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Ländervergleich zum Gender Pay Gap Deshalb klappt Fair Pay in anderen Ländern besser als in Deutschland

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Island ist Weltmeister in Sachen fairer Bezahlung

Lehrreich ist auch ein Blick auf den kleinen Inselstaat Neuseeland: Das seit vergangenem August geltende Equal Pay Amendment Bill soll die geschlechtsspezifische Lohndiskriminierung in Branchen, die Frauen dominieren, bremsen. Mit dem neuen Gesetz wird die Bewertung von Arbeit – gerade in frauendominierten Tätigkeitsbereichen – neu aufgestellt, um die Unterbewertung dieser Tätigkeiten aufzuheben. Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen hat das Land seit 1998 halbiert: 2018 lag sie bei 9,3 Prozent. Im weltweiten Vergleich liegt Neuseeland damit auf dem 6. Platz. Doch in dem Inselsaat zeigt sich auch, dass es selbst innerhalb der weiblichen Belegschaften Gerechtigkeitslücken gibt: Frauen europäischer Herkunft verdienen – so das FPI– mehr als Frauen asiatischer Herkunft oder Maorifrauen, also die die Angehörigen der einheimischen Bevölkerung Neuseelands. Ein ähnliches Bild zeigt sich in den USA: Während Frauen asiatischer Herkunft dort zehn Prozent weniger als Männer verdienen, sind es bei Frauen hispanischer Herkunft im Durchschnitt knapp die Hälfte.

Weltmeister in Sachen fairer Bezahlung ist Island, verkündete das Weltwirtschaftsforum 2018. In keinem anderen Land schrumpft die Lohnlücke derart schnell, wie das FPI bestätigt. Im Gegensatz zum benachbarten Norwegen, wo Entgelttransparenz gewährleistet wird, indem die Einkommenshöhe der Beschäftigten für andere einsehbar ist, liegt es in Island bei den Unternehmen, für faire Bezahlung zu sorgen. Dies erhöhe laut dem FPI den Druck auf die Unternehmensführung – und sorge dafür, dass die Lohnlücke geschlossen wird.

Auch in der Frage, wie leicht es ist, einen Job zu finden, haben die Geschlechter fast gleiche Chancen: 79 Prozent der Frauen und 86 Prozent der Männer sind berufstätig. Frauen arbeiten vor allem im öffentlichen Dienst und im Dienstleistungssektor, Männer eher in der Technologie- und Agrarindustrie. Nach einer Anpassung der gesetzlichen Elternzeitregelung im Jahr 2000 gehen inzwischen neun von zehn Vätern in Elternzeit. Mit der Reform wurde zum einen der Anreiz für Frauen geschaffen, Elternzeiten zu verkürzen. Zum anderen ermunterte die Einführung der Partnermonate vor allem Männer, in Elternzeit zu gehen. Jährlich steigt die Anzahl der Väter in Elternzeit. Die Aufteilung von Elternzeit und Elterngeld ist möglich, dennoch nehmen Frauen im Durchschnitt wesentlich längere Auszeiten als Männer.

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Die Frage, wie schwer es für Frauen ist, Karriere zu machen, entscheidet am Ende darüber, wie viel weniger sie verdienen. „In Ländern wie Italien oder Malta ist der Gender Pay nur so gering, weil Frauen gar nicht mehr am Arbeitsmarkt teilnehmen, sobald Kinder auf der Welt sind“, sagt von Platen. Deshalb würden diese gar nicht erst in den Statistiken auftauchen. So bedeutet eine geringe Lohnlücke nicht unbedingt mehr Gleichstellung der Geschlechter. Vielmehr kann eine kleine Kluft die Folge einer geringeren Erwerbsbeteiligung von Frauen sein. Zwei von drei Frauen sind laut dem Statistischen Bundesamt in der EU erwerbstätig. Die Lohnunterschiede scheinen jedoch einen Zusammenhang mit der Beteiligung auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Frauen in Ländern mit geringen Lohnunterschieden haben eine niedrigere Beschäftigungsquote als Männer, wie aus den aktuellsten Daten des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE) hervorgeht. So beträgt in Italien zum Beispiel der Unterschied fünf Prozent, während die Beschäftigungsquote für Frauen bei etwa 53 Prozent gegenüber 73 Prozent für Männer liegt. Und auch in Rumänien liegt der Abstand bei 3,5 Prozent, obwohl gerade Mal 61 Prozent der Frauen arbeiten, verglichen mit 79 Prozent der Männer. In Deutschland und Estland hingegen ist die Beschäftigungsquote von Frauen höher und dafür die Lücke größer: In beiden Ländern beträgt die Beschäftigungsquote der Frauen etwa 76 Prozent, während 84 Prozent der Männer arbeiten.

In einigen Ländern lassen sich aber auch die Unterschiede im Gehalt durch das Bildungsniveau erklären. Eine höhere Bildung ist mit höheren Löhnen verbunden. So wie in Rumänien: Dort beträgt der Anteil hochqualifizierter beschäftigter Frauen 86,4 Prozent. Deshalb steigt das Durchschnittsgehalt und liegt dadurch tatsächlich nah am Lohn der Männer.

Mehr zum Thema: Die Corona-Krise trifft Frauen, die sich vor wenigen Jahren selbstständig gemacht haben, besonders hart.

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