WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
Karriereleiter
Quelle: imago images

Rhetorik: Souverän reagieren bei Witzen auf Ihre Kosten

„Liebe Kolleginnen und Kollegen, lieber Uwe...“ Gags auf Kosten anderer können wehtun und entgleiten auch mal Richtung Mobbing. Aber wer jetzt genial reagiert, punktet sogar und geht als Sieger vom Platz. Hier ein paar Tipps für alle Fälle.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Unser Kolumnist Marcus Werner ist Fernsehmoderator und Buchautor und arbeitet als Berater für Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung.

„Dass das Produkt so wenig verkauft wurde, ist doch eigentlich ein Erfolg. So haben nur wenige Kunden gemerkt, wie schlecht es ist.“

Humor bei der Arbeit macht alle erfolgreicher. Wer etwa Niederlagen mit Galgenhumor sieht, übersteht sie besser. Mit Scherzen kann es wunderbar einfach gelingen, hitzige Diskussionen wie mit einer erfrischenden Dusche abzukühlen: „Leute, da draußen rast gerade ein Komet auf die Erde zu! Versöhnt euch! Schnell.“

Auch Kritik lässt sich mit Humor abfedern: „Beschmeiß mich bitte nicht mit den Keksen, wenn ich jetzt sage: Ich glaube, du bleibst hier unter deinen Möglichkeiten.“ So zeigen wir: Ich bin mir der unangenehmen Situation bewusst, die ich jetzt für dich schaffen werde, und sorge deshalb unserem guten Verhältnis zu liebe für Lockerheit.

ABER: Scherze können auch eine brutale Angriffswaffen sein. Sie sind deshalb so besonders vernichtend, weil sie sich tarnen als „nicht so gemeint“. Darauf cool zu reagieren, ist oft schwer. Zumal es ja meist schnell gehen muss. Ein Scherz auf unsere Kosten vor Publikum macht es sogar noch komplizierter. Denn wie schon den Angriff nimmt das Publikum auch die Gegenreaktion aufmerksam wahr - mit dem Wohlgefühl, selbst nicht in der Schusslinie zu stehen.

1. Der Scherz soll treffen: Jetzt humorvoll zurückkeilen

Eine gute Pointe kann Millionen Menschen zum Lachen bringen. Gibt es allerdings ein „Opfer“ der Pointe auf offener Bühne, muss dieses nun reagieren. Politiker oder Prominente aus Wirtschaft, Show oder Sport werden professionell beraten, damit umzugehen. Wer es beherrscht, diese Scherze auszuhalten, schläft selbst als Bundeskanzlerin gut.

Aber im Arbeitsalltag trifft es viele von uns wie eine Ohrfeige. Eine brutal einschlagende Pointe auf unsere Kosten. Jetzt gilt es, Haltung zu zeigen. Am elegantesten ist das gekonnte Noch-einen-Draufsetzen. Damit das gelingen kann, brauchen wir zunächst die richtige Grundhaltung: „Den Schlagabtausch mache ich gerne mit.“ Erkennen wir sportlich an: Die Vorlage ist nicht schlecht. Dann die Überlegung: Wie toppe ich das noch?

Bekanntes Beispiel: „Wenn ich Ihre Frau wäre, würde ich Ihnen Gift in den Tee mischen.“

„Wenn Sie meine Frau wären, würde ich ihn trinken.“

Wie gelingt dieser Konter? Indem wir mitspielen. Das Gegenteil davon wäre, die Provokation abzuwehren: „Was soll das denn? Können wir bitte mal ernst bleiben hier?“ Das geht eher unter vier Augen, wirkt auf Publikum aber schnell beleidigt.

Nächster Versuch: „Wenn ich in Ihrer Firma arbeiten würde, würde ich durchs geschlossene Fenster aus dem zehnten Stock springen.“ Stellen Sie sich die Situation real vor. Und? Was kommt Ihnen in den Sinn? Ich habe da das splitternde Glas vor Augen. Und mir fällt ein: „Oh, bitte, machen Sie das Fenster vorher auf.“

Oder: „Da knallen Sie doch gegen die Scheibe und fallen vor die Heizung.“

Oder (gleiches Prinzip wie oben mit dem Tee): „Wenn Sie hier arbeiten, springen alle anderen.“

Diese Konter verlangen vom Zuhörer immer ein kurzes Weiterdenken. Warum soll er das Fenster vorher aufmachen? Weil es schlimmer ist, dass das Glas kaputt geht, als dass er sich durch den Sturz verletzt. Warum fällt er vor die Heizung? Weil er offenbar ein dünnes Hemd ist.

Warum sprängen alle anderen? Aus dem gleichen Grund, aus dem der Mann den vergifteten Tee trinken würde: Weil der Angreifer einen wahnsinnig macht.

Ohne das Weiterdenken allerdings wird es plump und uncharmant: „Springen Sie doch. Ist mir doch egal.“ Das wäre zwar wohl ironisch. Aber nicht witzig.

Die sportliche Denkweise ist Trainingssache. Wer das gut kann, macht gerade im Rhetorik-Kampf auf der Bühne, etwa bei Podiumsdiskussionen, eine gute Figur.

Und machen Sie klar, dass Sie Spaß am Spaß haben. Lachen Sie, zwinkern Sie. Alles nur ein Spiel. Ein Spiel, das Sie gerade gewonnen haben.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%