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KarriereleiterSo bleiben Sie souverän trotz Wut im Bauch

Wenn in der Diskussion der Puls hochgeht, verschieben sich schnell die Prioritäten: einen reinwürgen, statt überzeugen. Kräfte messen, statt argumentieren. Bis zur Blamage. Managen Sie Ihren Ärger und sogar Ihr Gegenüber. Eine Kolumne.Marcus Werner 18.10.2023 - 17:30 Uhr

Wenn Sie wissen, dass Ihnen gerne mal der Puls nach oben entgleitet: Besinnen Sie sich schnell auf das, was Sie wirklich weiterbringt.

Foto: imago images

Wenn Sie im beruflichen Schlagabtausch Ihre aufwallenden Gefühle erkennen und steuern können, dann erreichen Sie das von Ihnen gesetzte inhaltliche Ziel mit entspannter Leichtigkeit. So geht’s. 

1. Das typische Streit-Schema erkennen.

Einfach gesagt spielen sich Konflikte oft auf Ebenen ab, die wir im Austausch der Sachargumente nicht immer präsent haben. Beispiel aus einer fiktiven Abteilungsleiterkonferenz: 

Leonie sagt: „Ich finde, wir haben uns mit der Eingliederung der neuen Schokoladenmarke in unser Portfolio übernommen. Das Projekt war zu groß, um es so kurzfristig zu starten.“

Fynn antwortet: „Ich finde, wir können uns ruhig mal etwas Größeres vornehmen. Wenn wir uns unter den Abteilungen besser abgestimmt hätten, wäre das besser gelaufen. Immerhin war es eine gute Idee.“ 

Leonie: „Ja, dafür muss der mit den ach so genialen Ideen die Abstimmung aber auch gut steuern.“ 

Fynn: „Ah ja, willst du damit sagen, dass es an mir lag?“ 

Leonie: „Du bist zumindest der Projektleiter, Fynn.“ 

Fynn: „Echt? So einfach machst du es dir? Wie wäre es, wenn du dir mal an die eigene Nase fasst? Besonders viel Gegenwild kam nämlich von dir und deinem Team.“ 

Leonie: „Kein Wunder. Weil du uns alles vor die Füße wirfst, dich zurücklehnst und uns schön machen lassen willst.“ 

Fynn: „Wäre schön, wenn ihr dann auch was machen würdet. Vielleicht liegt es ja nicht an meiner von dir unterstellten Faulheit, sondern an deiner Überforderung, dass wir hier in diesem Scheißladen nicht vorankommen!“  

Leonie: „Und da ist es wieder: dein wahres Gesicht.“ 

Karriereleiter

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Kommt Ihnen das Prinzip bekannt vor? Es beginnt mit der Diskussion um die Sache und schlägt um zu unverblümten persönlichen Vorwürfen. Wieso? Antwort: Weil bereits die Sachbotschaften Botschaften auf der zwischenmenschlichen Ebene enthalten, ohne dass sie ausgesprochen werden. 

Wenn Leonie sagt: „Ich finde, wir haben uns mit der Eingliederung der neuen Schokoladenmarke in unser Portfolio übernommen“, lässt sich heraushören: Ich bin mit deiner Arbeit als Initiator und Leiter des Projekts unzufrieden. Wenn Fynn antwortet: „Ich finde, wir können uns ruhig mal etwas Größeres vornehmen“, schwingt auch mit: „Ich bin mutiger als du.“ 

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Ganz oft werden im Job-Umfeld Konflikte zwischen Kolleginnen und Kollegen auf der Sachebene ausgetragen, obwohl es auf der Beziehungsebene der Betroffenen knarzt. Insofern ist es geradezu ein Glücksfall, wenn der Schlagabtausch doch mal unverblümt auf der Beziehungsebene ausgetragen wird. Denn dann kann offen über das eigentliche Problem diskutiert werden: hier über die unterschiedlichen Auffassungen von Projektarbeit im Team unter Führungsleuten.  

Fahren Sie also die Antennen aus: Wird hier ein persönlicher Konflikt auf die Sachebene bugsiert, um die kompliziertere (aber fällige) Auseinandersetzung über einander zu umschiffen? 

2. Definieren Sie in der Wut: Was will ich wirklich?

Wenn die Emotionen hochblubbern, gilt es, schnell zu schalten: Was will ich wirklich?  

Wut-Gedanken wie:  

  • „Das lasse ich mir von diesem Idioten nicht bieten“  

  • „Die blöde Kuh wird mich kennenlernen“ 

  • „Nicht mit mir, Freundchen“ 

  • „Wenn das hier so läuft, schalte ich auf stur“ 

schaden fast immer uns selber. Weil wir uns im Affekt auf das kurzfristige Ziel versteifen, den geileren rhetorischen Treffer zu landen. Das Beispiel oben zeigt aber: Trotz eines für Dritte durchaus unterhaltsamen Kampfes unter der Gürtellinie ist am Ende zumindest objektiv von außen nichts Gewinnbringendes herausgekommen. Stattdessen ein paar gute Gründe, sich beim jeweils anderen zu entschuldigen. 

