Langzeitstudie Unfaire Löhne machen Frauen eher krank als Männer

Unfaire Löhne belasten die Gesundheit von Frauen stärker als die von Männern. Quelle: dpa

Frauen, die über eine längere Zeit hinweg unzufrieden mit ihrem Einkommen sind, erkranken häufiger an Stresserkrankungen, zeigt eine neue Langzeitstudie.

Wer unzufrieden mit seinem Gehalt ist, bei dem steigt das Risiko an Depressionen, Diabetes oder Herzproblemen zu erkranken stark an – zumindest bei Frauen. Was ungewöhnlich klingt, belegt nun eine Studie der Hochschule Ravensburg-Weingarten. Die Analyse basiert auf Daten der für Deutschland repräsentativen Langzeitstudie des Sozio-oekonomischen Panels am DIW Berlin und wurde vor Kurzem in der Fachzeitschrift "Das Gesundheitswesen" veröffentlicht.

Dafür wurden die Daten von 5657 erwerbstätigen Männern und Frauen, die zwischen 2005 und 2013 immer wieder befragt wurden, ausgewertet. Sie enthielten unter anderem Auskünfte darüber, welche Einkommenshöhe die Studienteilnehmer als gerecht einschätzen würden und ob ein Arzt bei ihnen eine stressassoziierte Erkrankung diagnostiziert hat. Dazu zählen Erkrankungen wie Depressionen, Diabetes mellitus, Herzprobleme, Asthma und Bluthochdruck.

Das Ergebnis: Je länger die Befragten ihre Einkommenssituation als ungerecht bewerteten, desto häufiger wurde bei ihnen eine stressassoziierte Erkrankung diagnostiziert. Bei Frauen war dieser Zusammenhang noch einmal deutlich ausgeprägter als bei Männern. „Das größte Risiko, an einer stressassoziierten Krankheit zu erkranken, besteht für Frauen, die in Vollzeit arbeiten und sich dauerhaft ungerecht entlohnt fühlen“, sagt Sozialwissenschaftlerin und Studien-Autorin Claudia Boscher.

Schon wenn diese Frauen ihr Einkommen im Laufe der SOEP-Befragung nur einmal als ungerecht bewerteten, sei die Wahrscheinlichkeit, dass sie im anschließenden Untersuchungszeitraum die Diagnose einer Stresskrankheit angaben, signifikant höher gewesen als bei Frauen, die ihr Einkommen dauerhaft als gerecht empfunden hatten.

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland und wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Ländern gefördert.

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