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  4. Überzeugungskraft: So überzeugen Sie selbst als notorischer Besserwisser

KarriereleiterWenn Sie es besser wissen – aber charmant bleiben wollen

In Diskussionen Recht zu haben und vom eigenen Standpunkt zu überzeugen, sind zwei Welten. Ein wesentlicher Überzeugungs-Faktor ist, gemocht zu werden. So klappt es selbst für notorische Besserwisser. Eine Kolumne.Marcus Werner 28.06.2023 - 15:17 Uhr
Foto: imago images

Es gibt kaum einen Fall, in denen es sich für Sie auszahlt, anderen zu sagen, wie doof Sie sie finden. Ja, es ist kaum etwas frustrierender, als sich mit Leuten auseinanderzusetzen, die zwar eine große Klappe haben, jedoch nichts dahinter. In einer Diskussion diesen Leuten es genau so zu sagen, schmälert in den allermeisten Fällen jedoch Ihre Überzeugungskraft.

Konstellationen, in denen wir es in Konferenzen oder Diskussionsrunden mit Leuten zu tun haben, die aus unserer Sicht keinen Schimmer haben von dem, was sie erzählen, gibt es ja häufiger:

  • Die Abgesandten des Vertriebs, die den Produktentwicklern erzählen, warum die neuen Ideen nichts taugen und was unbedingt erfunden werden muss.
  • Der knapp sechzig Jahre alte heterosexuelle Cis-Mann erklärt den LGBTQ-Interessenvertretern im Unternehmen, dass es heutzutage für queere Menschen eigentlich keine Probleme mehr in unserer Gesellschaft gibt.
  • Die Finanzvorständin sagt dem Personalvorstand in einer Podiumsdiskussion, wie er die Abteilungen zu strukturieren hat, damit die effizienter arbeiten.

In solchen Gesprächen kommt es vielen dann als wunderbar einfach vor, die niedrig hängenden Früchte zu ergreifen und zu sagen: „Sie haben ja keine Ahnung.“

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Schlau, kurz, BÄMM! Mehr überzeugen mit weniger Worten

von Marcus Werner

Das mag in der Sache stimmen, aber wer so reagiert, hat zumindest zu wenig Ahnung von Kommunikation. Oder pfeift auf die Folgen. Die sind in der Regel: offene Verlagerung des Gesprächs auf die Beziehungsebene („Boa, sind Sie arrogant!“) und Rollo runter in der Sache. Denn wer gibt schon gerne zu, dass der überhebliche Klotz da ja eigentlich Recht hat?

Recht haben und Recht bekommen: Wenn Sie als der Wissensüberlegene elegant überzeugen wollen, müssen Sie bei den Empfängern Ihrer Kommunikation die Bereitschaft auslösen, Sie als den Überlegenen in der Sache anzuerkennen. Warten Sie nicht darauf, dass die anderen von alleine ein Einsehen haben. Nehmen Sie es selbst in die Hand. Das klappt, indem Sie Ihre Haltung unter mehreren Aspekten optimieren:

Erste neue Haltung: Sieh den Konflikt als Spiel

Spielen macht Spaß. Die Spieler der Fußballmannschaft A finden es zwar nicht schön, wenn ihnen Mannschaft B den Ball ins Tor donnert, empfinden es aber zumindest nicht als Affront, sondern als Teil des Spiels, das hingenommen werden muss. Und so gehört es auch zum Spiel des Lebens, dass einem im Laufe der Karriere Leute quer schießen. Das ist eine Herausforderung, die das Spiel erst spannend macht.

Wenn Sie diese Haltung einnehmen, wird die Auseinandersetzung nicht zu einem Störfaktor, den es vollends zu umschiffen gilt. So können Sie sich Gedanken machen, wie Sie elegant kontern, statt rabiat zu bolzen, um den Abbruch des Spielzugs zu erreichen.

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Ich wundere mich immer wieder, wie einige aus der Haut fahren, wenn sie unterbrochen werden: „Jetzt LASSEN Sie endlich mich ausreden! Ich habe Sie auch ausreden lassen.“ Dieser Appell offenbart Dünnhäutigkeit, oftmals auch bei Frauen, die sich vorgenommen haben, sich von lautstarken Männern nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen.

Aber das geht auch lässiger, wenn Sie den Machtkampf als Spiel sehen und elegant mit Raffinesse punkten wollen:

„Ich könnte Ihnen nicht verübeln, wenn Sie noch gar nicht wissen, was ich sagen will.“

„Vielleicht interessiert Sie, wie mein Satz endet.“

„Passen Sie auf. Jetzt kommt’s.“

Mit einem Augenzwinkern. Weil Sie drüber stehen. Mit der neuen Haltung.

