Karriereleiter 

Networking - das perfekte Karriere-Tool?

Simone Janson Freie Autorin

Früher als Vitamin B oder Vetternwirtschaft bezeichnet, gilt heute Networking als Karrieretool Nummer Eins. Seit es Facebook, Xing, Twitter & Co. gibt, hat Netzwerken einen Aufschwung erlebt. Zu Recht?

Tipps fürs Netzwerken
So "netzwerken" Sie richtigDie SituationMan ist auf einer Veranstaltung, auf der eine Person ein Vortrag hält. Diese Person ist interessant. Nun möchte man mit ihr in Kontakt treten. Wie stellt man das am besten an? "Sie sollten vor allem wissen, was sie wollen", sagt Monika Scheddin, eine Beraterin für Netzwerken und Unternehmensberatung. Wer es nicht weiß, der wird auch Probleme haben, diese Person anzusprechen. Möchte man einen inhaltlichen Tipp zu einem Thema? Oder eine Empfehlung für weitere Geschäfte, bzw. für die Karriere? Scheddin weiß wovon sie spricht. Die Unternehmerin arbeitete als Managerin bei Brother und Prokuristin bei der Softwareschmiede Microdynamics, bevor sie sich 1995 als Coach für Unternehmensberatung selbstständig machte. Zu ihren Kunden zählen Oracle, Allianz, Siemens oder Pro Sieben. Zu dem Thema Netzwerken hat Scheddin das Buch "Erfolgsstrategie Networking. Business-Kontakte knüpfen, organisieren und pflegen" herausgebracht. Quelle: Fotolia
Der EinstiegDer erste Eindruck zählt. Eine Binse, möchte man meinen, doch schnell wird das vergessen. Also: nach dem Vortrag einer Person oder auf einer Veranstaltung sollte man mutig auf die Zielperson zugehen, mit der man in Kontakt treten möchte, und Blickkontakt aufnehmen. „Der Augenkontakt ist wichtig“, sagt Netzwerk-Expertin Monika Scheddin. „und dann losplappern“. Idealerweise erzählt man, was einem gefallen hat von dem Vortrag oder von der Person. „Seien sie diplomatisch“, sagt Scheddin, „sprechen Sie über Gemeinsames, darüber was ihnen gefallen hat. Was sie von der Person trennt sollte Sie außen vor lassen.“ Auch Ironie und Humor sollten im ersten Gespräch dosiert vorkommen. „Schließlich kennt die Zielperson sie nicht“, sagt Scheddin, „und Humor könnte falsch verstanden werden“. Der Name sollte an zweiter Stelle folgen. Und dann am besten wie ein berühmter Agent im Dienste seiner Majestät. Scheddin: „Die Studenten, denen ich das auf meinen Coaching-Veranstaltungen erzähle, lachen mich aus. Aber nur so bleibt der Name hängen“. Also dann: Bond. James Bond. Quelle: REUTERS
Verhedderung vermeidenWenn die Frage kommt: Was machen sie? sollte die Antwort nicht länger als eine Minute sein. Man sollte nicht den gesamten Lebenslauf herunterbeten. Details interessieren die meisten Zuhörer eh nicht und wenn die Zielperson nicht aus der gleichen Branche kommt, dann verwirren die Details zu sehr. „Sie müssen sich überlegen: wie will ich bei der Person in Erinnerung bleiben?“, sagt Scheddin, „viele möchte mit ihrer Kompetenz punkten“ Doch wie kann man diese in einem Gespräch zeigen, das in der Regel nicht länger als fünf Minuten dauern wird? Am besten: man macht eine intelligente, inhaltliche Bemerkung zum Thema, das mit der Zielperson zusammenhängt – und hofft so in Erinnerung zu bleiben. Quelle: dpa
Viel Zuhören, weniger sprechenMonika Scheddin sagt: „Ein guter Netzwerker hört viel zu und redet wenig“. Am besten liegt der eigene Gesprächsanteil unter 50 Prozent. Voraussetzung ist natürlich: ein ehrliches Interesse an der Person, mit der man sich unterhält. Nicht Interesse an der Funktion der Person - aufmerksame Gesprächspartner merken schnell, dass einer seine Neugier lediglich vorheuchelt.   Quelle: Fotolia
Die schweren und tiefen Themen vermeidenHat man ein halbes oder ein ganzes Jahr nicht gearbeitet, dann reicht es, dass man die Floskel „Auszeit“ verwendet oder „Ich bin auf der Suche nach einer neuen Herausforderung“. Schämen müsse man sich dafür nicht. Die Akzeptanz für die Auszeiten, aus welchen Gründen auch immer, sollte da sein. Das war mal anders. Scheddin erzählt: „Vor fünf Jahren war das Verständnis für Lücken im Lebenslauf kleiner“. Durch die Finanzkrise und das Aufbrechen der klassischen Berufsbilder habe sich die Toleranz für nicht geradlinige Karrieren vergrößert.  Quelle: Fotolia
Der Ausstieg zum richtigen ZeitpunktEin guter Zuhörer erkennt auch den richtigen Zeitpunkt, wann er auf einer Veranstaltung das Gespräch mit seiner Zielperson beendet sollte. Im Zweifel registriert er das: wenn sein gegenüber in Eile ist oder viele andere Personen mit ihm sprechen wollen. Dann sollte der Zuhörer auch bereit sein, seine Visitenkarte zu hinterlassen. „Machen sie es der Zielperson so einfach wie möglich", sagt Scheddin. Was nicht geht: gleich beim ersten Gespräch seinen ganzen Lebenslauf hinterlassen. Quelle: dpa
Am Ball bleibenNach dem ersten Treffen kommt es darauf an, bei der Zielperson in Erinnerung zu bleiben. Eine freundliche Mail innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Treffen, in der man sich für das Gespräch bedankt, ist gut und zeigt, dass man grundsätzliche Manieren des sozialen und menschlichen Miteinanders versteht und anwenden kann. Netzwerken gehört zu der Kategorie: Wichtig, aber nicht dringend. Trotzdem ist es ist ein zartes Pflänzchen, das kontinuierliche Fürsorge benötigt. Man braucht dafür einen langen Atem. "In der Regel sind sieben Kontakte und zwei Jahre notwendig, bevor was für beide Seiten herausspringt", so Scheddin. Wer es ernst meint mit Netzwerken, muss also hartnäckig sein. Scheddin erzählt von einem Manager, der grundsätzlich die erste Mail löscht. "Der hat die Einstellung: Wenn´s wichtig ist, dann werden sich die Interessierten auch ein zweites Mal melden".