Wenn Sie wissen, dass Ihnen gerne mal der Puls nach oben entgleitet: Besinnen Sie sich schnell auf das, was Sie wirklich weiterbringt. Hier wäre das zum Beispiel die Antwort auf die Frage: „Wie kriegen wir solche großen Projekte künftig trotz der Kurzfristigkeit besser hin?“ oder auch: „Wie kann ich in der Konferenz als besonders führungsstark und besonnen wirken?“ 

Wenn Sie sich auf diese eigentlich gewinnbringenden Ansätze konzentrieren, werden Ihre Redebeiträge andere sein. 

3. Haltung schärfen: Sehen Sie den Konflikt als Teil des großen Spiels

Es ist nicht so leicht, kühl zu bleiben und zielorientiert zu kommunizieren, wenn das Gegenüber hochfährt und aus vollen Rohren auf der Beziehungsebene schießt. Machen Sie sich dann klar: Ihrem Gegenüber geht es ähnlich wie Ihnen. Alle wollen gerne irgendwie als Sieger vom Platz gehen. Auch die, die sagen, dass es ihnen um die Sache geht. Denn auch die wollen sich ja zumindest im Sinne der aus ihrer Sicht richtigen Sache durchsetzen.  

Betrachten Sie die Konferenz, den Job, Ihre Karriere mal probeweise als großes Spiel des Lebens. Bei dem alle Beteiligten die in ihrem Sinne richtigen Spielzüge machen wollen. Billigen Sie den Anderen hierbei zu, im eigenen Sinne zu handeln. Die Entscheidung, welcher Spielzug der nächste richtige aus eigener Sicht ist, können nur alle für sich selber treffen. Gönnen Sie den Anderen ihre Sichtweise auf das Spiel - hier das Spiel „Schokomarke eingliedern“. Und zu einem Spiel gehört auch, dass die Anderen mal punkten. So werden Zumutungen zum Salz in der Suppe. Diese Haltung hilft mir immer ungemein, den Job mit einem Lächeln zu betrachten, auch wenn es hitzig wird. 

4. Senden Sie Fairness-Botschaften

Weil Sie ja jetzt wissen, dass selbst Sachbotschaften zwischenmenschliche Botschaften beinhalten, die ins Mark gehen können: Signalisieren Sie, dass Sie sich dessen bewusst sind. Und positionieren Sie sich dazu. Am besten, indem Sie Ihre eigenen Eindrücke und Bedürfnisse schildern, statt mit Du-du-du-Botschaften dem anderen direkte Vorwürfe zu machen. Etwa so:  

Leonie sagt: „Ich weiß, du warst der Projektleiter und hast dir viel vorgenommen, was ja grundsätzlich super ist. Wir in meinem Team waren dem Wust an Anforderungen so kurzfristig allerdings nicht gewachsen. Hier hätte ich mir eine bessere Abstimmung gewünscht. Ich habe mich vor dir überrannt gefühlt.“ 

Fynn kann jetzt ebenfalls unverdeckte Beziehungsbotschaften senden: „Ich hatte den Eindruck, der Einzige im Team zu sein, der Spaß an dem Projekt hat. Dass die Abstimmung aus eurer Sicht nicht gut läuft, hätte ich gerne früher erfahren. Was war denn?“ 

Leonie: „Letztendlich lag doch die Hauptarbeit in unserer Abteilung. Ich wäre deshalb gerne ab Minute eins besser in die Planung einbezogen worden. Das war auch schon in vergangenen Projekten öfters so.“ 

Fynn: „Ich befürchte dann allerdings, dass meine Ideen ab Minute eins im Keim erstickt werden. Ich habe das Gefühl, dass eure Abteilung da ein Nadelöhr ist. Ich dringe mit meinen Ambitionen nicht durch und fühle mich von euch ausgebremst.“ 

Leonie: „Und ich habe manchmal den Eindruck, wir sollen für deinen Aufstieg den Steigbügel halten. Dass du das Gefühl hast, mich umgehen zu müssen, kann so nicht bleiben.“ 

Merken Sie, was hier passiert ist? Der Konflikt auf der Beziehungsebene ist jetzt offengelegt. „Du überrennst mich“ versus „Du bremst mich“. Ohne ein böses Wort. Das ist nicht duckmäuserisch. So haben beide ihr Ziel in ihrem Spiel erreicht: Die Chance, die Arbeitsbedingungen im jeweils eigenen Interesse zu verbessern. Jetzt kann dran gearbeitet werden, das Problem zu lösen: Wie kann das Teamwork künftig aussehen.  

Es geht zusammengefasst also darum, dass Sie 

1. erkennen, dass zwischenmenschliche Konflikte unter der Oberfläche köcheln können, auch wenn über die Sache gestritten wird.

2. auch im Eifer des Gefechts spüren, welche Diskussionsziele nur der plumpen Gier dienen, hier und jetzt Ihr Ego zu befriedigen, und welche Ziele Sie langfristig weiterbringen. 

3. das Ganze als Spiel sehen, bei denen alle ihre eigenen Spielziele im Auge haben. Damit sie den Konflikt mit einem inneren Lächeln bestehen. 

4. Ihrem Gegenüber deutlich machen, dass Sie den Beziehungs-Konflikt erkannt haben und Interesse daran haben, ihn aus der Welt zu schaffen. 

Selbst wenn der andere dann nicht so kühl und gelassen reagiert wie Sie: Bleiben Sie den genannten Prinzipien treu, werden Sie sehr wahrscheinlich in Ihrem Sinne vorankommen. Und außerdem:  

5. einfach mal tief durchatmen.

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