Körpersprache Mit Gestik zum Erfolg

Manche Gesten sagen mehr als tausend Worte, besonders bei schwierigen Gesprächen im Job. Warum nicht nur der Ton die Musik macht, sondern auch die Körpersprache zählt.

Um bei Gesprächen im Job eine gute Figur zu machen, ist eine ausdrucksstarke und selbstbewusste Körpersprache nicht weniger wichtig wie das gesprochene Wort Quelle: Fotolia

Im Berufsleben gibt es immer wieder Situationen, die besondere Vorbereitung und Fingerspitzengefühl benötigen, zum Beispiel: Einem Mitarbeiter kündigen, Gehaltsverhandlungen führen oder dem Chef mitteilen, dass ein Kunde abgesprungen ist. Um in solchen Gesprächen zu bestehen, braucht man mehr als nur die richtigen Worte, sagt der Kommunikations- und Körpersprachenexperte Michael Rossié.

Ganz wichtig ist es authentisch zu bleiben. „Körpersprache hat man, die kann man nicht antrainieren“, sagt und widerspricht damit der von Samy Molchow begründeten Theorie, das Gestik und Gang eine bestimmte Form annehmen sollten, damit man entsprechend kommuniziert. Dennoch sei es wichtig, so Rossié, die Wirkung von Körpersprache zu kennen, nicht zuletzt im Beruf.

Was Ihre Gesten über Sie verraten

Die Kündigung

Eine Kündigung sollte gut überlegt sein. Wer sich seiner Sache nicht sicher ist, zeigt das meist auch durch seine Körpersprache: Nervöse Gesten, zum Beispiel der häufige Griff ins Haar, sind ein Anzeichen dafür, dass sich jemand seiner Entscheidung nicht vollkommen sicher ist. Michael Rossié rät Vorgesetzten deswegen, schon vor dem entscheidenden Gespräch mit anderen Kollegen aus der Führungsetage darüber zu sprechen, denn so steht der Entschluss fest: Es gibt kein Zurück mehr.

