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Karriereleiter

Was Sie von Laschets Rhetorik lernen können – und er auch

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Was ist aus Sicht des Antwortenden schief gelaufen?

„Lassen Sie uns doch über die Sache reden.“

„Nein. Entschuldigung, Sie sind der neu gewählte CDU-Chef. Und diese Geschichte ist, ab dem Moment, wo sie das macht, mit Ihnen verbunden(…).“

„Ja, ich habe meine Position und die habe ich deutlich gemacht. Die kann auch eine andere sein als die der Kanzlerin.“

Später Lanz: „Sie beschädigt sie.“

„Ich empfinde das nicht so.“

Später Lanz: „Aber Sie haben sich doch nicht darüber gefreut.“

„Ich habe mich nicht gefreut.“

Später Lanz: „In München sitzt einer, Frau Bubrowski nickt schon, ich habe neulich den Satz gelesen, der riecht das. Wenn da einer angeschossen ist. Der riecht das.“

Laschet: „Ja, das ist auch nicht angemessen.“

Am Ende wirkt Laschet auf die Hinweise von Lanz, der Bayrische Ministerpräsident Markus Söder würde den Streit zwischen Kanzlerin und CDU-Vorsitzenden öffentlich kritisieren, kurzzeitig nur noch sprachlos. Und lächelt schulterzuckend. Was ist hier aus Sicht des Antwortenden schief gelaufen? Kurz gesagt: Er wollte über das, was er gefragt wurde, nicht reden. Wie hätte er es abwenden können und stattdessen das Gespräch auf Dinge lenken, die ihm angenehmer sind?

A. Lösungen für Schwachpunkte vorab entwickeln

Mich hat überrascht, dass Laschet offenbar auf die Fragen von Lanz nicht vorbereitet war. Das Schwachpunkt-Thema lag doch sehr auf der Hand: In Zeiten, in der die CDU den Kanzlerkandidaten wählen will, kritisiert die Kanzlerin den CDU-Chef öffentlich für seine Corona-Politik. Was bedeutet das für Laschet?

Die grundsätzliche Entscheidung zwischen „Problem herunterspielen“ oder „zu Problem bekennen“ hätte vorab in Ruhe durchdacht werden können. Ich glaube, dann hätte Laschet sich nicht für den ersten Weg entschieden. Weil der kaum glaubwürdig ist. „Problem bekennen“ hätte das Thema schnell weggewischt und hätte Platz gemacht für das von Laschet angestrebte Gespräch über „die Sache“. Nicht ideal gelaufen aber weiter im Sinne der Bürger.

B. Schwachpunkte selbst abräumen

Etwa so:

Lanz: „Was haben Sie erwartet und was haben Sie bekommen?“

„Ich habe mir schon gedacht, dass die Kanzlerin nicht zufrieden ist mit dieser abweichenden Regel, denn das hat sie mir auch vorab schon persönlich gesagt. Das Interview hat meine Erwartungen also bestätigt.“

„Die Kanzlerin hat explizit NRW erwähnt. Warum?“

„Ja, ich weiß, das wurde von vielen als Affront gegen mich aufgefasst. Klar hätte ich mich gefreut, die Kanzlerin hätte mir diese öffentliche Kritik erspart. Sie sehen ja jetzt in diesem Moment, dass das Redebedarf erzeugt hat. Vielleicht war sie nach den langen Verhandlungen auch mal genervt, dass NRW ihren Vorstellungen nicht in jedem Detail folgt. Aber keiner weiß, was der beste Weg ist. Und sowohl die Kanzlerin als auch ich geben unser Bestes beim Abwägen der Optionen. Wir haben ja ein gutes Verhältnis. Wir können das ab.“

„In München sitzt jetzt einer, der wittert seine Chance.“

„Dass der Bayerische Ministerpräsident in diesem Punkt näher an der Haltung der Kanzlerin ist, stimmt. Aber ich muss meiner politischen Überzeugung folgen, nicht Wahlkampftaktiken. Auch wenn das intuitiv nahe liegen mag. Aber das wäre unfair den Bürgern gegenüber. Auch, wenn ich da jetzt auch mal anecke. Ich meine es gut. Da muss ich mit den Nachteilen für mich selber leben. So etwas entscheidet doch nicht über eine Kanzlerkandidatur. Wir können die Pandemie-Politik nicht aus Scheu vor Reibereien einstellen.“

„Hat die Kanzelrinnen-Schelte Ihnen geschadet?“

„Hoffentlich nicht. Zumindest sicher nicht genützt.“

„Will die Bundeskanzlerin Sie als Kanzler verhindern?“

„Nach all dem, was sie mir bisher gesagt hat, bin ich mir 100% sicher: nein. Es ist eine Uneinigkeit in der Sache.“

Der Effekt: Ein Nachbohren nach ausweichenden, unglaubwürdigen Antworten hätte keine neuen Antworten geliefert. Laschet hätte jedes Mal antworten können: Wie gesagt, komplette Einigkeit wäre schöner. Aber es geht uns allen um die beste Lösung in der Sache.

Letztendlich hat Laschet dies am Ende auch sinngemäß so gesagt. Aber erst nachdem er eine gefühlte Ewigkeit so getan hatte, als sei nichts gewesen. Diese Unaufrichtigkeit war so offensichtlich, dass der Moderator sicher sein konnte, das Publikum auf seiner Seite zu haben. Armin Laschet hat sich auf diese Weise in eine Ecke drängen lassen, aus der er immer wieder nur neu formulieren konnte, dass die Kanzlerin nicht böse auf ihn sei und

dass sie es nicht so gemeint haben werde. Kleiner machen kann man sich als möglicher Nachfolger nicht mehr. Vor allem, wenn einem das Beschwichtigen kaum noch einer glaubt. Und deshalb:

C. Schwachpunkte zugeben

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An der Nase herumführen lässt sich keiner gerne. Sobald die Zuschauer denken, das glaubt er doch wohl selber nicht, springt es in seiner Betrachtung des Ganzen auf die Metaebene: Lässt Lanz (als unser Stellvertreter) sich jetzt diese unglaubwürdigen Thesen unterjubeln?

Offensichtliche Schwachpunkte einzuräumen, ist da schon nicht mehr mutig, sondern die letzte Rettung. „Geben Sie doch endlich zu, dass das nicht gut gelaufen ist“: Das ist noch die Frage nach dem Schwachpunkt. „Wie konnte es dazu kommen?“ lädt schon zur Sachdiskussion ein.

Fazit: Wenn Sie merken, dass Sie in der Falle sitzen, glauben Sie nicht, dass es sonst keiner merkt. Gehen Sie offen und ehrlich damit um, dass ihnen der Druck unangenehm ist. Das mag nicht immer und in jeder Situation die brillanteste Lösung sein (etwa auf diplomatischem Parket, wo die Rhetorik üblichen, erwartbaren Mustern folgt). Aber es ist doch ungemein beruhigend, dass wir mit Aufrichtigkeit weiterkommen. Wir müssen uns nicht verstellen und punkten damit auch noch. Einfacher geht’s nicht.

Mehr zum Thema: Der Teleprompter erlaubt uns bei wortgenauen Reden den ständigen Blick in die Kamera. Doch das geht oft auf Kosten der Authentizität.

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