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Kooperation Teamarbeiter sind schlecht bezahlt, aber glücklich

Im Fußball sind die meisten Teamarbeiter gut bezahlt. In der Wirtschaft, zeigt eine aktuelle Studie, sieht das anders aus. Quelle: REUTERS

Verhaltensökonomen zeigen in einer aktuellen Studie: Wer kooperiert verdient zwar weniger, ist mit Job und Kollegen aber deutlich zufriedener.

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Fragt man die Jobvermittlungsplattform Stepstone, welche Softskills Bewerber mitbringen müssen, ist die Antwort eindeutig: Teamfähigkeit ist gefragt. Auch würde kaum ein Personaler behaupten, er stelle lieber Personen mit Ellenbogenmentalität denn einen versierten Teamplayer ein. Aber wie wirkt sich die vielgelobte Kooperationsfähigkeit auf das Gehalt jedes Einzelnen aus? Und was macht es mit dem eigenen Seelenheil, wenn ich statt Kooperation lieber den Einzelkämpfer gebe? 

Das wollten die Verhaltensökonomen Marvin Deversi, Martin Kocher und Christiane Schwieren herausfinden und untersuchten das Verhalten von fast 1000 Mitarbeiter eines großen, multinational agierenden Softwarehauses. Was sie fanden: Kooperative Mitarbeiter verdienen zwar weniger als ihre ellenbogenstarken Kollegen, sind dafür aber bedeutend zufriedener in ihrem Job. 

Für diese Erkenntnisse ließen die Forscher die Mitarbeiter zunächst in einem anonymen Online-Experiment antreten. Jeder Spieler erhielt einen Geldbetrag und konnte sich entscheiden, ob er diesen behält oder, vollständig oder teilweise, in einen gemeinsamen Topf gibt. Der Betrag im Topf wurde von den Forschern aufgestockt und unter allen Teilnehmern gleichmäßig aufgeteilt und ausgezahlt. 

Der Anreiz: Auch wenn ich meinen Geldbetrag für mich behalte, profitiere ich von der Kooperationsbereitschaft der anderen. „Es ergibt sich das klassische Problem des Trittbrettfahrens“, erklärt Studienautor Deversi. Durch das Verhalten der Mitarbeiter im experimentellen Umfeld konnten die Forscher einen ersten Eindruck von der Kooperationsbereitschaft der Studienteilnehmer erhalten. 

In einem zweiten Schritt verlinkten Deversi und seine Kollegen die Studienteilnehmer des Experiments anonymisiert mit deren Gehaltsprofil beim Unternehmen. So sahen die Forscher, wie sich das Gehalt der Studienteilnehmer in der Vergangenheit entwickelte. Was sie fanden: Wer sich im Labor kooperativ gezeigt hat, erhielt in der Vergangenheit Gehaltssteigerungen die 29 Prozent niedriger waren als die der egoistischen Kollegen. 

Doch das ist nur die eine Seite. Für die andere wurden alle Teilnehmer des Experiments zu ihrer Zufriedenheit im beruflichen Umfeld befragt. Hier zeigte sich: Wer kooperiert erfährt Wertschätzung, ist zufrieden mit Tätigkeit und den Kollegen. „Es scheint, als gäbe es eine finanzielle und nicht-finanzielle Entlohnung“, sagt Autor Deversi. Heißt im Klartext: Wer kooperiert verzichtet auf Gehalt, tauscht dieses aber gegen mehr Zufriedenheit im Job.

Doch lässt sich aus dem Verhalten in einem künstlichen, experimentellen Umfeld wirklich auf die Kooperation im beruflichen Umfeld schließen? Um das zu zeigen, machten sich die Studienautoren eine Besonderheit des Softwareunternehmens zunutze. Dieses betreibt seit einigen Jahren eine Art „Belobigungssystem“. Über dieses können sich Mitarbeiter gegenseitig für gute Kooperation auszeichnen und digitale Dankeskarten verschicken. Beim Zusammenführen der Daten zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang, so Autor Deversi; „Wer im Experiment kooperiert hat, wurde auch von Kollegen als kooperativ bewertet.“ Ergo: Die Ergebnisse aus dem Experiment lassen sich auf das Arbeitsumfeld übertragen.

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Als Treiber für kooperatives Verhalten vermuten die Autoren insbesondere einen Mix aus jüngeren und älteren Mitarbeitern in einem Team. „Eine Art Mentoring kann die Kooperationskultur fördern“, sagt Deversi. Allerdings sollte Firmen klar sein, dass teamfähige Mitarbeiter nicht automatisch der Schlüssel zum Unternehmenserfolg sind. Stattdessen sollten Personaler bei Stellenausschreibungen mehr darauf achten, den Wunsch nach Teamplayern nicht inflationär zu äußern. Denn auch wenn jeder von sich sagen würde, dass er ein Teamplayer sei brauchen Unternehmen auch internen Wettbewerb, so Deversi: „Eine Firma mit Mutter Theresa in jedem Büro ist wahrscheinlich nicht besonders produktiv.“

Mehr zum Thema: Wenn Kollegen sich für die Größten halten, obwohl sie eher mittelmäßig sind, ist das vor allem: nervig. Eine Typologie der Nichtskönner, Narzissten und Underperformer.

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