Kein Extra für den Urlaub Die Mehrheit geht beim Urlaubsgeld leer aus

Urlaubsgeld vom Arbeitgeber für die „schönste Zeit des Jahres“ bleibt in Deutschland ein geteiltes Glück: Nicht einmal jeder zweite Beschäftigte kann damit die Sommerreise bezahlen. Die Mehrheit bekommt sogar gar nichts.

Diese Berufsgruppen haben am meisten Urlaub
Durchschnittlicher AnspruchDie Hamburger Vergütungsanalysten von Compensation Partner haben basierend auf 220.544 Arbeitsverhältnissen die Urlaubstage von Fach- und Führungskräften analysiert. Im Gesamtdurchschnitt haben Fach- und Führungskräfte insgesamt Anspruch auf rund 28 Urlaubstage. Über die Hälfte der deutschen Beschäftigten (53 Prozent) haben jährlich 30 Tage Urlaub. Laut Auswertung erhalten weniger als vier Prozent der Fach- und Führungskräfte mehr als 30 Tage im Jahr frei. Rund 16 Prozent der Arbeitnehmer verfügen über 24 Urlaubstage im Jahr. Quelle: obs
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Hotel-und-Gaststättengewerbe Quelle: Fotolia
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Automobilindustrie Quelle: Fotolia
Regionale-Unterschiede Quelle: dpa

Wenn das Reisebüro die Rechnung für den Sommerurlaub schickt, kann sich jeder freuen, der Urlaubsgeld vom Arbeitgeber bekommt. Bis zu 2300 Euro extra gibt es in einigen Branchen, aber sehr viele Beschäftigte gehen auch leer aus. Das geht aus der alljährlichen Auswertung von Tarifverträgen aus 22 Branchen und einer ergänzenden Online-Umfrage hervor, die das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung am Dienstag veröffentlichte. Gut 6600 Beschäftigte hatten sich im Laufe des Jahr 2016 an der nicht repräsentativen Umfrage beteiligt.

Die Höhe des Urlaubsgeldes schwankt stark nach Branchen zwischen 156 Euro im Steinkohlenbergbau und mehr als 2300 Euro in der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie im Westen. Ausgezahlt wurde das Geld oft mit dem Mai-Gehalt, es gibt aber keinen allgemeingültigen Zeitpunkt.

Industriebeschäftigte haben im Schnitt bessere Chancen auf die Sonderleistung als Mitarbeiter in Dienstleistungsberufen. So erhalten nach der WSI-Auswertung im Gesundheits- und Sozialwesen gerade einmal rund ein Viertel der Beschäftigten das Extra-Geld, in der öffentlichen Verwaltung weniger als ein Drittel, im Gastgewerbe gut 36 Prozent der Beschäftigten.

Welche Länder die Deutschen lieben und welche sie meiden
KanadaKanada steht auf Platz vier der Länder, in denen die Deutschen gerne auf Dauer wohnen würden. Länder auf den Plätzen darunter sind: Spanien, Dänemark, Neuseeland, USA, Australien und Italien. Quelle: SPLENDID RESEARCH GmbH Quelle: dpa
SchwedenDas Königreich Schweden mit seinen Wäldern und Elchen ist nicht nur das drittliebste Land als Wohnort, sondern auch das viertbeliebteste Land, um Urlaub zu machen, und steht in der Sympathie der Deutschen gar auf Platz eins. Quelle: dpa
SchweizDas Land der Gipfel und Höhen liegt auf Platz zwei der Länder als Wohnort. Quelle: dpa
ÖsterreichDas Geburtsland des Schriftstellers Thomas Bernhard ist nicht nur der beliebteste Ort, an dem die Deutschen im Ausland leben würden, sondern zugleich auch auf Platz vier der Urlaubsländer. Quelle: REUTERS
ItalienDie vom Mittelmeer umgebende Halbinsel hat es auf Platz zwei der beliebtesten Urlaubsziele geschafft. Weitere Urlaubsländer mit abfallender Beliebtheit sind Schweden, das erwähnte Österreich, Kanada, Neuseeland, Australien, Irland, Dänemark und Frankreich. Quelle: dpa
SpanienPablo Picassos Geburtsland ist das beliebteste Urlaubsland der Deutschen. Quelle: dpa
NeuseelandBei der Sympathie für die Länder der Welt liegt Neuseeland auf Platz vier. In dem artenreichen Inselstaat trifft man auf Pinguine im Wald. Andere Sympathie-Länder mit absteigender Beliebtheit sind: Dänemark, Österreich, Spanien, Italien, Schweiz und Irland. Quelle: obs
AustralienDas nordwestlich von Neuseeland gelegene Australien mit seinem weltberühmten Great Barrier Reef ist das drittbeliebteste Land, für dass die Deutschen Sympathie hegen. Quelle: dpa
RusslandDas ehemalige Zarenreich ist eines der beiden Länder, die in allen drei Kategorien – von Sympathie über Urlaubsland bis Wohnort – zu den unbeliebtesten Ländern zählt. Quelle: dpa
ChinaNeben Russland liegt das zu einer Großmacht aufstrebende Land auf den letzten drei Plätzen aller drei Kategorien und ist neben Israel und Ägypten eines der unbeliebtesten Länder der Deutschen. Quelle: AP

In der Industrie bekommen dagegen rund zwei Drittel der Mitarbeiter den Nachschlag zur Sommerzeit. Mit um die 2000 Euro liegt das Urlaubsgeld etwa in der Papier-, der Metall- und der Druckindustrie aktuell auch am oberen Rand der Bandbreite. Kellner und Hotelbeschäftigte müssen sich dagegen vielfach mit einem Zehntel davon zufriedengeben. Im Osten sind die Leistungen insgesamt oft niedriger.

In 12 von 22 Branchen gab es 2016 Zuwächse - zum Beispiel in der Druck-, Eisen- und Stahlindustrie, im Einzelhandel und bei der Bahn. Wo das Urlaubsgeld stagnierte - etwa in der Chemie, dem Großhandel oder Hotel- und Gaststättengewerbe - habe es entweder keine Tarifverhandlungen und folglich keine Lohnzuwächse gegeben, oder das Urlaubsgeld sei als Festbetrag vereinbart worden, der nicht automatisch mit dem Tarifabschluss steigt, erklärte das WSI.

Insgesamt kommt das WSI nach Auswertung der Tarifverträge und der Onlineumfrage auf einen Anteil von knapp 43 Prozent der Beschäftigten mit Urlaubsgeld, wobei das Ergebnis wegen der fehlenden Repräsentativität der Umfrage Schwankungen unterliegt.

Männer (knapp 51 Prozent der Befragten) beziehen die Leistung öfter als Frauen (39 Prozent), in Westdeutschland fällt der Anteil mit 49 Prozent deutlich höher aus als im Osten (gut 33 Prozent), und größere Betriebe zahlen öfter Urlaubsgeld als Kleinunternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten.

Das Urlaubsgeld ist ein freiwilliger Zuschuss des Arbeitgebers, auf den es keinen gesetzlichen Anspruch gibt. Allerdings kann ein Anspruch entstehen, wenn das Urlaubsgeld im Arbeits- oder Tarifvertrag vereinbart ist oder seit Jahren üblicherweise im Unternehmen gezahlt wird.

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