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Karriereleiter

Rhetorischer Supertrick: Sprich darüber, wie es dir geht

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Wie man im Arbeitsalltag über Gefühle spricht

Und genau das ist es: Wer über seine Befindlichkeiten, seine Gefühle, seine Gedanken spricht, der bricht sofort das Eis.

Dieser Leitsatz kann uns unendlich viele Situationen im Arbeitsalltag (und natürlich auch im Umgang mit Familie und Freunden) retten:

Der Klassiker: Im Aufzug mit der Chefin

Der Aufzug geht auf, die Chefin steht drin. Sie steigen zu, „Guten Morgen“, „Guten Morgen“, die Türen schließen, stilles Surren. Smalltalk bei null. Typische Gedanken:

Na toll. Warum ich? Die ist ja wieder gut drauf heute. Soll ich mein Smartphone rausholen? Denkt die jetzt auch gerade, dass das eine peinliche Situation ist jetzt? Oder steht die da drüber?

Wie wäre es mit folgenden Worten? „Jetzt stehen wir hier und schweigen und ich denke mir: Was denkt jetzt die Chefin wohl? Das macht mich richtig hibbelig. Aber Smalltalk am Morgen: Da bin ich einfach nicht gut.“

Zack. Eis gebrochen. Herz erobert. Selbst wenn die Andere jetzt auch nicht so recht weiß, was sagen – jetzt können Sie ganz gelöst weitermachen: „Was glauben Sie: Wird es denn ein guter Tag für Sie?“ Denn Sie haben ja schon zugegeben, dass Smalltalk Ihnen gerade schwerfällt. Jetzt muss es gar nicht mehr lockerflockig kommen. Es ist nun klar: Sie geben einfach Ihr Bestes. Das ist sympathisch.

Das Gespräch mit dem Kunden kippt plötzlich

Habe ich was Falsches gesagt? Manchmal merken wir: Irgendwas ist doch gerade los. Aber es ist uns nicht klar, was. Wenn Sie feststellen, dass Sie diese Unklarheit so sehr irritiert, dass Ihr Vorhaben darunter leidet, dann sorgen Sie für Klarheit. Am knappsten wäre: „Ist was?“ (der typische Spruch, wenn am Tisch plötzlich alle kichernd im Essen stochern und man sich fragt: Habe ich als Einziger die Pointe verpasst?). Letztendlich steckt dahinter: „Ich habe das Gefühl, die Stimmung ist gerade gekippt. Und ich frage mich: Liegt es an dem, was ich gerade gesagt habe? Klären Sie mich gerne auf.“

Also sagen Sie es ruhig. Gerade wenn Sie die Anderen nicht so gut kennen, etwa, weil Sie sie als Kunden nur wenige Stunden im Jahr sprechen, können Sie mit dieser Erklärung nicht nur einen Störfaktor aufdecken, sondern haben auch die Gesprächspartner dazu eingeladen, eigene Irritationen ganz offen zu thematisieren. Eben nach dem Motto: Sag einfach, was mit dir ist. Bei Leuten, die Sie besser kennen, hilft oft schon: „Ich habe das Gefühl, irgendwas ist.“

Auf der Bühne: Das Publikum wird unruhig

Lehrerinnen und Lehrer erleben das wohl fast täglich: Da dreht man sich zur Tafel, schon kehrt plötzlich hinter dem Rücken eine Unruhe in die Klasse ein. Da ist jetzt alles drin von: Habe ich was hinten am Pulli? Über: Habe ich mich verschrieben? Bis: Wurde die kurze Zeit ohne Aufsicht genutzt, um den Unterricht stilecht zu sabotieren?

Aber auch bei Präsentationen, Vorträgen, bei Podiumsdiskussionen kommt es immer wieder zu Signalen aus dem Publikum, die schwer zu deuten sind, die einen aber aus der Ruhe bringen können.

Auch hier gilt: Sagen Sie, wie Sie sich fühlen. „Ich spüre hier eine plötzliche Unruhe. Kann ich etwas dazu beitragen, dass wir wieder Tritt fassen? Das würde mich freuen, denn dann kann ich mich besser konzentrieren.“ Nachdem Sie offen und ehrlich zugegeben haben, dass Sie irritiert sind, dürfte sich die Bereitschaft im Publikum erhöhen, zur Aufklärung beizutragen („Hier kursiert gerade die Behauptung, die Zahlen auf Ihrer Folie seien veraltet.“)

In der Videokonferenz über Gefühle sprechen

In Videochats gehen viele Signale (nonverbaler) Kommunikation unter. Das kann verunsichern. Bedeutet die kurz mal abgeschaltete Cam bei dreien von zehn nun Desinteresse, stille Verzweiflung, Ablenkung oder einfach nur schwaches Netz?

Schweres Ausatmen, leises Stöhnen, Raunen, Kichern, ein kurzes „hä? Wieso das denn?“ oder „das ist ja geil“ kommen bei abgeschalteten Mikros der Zuhörer niemals bei den Rednerinnen und Rednern an. Genau das ist es, was viele an Videocalls als irgendwie nicht so richtig persönlich kritisieren.

Einige Chatprogramme haben mittlerweile nachgelegt und bieten die Möglichkeit, per Mausklick Emojis durchs Bild fliegen zu lassen, die Zuspruch, Lob und Begeisterung signalisieren. Aber das ist weniger als echte menschliche Regungen.

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Deshalb mein Rat: Fordern Sie diese menschlichen Regungen ein. Die dann eben umso deutlicher ausfallen sollten. Am besten durch klare Statements. Wenn Sie das Gefühl haben: Die Zuhörerschaft an den Geräten dämmert weg, ist stillschweigend unzufrieden oder ist total angetan, ohne es zu sagen, gehen Sie mit gutem Beispiel voran und sagen Sie, was in Ihnen vorgeht: „Ich rede hier in mein Mikro und weiß gar nicht, wie ihr zu dem steht, was ich sage. Mir fehlt da das Feedback. Wenn ich wüsste, was ihr denkt, könnte ich darauf eingehen. Deshalb jetzt mal in die Runde: Lobt, kritisiert. Einfach mal die Hände hoch.“ Und wenn nichts kommt: einzelne Kolleginnen und Kollegen direkt im Chat ansprechen.

Also: Wenn wir Andere an unserem Inneren teilhaben lassen, ist das nicht weicheiig, sondern professionelle Kommunikation. Denn wer seine Empfindungen preisgibt, wirkt nahbar, sorgt für mehr Verständnis und rollt den Anderen den Teppich aus, auf dem sie selber offen über ihre Empfindungen sprechen können. Und weil allen dann ein Stein vom Herzen fällt, springt das Gespräch meistens direkt in einen lockereren Modus. Und schon kann voller Erleichterung auf der Sachebene weitergesprochen werden. So überzeugen Sie die anderen einfach besser. Von sich und von Ihrem Anliegen.

Mehr zum Thema: Die schriftliche Bewerbung hat den Vorteil, dass wir vorab an jedem Wort feilen können. Im Job-Interview zählt die spontane Reaktion auf die Fragen der Anderen. Aber Spontanität können Sie planen.

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