Die richtige Stimme macht erfolgreich
Tiefe Stimmen signalisieren FührungsstärkeZu diesem Ergebnis kommt Casey Klofstad von der Universität von Miami in einer aktuellen Studie. Für ihr Experiment sprachen zunächst einige Männer und Frauen einen Satz auf Tonband: „Ich empfehle Ihnen, bei der Wahl im November für mich zu stimmen.“ Diesen spielte Klofstad etwa 250 Freiwilligen vor, allerdings verfälschte sie die Stimmen digital: Mal klang sie tief und sonor, mal hell und hoch. Nun sollten die Probanden angeben, welcher Stimme sie am ehesten ihre, nun ja: Stimme geben würden. Und siehe da: Kandidaten mit tieferen Stimmen bekamen den Vorzug – sie galten durchweg als kompetenter und vertrauenswürdiger. Quelle: dpa
Tiefe Männerstimmen bleiben Frauen im GedächtnisDavid Smith und Kevin Allan von der Universität von Aberdeen zeigten für ihre Untersuchung knapp 100 Frauen das Bild eines Gegenstands. Gleichzeitig hörten die Teilnehmerinnen sowohl echte als auch manipulierte männliche oder weibliche Stimmen. Diese sprachen den Namen des Gegenstands aus - mal mit hoher, mal mit tiefer Stimme. Dann präsentierte Smith den Probandinnen zwei täuschend ähnliche Versionen des Gegenstands und bat sie, den zu nennen, den sie zuvor gesehen hatten. In beiden Experimenten hatten die Frauen nicht nur eine deutliche Vorliebe für die tiefe männliche Stimmlage. Sie konnten sich auch besser an Gegenstände erinnern, wenn sie sie mit einer tiefen Stimme in Verbindung brachten. Quelle: dpa
Frauen erhöhen ihre Stimme, um attraktiver zu wirken45 Frauen, zwei Männergesichter, eine Erkenntnis: Frauen erhöhen automatisch ihre Stimme, wenn sie einen Mann attraktiv finden. So lautete das Fazit einer Studie von Paul Fraccaro von der Universität von Aberdeen. In seinem Experiment zeigte er den Frauen eines von zwei verschiedenen Männergesichtern, das er zuvor am Computer verändert hatten. Eines war eher maskulin, das andere feminin. Nun sollten sich die Studentinnen vorstellen, den jeweiligen Mann am Vorabend in einer Bar getroffen und seine Nummer erhalten zu haben. Die Aufgabe: "Nun sprechen Sie ihm auf den Anrufbeantworter und fragen Sie, ob er Sie wiedersehen möchte." Während die Probandinnen diesen Text aufsagten, nahm Fraccaro sie auf Tonband auf. Und siehe da: Immer wenn die Studentinnen das Gesicht attraktiv fanden, sprachen sie mit höherer Stimme. Quelle: dpa
Die Stimme verrät die KörpergrößeSarah Collins von der niederländischen Uni Leiden ließ für eine Studie im Jahr 2000 34 Männer verschiedene Vokale laut aufsagen. Die Tonbänder spielte sie unterschiedlichen Frauen vor, die die Männer daraufhin einschätzen sollten: ihre Attraktivität, ihr Alter, ihr Gewicht und ihre Größe. Wenig überraschend: Männer mit tiefer Stimme wurden als attraktiver bewertet. Sogar das Gewicht konnten die Frauen nur durch die Stimme einigermaßen zuverlässig einschätzen. Quelle: dpa
Die Stimme offenbart körperliche KraftFür eine Studie zeichnete Aaron Sell von der Universität von Kalifornien in Santa Barbara die Stimmen von Menschen in verschiedenen Ländern auf – in den USA, Rumänien, Bolivien und Argentinien. Außerdem bestimmte er die Stärke des Handschlags, den Bizepsumfang und weitere Indikatoren für die Kraft der Oberkörper. Nun spielten Sell die Stimmen Studenten vor, die daraufhin die Kraft, Körpergröße und Körpermasse auf einer Skala von 1 bis 7 schätzen sollten - was ihnen allein durch das Hören der Stimme recht zuverlässig gelang. Quelle: dpa
Die Stimme der Mutter beruhigt die NervenWenn Sie das nächste Mal Stress haben, greifen Sie zum Telefon - und rufen Sie Ihre Mutter an. Klingt vielleicht komisch, hilft aber. Das zumindest behauptet Leslie Seltzer von der Universität von Wisconsin-Madison. 61 Mädchen im Alter von sieben bis zwölf Jahren sollten in einem Experiment vor fremdem Publikum sprechen und Rechenaufgaben lösen. Im Anschluss bekamen sie entweder eine Umarmung ihrer Mutter, wurden von ihr angerufen oder sahen einen Film. Seltzer und Kollegen untersuchten vorher und nachher die Höhe des Hormons Oxytozin, das Stress abbaut. Und siehe da: Allein die Stimme der Mutter sorgte für mehr Oxytozin. Quelle: dpa
Babys erkennen Gefühle in der StimmeSchon im Alter von sieben Monaten können Babys menschliche Stimmen und deren Emotionen erkennen. Für eine Studie spielte Tobias Grossmann vom Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften Kleinkindern zwischen vier und sieben Monaten Stimmen mit einer neutralen, einer glücklichen und einer wütenden Betonung vor. Verblüffend: Auf die emotionalen Satzmelodien reagierten die Hirnregionen deutlich anders als auf die neutrale Stimme. Quelle: dpa

Die Bewerbungsexperten Hesse/Schrader warnen davor, den Blick dauerhaft zu Boden zu senken, die Augen wandern zu lassen oder demonstrativ vom Gegenüber wegzusehen. Das seien "Zeichen für Unsicherheit, Ignoranz oder sogar Provokation". Hilfreich ist es, im Kündigungsgespräch eine aktive Körperhaltung einzunehmen, sagt Experte Rossié. Ein aufrechter, offener Sitz ist wichtig, um sein Anliegen mit dem nötigen Selbstbewusstsein vorzutragen. Auch für die Sitzordnung hat der Coach einen Tipp: Am besten setzt man sich über Eck und nicht frontal gegenüber, so verlaufen die Gespräche harmonischer.

Wichtig ist es, schnell auf den Punkt zu kommen. Eine Kündigung auszusprechen ist unangenehm, das wird auch nicht besser, wenn zuvor lange um den heißen Brei herumgeredet wird. So sollte der unangenehme Teil ganz am Anfang erfolgen, danach ist immer noch Zeit, Lob auszusprechen und persönliche Gedanken mitzuteilen. „Wenn es dem Chef Leid tut, den Mitarbeiter zu kündigen und er deswegen drei Nächte nicht schlafen konnte, sollte er dies auch sagen“, sagt der Experte Rossié.

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