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Konflikte mit Vorgesetzten So haben Sie trotz Chef Spaß an der Arbeit

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So geben Sie Ihrem Chef richtig Feedback

Grundsätzlich gilt: Konflikttrainer raten dazu, erst die eigene Sicht der Dinge zu schildern, dann zu sagen, welche Auswirkungen das Verhalten des Gegenübers hat und wie man sich damit fühlt. Dann sollte man nach der Sichtweise des anderen fragen – häufig versteht man Dinge nämlich ganz anders, als sie gemeint waren. Und gerade die Aussage eines Vorgesetzten beziehen Mitarbeiter in der Regel deutlich stärker auf sich, als die eines Kollegen.

Wenn Ihr Chef Sie fälschlicherweise eines Fehlers bezichtigt hat, Sie seiner Meinung nach mit einem Projekt trödeln oder er Ihnen wichtige Informationen für Ihr Projekt nicht oder zu spät mitgeteilt haben, sollten Sie Ihren Ärger nicht herunter schlucken. Bitten Sie um ein Vier-Augen-Gespräch. Dort können Sie Ärger und Enttäuschung klar benennen. Zum Beispiel so: „Ich verstehe, dass Sie sich ärgern. Auch ich hätte das Projekt gerne früher zum Abschluss gebracht.“ Oder: „Ich bin frustriert / enttäuscht, weil ...“

Wenn der Vorgesetzte nicht im pathologischen Sinne verrückt ist, wird er kaum mit der Kündigung wedeln, wenn eine solche Kritik sachlich vorgebracht wird.

So gehen Sie mit einem narzisstischen Chef am besten um

Schwierig wird es, wenn die gesamte Unternehmenskultur dafür steht, Fehler der Führungskräfte totzuschweigen. Laut der Studie "Einfluss des HR-Managements auf den Unternehmenserfolg" der Personalberatung Rochus Mummert, ist das aber leider in jeder vierten Firma der Fall.

Trotzdem: Auch wenn der Chef als nahezu unfehlbar gilt, muss man sich nicht alles gefallen lassen. Unerträgliche Situationen lassen sich schließlich auch im Kleinen verändern, wenn Kündigung keine Option ist. "Da sich die meisten Konflikte in Unternehmen an Fehlern entzünden, muss es erlaubt sein, auch die der Chefs zu thematisieren", sagt Hans Schlipat, Studienleiter und Managing Partner der RochusMummert-Gruppe. Belassen Sie es hier nicht bei Wünschen oder Bitten, sondern sagen Sie klar, was Sie erwarten und fordern.

Lass uns streiten, Chef

Nur: Die offene Kommunikation mit den Vorgesetzten pflegen lediglich 38 Prozent, wie die Orizon-Studie zeigt. Mehr als 60 Prozent haben Angst, ihrem Chef zu sagen, dass er sie nicht anschreien soll und dass sie nun wirklich gerne an der vor Jahren versprochenen Weiterbildungsmaßnahme teilnehmen wollen.

In Arbeit
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Die Angst davor, sich mit dem Vorgesetzten auseinanderzusetzen führt häufig zu der sogenannten sozialen Ansteckung. Man macht sich bei den Kollegen Luft über die unmögliche Type in der Führungsetage, die vergessen hat, Bescheid zu sagen, dass sich das Budget verändert hat. Den Verbündeten, bei denen man sich Luft macht, fällt bestimmt auch noch eine Geschichte ein und schon heizt sich die Stimmung auf. Das ist menschlich und nachvollziehbar, aber nicht hilfreich. Der Vorgesetzte merkt gar nicht, dass seine Angestellten unter seiner Schusseligkeit leiden. Und das Team nimmt die Vergesslichkeit des Chefs fortan als bösen Absicht wahr.

Je höher das Eskalationsniveau, desto schwieriger lässt sich ein Streit lösen. Haben sich die Mitarbeiter schon mehrere Wochen lang gegenseitig angestachelt, wie bösartig und ungerecht ihr Vorgesetzter ihnen gegenüber ist, ist die Atmosphäre vergiftet. Das macht ein klärendes Gespräch schwieriger. Am Anfang eines Konflikts lässt sich die Situation dagegen noch konstruktiv und ruhig lösen. Richtig problematisch wird es, wenn der Vorgesetzte wirklich der Auslöser eines Konfliktes ist, also sich tatsächlich im Ton vergriffen oder einen Mitarbeiter absichtlich übergangen hat. In dem Fall bleibt vielen nur der Weg über den Betriebsrat oder die Personalabteilung. Im Zweifelsfall muss ein externer Konfliktmanager das Problem lösen.

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