In der Theorie geht das so: Man lernt jemanden kennen, idealerweise in einer möglichst unverfänglichen Situation, zum Beispiel auf einer Party beim Small Talk zwischen Häppchen und Champagner. Man ist sich sympathisch, bleibt in Kontakt - und bei passender Gelegenheit schustert man sich gegenseitig Jobs oder Aufträge zu. Natürlich wird das so gemacht, in der Politik ebenso wie in der Wirtschaft. Und die richtigen Leute zu kennen, kann hilfreich sein.

Wie Sie erfolgreich netzwerken

Selbst das Recruiting läuft in einigen Unternehmen bereits über sogenannten Mitarbeiter-Empfehlungsprogramme. Das funktioniert so: Wenn ein Mitarbeiter für die freie Stelle einen passenden Kollegen kennt, dieser eingestellt wird und sich bewährt, erhält der empfehlende Kollege einen Bonus. Die Methode hat allerdings so ihre Tücken, wie die Management-Beraterin Anne Schüller erklärt: "Das wahre Erfolgsgeheimnis des Empfehlens basiert auf Freiwilligkeit. Erfährt der Empfehlungsempfänger, dass Geld geflossen ist, können darunter Glaubwürdigkeit und Vertrauen leiden. Man entwickelt Vorbehalte und folgt dem nicht ganz uneigennützigen Rat am Ende dann doch lieber nicht." Strategisch planen oder mit Goodies ankurbeln lassen sich Networking-Erfolge nämlich nicht. Es ist quasi unvorhersehbar, in der richtigen Situation die passenden Kontakte aus dem Hut zaubern zu können oder von seinem Kollegen in spe gecastet zu werden. Dennoch sind Medien und Ratgeberliteratur voll mit Tipps für die richtige Networking-Taktik.

Nach Gemeinsamkeiten suchen

Etwa zu der Frage, wie man zu Ansprechpartnern am besten in Kontakt kommt, ein Thema bei dem sich viele Menschen schwer tun. Also sollte man, so empfiehlt etwa der Verkaufstrainer Oliver Schumacher, seine Hemmungen ablegen. Er rät, bei Gesprächspartnern nach Gemeinsamkeiten zu suchen und lieber zuzuhören als selbst zu reden. Beispielsweise mit der Frage: „Wie fanden sie den letzten Vortrag?“ oder „Konnten Sie schon etwas von der Veranstaltung mitnehmen?“. Zu plump darf es aber auch nicht sein, denn laut Schumacher kommt es vor allem auf Sympathie an: "Menschen kaufen nun einmal vor allem von anderen Menschen", sagt er. Daher sollte man nicht mit der Einstellung "mal sehen, wem ich heute etwas verkaufen kann" starten, sondern eher denken "Mal sehen, welche interessanten Menschen ich heute kennen lernen werde.“

So netzwerken Sie online erfolgreich

Doch was machen eigentlich Leute, die sich von Haus aus ein wenig schwer tun mit dem Ansprechen wildfremder Leute - beispielsweise weil sie eher schüchtern sind oder einen introvertierten Charakter haben? "Analytisch vorgehen", rät die Introversions-Expertin Sylvia Löhken. Man sollte sich klar machen, welche Ziele man verfolgt und welche Netzwerkpartner man zu welcher Gelegenheit treffen will. Darauf folgt die Überlegung, wie man mit diesen in Kontakt kommen kann - zum Beispiel eher beiläufig an einem Messestand oder gezielt mit einem Termin. "Gerade für introvertierte Menschen ist eine zielorientierten Planung nützlich. Dabei kommen Ihnen Ihre analytischen Fähigkeiten zugute," sagt Löhken.

Für die Diplom-Psychologin Chris Wolf, Autorin von "Überzeugend Leise", ist erfolgreicher Small-Talk auch eine Frage der Gelassenheit. "Früher hätte ich engagiert versucht, mitreißenden Smalltalk zu führen, wozu ich mich in etwa so eigne, wie ein Igel als Toilettenpapier. Heute warte ich einfach ein Weilchen ab, lasse mir Zeit, fühle mich ein und beobachte ein Momentchen. Dann ergibt sich irgendwann von selbst ein ganz angenehmer Smalltalk", berichtet sie.

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