechen, zu Arbeitszeiten, Urlaub und Homeoffice. Es nimmt ihnen manchmal auch die Möglichkeit, eigene Visionen zu entwerfen zum Inhalt der Arbeit, zur Zukunft der Branche und so. Aber es gibt immer diesen einen Moment: „Haben Sie noch Fragen?“ Wer hier nein sagt, vergibt eine wertvolle Chance, dem Gespräch bei Bedarf am Ende noch eine Wendung zu verpassen.

Der Haben-Sie-noch-eine-Frage-Moment ist Ihre Freifläche. Sie dürfen Fragen stellen, aber Sie dürfen auch einfach Dinge sagen wie: „Fragen nicht, aber ich würde gerne noch etwas erzählen/loswerden/vorschlagen.“ Und dann bringen Sie unter, was Sie unbedingt noch loswerden wollen, etwa, um noch mehr für sich selber zu werben, Gemeinsamkeiten abzuklopfen oder herauszustellen oder auch, um eine Schieflage im Gespräch geradezurücken (hier gerne auch auf der Metaebene) und unschön im Unklaren wabernde Missverständnisse abzuräumen. Die Frage nach der Frage wird so Ihr großes Finale auf der Bühne.

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Steigen Sie beim Smalltalk mit ein, rechnen Sie damit, zu Beginn ist kalte Wasser geworfen zu werden und paddeln Sie energisch los, machen Sie Antworten auf Fangfragen zu Werbebotschaften, wechseln Sie im Zweifel selbstbewusst auf die Metaebene und reden Sie über das Reden. Und sagen Sie niemals nein, wenn Sie noch Redezeit bekommen.

Wenn Sie das so ausprobieren, bleiben Sie danach bestimmt in guter Erinnerung. Viel Erfolg.

Mehr zum Thema: Ein Auftritt von Armin Laschet bei Markus Lanz hat gezeigt, wie brenzlig es wird, wenn man auf Nachhaken rhetorisch nicht vorbereitet ist. Was tun, wenn der Fragesteller in Schlachtlaune ist? Was Sie von Laschets Rhetorik lernen können.

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