Zweite neue Haltung: Schöpfe Ruhe aus deiner Überlegenheit

In Fernsehtalkshows kann man es immer wieder mal beobachten: Experten, die sich darüber ärgern, wenn Politiker Dinge fordern oder durchsetzen wollen, obwohl doch die Experten die mit der größten Fachkompetenz sind. Sich wahrnehmbar darüber zu ärgern, dass Ihr Gegenüber keine Ahnung hat, kann allerdings fast immer nur gegen Sie als Überheblichkeit ausgelegt werden.

Freuen Sie sich stattdessen lieber darüber, dass Sie der- oder diejenige sind, die es besser weiß. Nicht mit Häme, sondern mit Gelassenheit. Wenn Sie so fühlen, wird man es Ihnen auch anmerken. Aus einem genervten Augenrollen wird so schon intuitiv ein geduldiger, aber doch vorfreudiger Gesichtsausdruck, der vermittelt, dass Sie gleich gerne einmal Klarheit in die Runde bringen wollen, wenn gewünscht.

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Dritte neue Haltung: Freude an der offen zur Schau gestellten Bescheidenheit

Jüngst bei Maybrit Illner: Wirtschaftsexperte sagt zu Politiker: „Sie haben keine Ahnung von Wirtschaft.“

Politiker: „Das ist arrogant.“

Sprechen Sie Ihrem Gegenüber nicht so offensiv die Sachkompetenz ab. Wenn danach einmal vom Angegriffenen über Sie gesagt wird, Sie seien arrogant, haftet das vorm Publikum an Ihnen wie ein Stempel. Denn das Publikum hört das Einerseits und das Andererseits und versucht, sich eine Meinung zu bilden. Wird dann ein Lager als inkompetent abgewatscht, können die Zuschauenden kaum anders, als sich auf die Seite des Angegriffenen zu schlagen. Aus Empathie und mangels ausreichender eigener Sachkompetenz. Man will so etwas eben nicht selbst erleben.

Zeigen Sie stattdessen durch charmante Formulierungen, dass Sie

  1. Ihr Gegenüber für schlecht informiert halten und außerdem, ganz wichtig:
  2. dass es Ihnen sehr unangenehm ist, das auszusprechen, weil Sie ja so bescheiden sind.
  3. dass Sie Spaß daran haben, 1. und 2. rhetorisch elegant zu verknüpfen.

Vergangene Woche hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach bei Markus Lanz zum Thema Krankenhausreform zu einer Mitdiskutantin gesagt, die ihm in der Sache widersprochen hatte: „Ich bin mir nicht sicher, ob wir den gleichen Kenntnisstand haben.“ Diese Formulierung ist genial! Denn sie löst die drei besagten Bedingungen wunderbar ein:

  1. Sie widersprechen mir, weil Sie weniger wissen als ich.
  2. Ich möchte es nicht so ausdrücklich sagen, weil ich als charmanter Redner Sie nicht demütigen möchte.
  3. Meine Überlegenheit in der Sache tarne ich durch gespielte Unsicherheit über Ihren Wissenstand. Das kann ich mir leisten. Denn gerade weil ich Unsicherheit zu verspüren vorgebe, wird mir an dieser Stelle niemand echte Unsicherheit unterstellen. Alle werden verstehen, dass ich Ihnen in Wahrheit nicht zubillige, vielleicht doch so gut Bescheid zu wissen wie ich.

Also: Statt Ihrem Gegenüber offen ins Gesicht zu sagen, dass Sie ihn oder sie für schlecht informiert halten, überlegen Sie sich eine oder zwei Ihrer Lieblingsformulierungen, die Spaß am höflichen Umschiffen zeigen. Etwa:

„Ich schätze Ihre Arbeit sehr. Aber zum Glück sind auch Sie nicht perfekt. Das hier ist der Beleg.“

„Ich habe schon viel von dir gelernt. Jetzt ist offenbar die Gelegenheit, mich zu revanchieren.“

„Lassen Sie mich das gerne erläutern. Ich setze mal drauf, dass es neu für Sie ist.“

All das bedeutet nichts anderes, als das, was der Virologe Christian Drosten in der Pandemie einem kratzbürstigen (und offenbar in Sachen Corona schlecht informierten) Hausarzt auf Twitter zugerufen hat: „Bilden Sie sich fort.“

Nur eben sehr charmant. Der Effekt: Alle spüren, da ist jemand fest vom eigenen Standpunkt überzeugt und lässt den anderen trotzdem gelten. Sehen Sie also den Konflikt als Spiel, saugen Sie die Kraft der Ruhe aus Ihrer inhaltlichen Überlegenheit, und kokettieren Sie souverän mit Ihrer eigenen Bescheidenheit – und all das, ohne in der Sache zurückzuweichen. Wenn man Sie dann nett findet, schlägt man sich als Publikum gerne auf Ihre Seite. Und Ihr Gegenüber bricht nicht mehr so leicht ein Zacken aus der Krone, wenn es zugibt: „Okay, ich verstehe Ihren Punkt.“ Punkt.

Den Autor erreichen Sie über LinkedIn.

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