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Leidige Floskeln Arbeitszeugnisse sind ein überflüssiges Ärgernis

"Stets zur vollsten Zufriedenheit" und andere verpflichtende Lobhudelei: Arbeitszeugnisse sagen nichts mehr aus und ärgern Mitarbeiter, Personaler und Führungskräfte gleichermaßen. Ein Plädoyer für die Abschaffung.

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So muss ein gutes Arbeitszeugnis aussehen
Jeder Arbeitnehmer hat einen Rechtsanspruch auf ein Arbeitszeugnis. Quelle: imago images
Arbeitszeugnisse sind meist ähnlich aufgebaut. Quelle: Fotolia
Fordert ein Arbeitnehmer eine sehr gute Bewertung im Arbeitszeugnis, muss sein Vortrag beim Arbeitgeber klar machen, dass er eine nicht mehr steigerungsfähige Bestleistung erbracht hat. Quelle: imago images
Das Arbeitszeugnis muss auf den letzten Tag des Arbeitsverhältnisses ausgestellt werden. Quelle: Fotolia
Auch für das Aussehen eines Arbeitszeugnisses gibt es verbindliche Regeln Quelle: imago images
Außerdem muss jedes Arbeitszeugnis vom Arbeitgeber oder einem Personalverantwortlichen handschriftlich unterschrieben werden. Quelle: imago images
Wenn Arbeitnehmer und -geber einen Aufhebungsvertrag verhandeln, sollte der Arbeitnehmer in die Zeugnisklausel schreiben lassen, dass das Zeugnis eine Schluss-, Dankes- oder Bedauernsformel enthält. Quelle: imago images

In ein deutsches Standardarbeitszeugnis gehört die Formulierung "stets zur vollsten Zufriedenheit" - und zwar unabhängig von der Leistung des bewerteten Mitarbeiters. "Ausländer halten das deutsche Gewese um Arbeitszeugnisse immer erst mal für einen Witz", erzählt Arbeitsrechtler Boris Dzida von Freshfields. International üblich seien nur ganz kurze Zeugnisse, die sich auf die Fakten beschränken. Da wird die Funktion beschrieben und allenfalls ein Satz zu der Person geschrieben. Der sei aber "nie so hochjubelnd, wie es hierzulande selbstverständlich geworden ist".

Die Folge: Jeder Mitarbeiter achtet darauf, dass um Himmels willen die Floskel "stets zur vollsten Zufriedenheit" in seinem Zeugnis auftaucht. Alles andere wird als inakzeptabel und kaum vorzeigbar empfunden. Entsprechend nimmt kaum ein Personaler diese Formel-Bewertungen noch ernst, wie Dzida berichtet.

Kennen Sie die Bedeutung folgender Floskeln?

Wichtig sind die Zeugnisse aber trotzdem: "Wer sie nicht vorweisen kann, dem schadet´s – wer sie hat, dem nützen sie dennoch wenig." Trotzdem haben alle Ärger mit dem Zeugnis: Den Mitarbeitern dauert es zu lange, bis es fertig ist, die HR-Verantwortlichen geraten unter Druck. "Kaum sollen Personalabteilungen das Papier schneller als in einem Monat fertig machen, kommen sie ins Japsen."


Was Personaler und Vorgesetzte nervt

Die Freiburger Haufe-Gruppe wollte es genau wissen und hat Personaler sowie Führungskräfte in über 400 Unternehmen mit 250 Mitarbeitern und weiteren gut 200 Zeugnisempfängern befragt. Das Fazit: dank wochenlanger Wartezeiten, falscher Job-Beschreibungen oder gar unzulässiger Formulierungen sind 81 Prozent der Personaler auf Arbeitszeugnisse schlecht zu sprechen. Bei den Führungskräften sind es sogar 86 Prozent: Sie fühlen sich sogar mit den Formulierungen und Abstimmungen überfordert.

Pro Zeugnis wendet die Hälfte der befragten Mitglieder von Personalabteilungen mehr als eine Stunde auf, rund ein Viertel sogar mehr als drei Stunden. Die Vorgesetzten benötigen – obendrauf – nochmal so viel Zeit. Der Abstimmungsprozess zwischen Personalabteilung und Führungskräften läuft überwiegend über die klassischen Kanäle wie Hauspost, Mail oder Telefon und ist daher aufwändig, zeitraubend und fehleranfällig. Vorgesetzte (31 Prozent) wie Personaler (44 Prozent) werfen sich gegenseitig vor, die Zeugnisse zu lange auf dem Tisch liegen zu lassen.

Was ein gutes und ein schlechtes Zeugnis ausmacht


Nur 18 Prozent der befragten Personaler fühlen sich sicher, was die rechtliche Korrektheit der Zeugnistexte und der Bewertungen angeht. Dramatischer klingt diese Zahl: 82 Prozent sind unsicher beim Zeugnis-Formulieren. Mehr als ein Drittel der Personaler hat keinen Überblick über den aktuellen Stand der Zeugnisse im Unternehmen.

Immerhin 60 Prozent der befragten Personaler und 47 Prozent der Führungskräfte wünschen sich allgemein mehr Hilfestellung beim Zeugniserstellen. 15 Prozent nutzen spezielle Zeugnismanagement-Programme. Und trotzdem kommt oft nur Murks heraus:

In Arbeit
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  • Über die Hälfte der Mitarbeiter müssen einen Monat und länger auf ihr Zeugnis warten.
  • Bei mehr als jedem zweiten Angestellten (53 Prozent) ist das Zeugnis unvollständig. In 46 Prozent der Fälle ist die Tätigkeitsbeschreibung sogar falsch: Meist fehlen Aufgaben und Tätigkeitsbereiche (46 Prozent).
  • Ebenso viele Mitarbeiter (46 Prozent) wurden gar nicht gefragt, als das Unternehmen die Tätigkeitsbeschreibung vornahm.
  • Jeder zweite muss sich über die Wartezeit beschweren (52 Prozent).

Laut Bernhard Muenster, Studienverantwortlicher bei Haufe, entstehen solche Pannen, weil 40 Prozent der Vorgesetzten schlicht zu viel zu tun haben, um sich noch um Zeugnisse zu kümmern. Und bei 22 Prozent der Fälle werden sich Personalabteilung und Führungskraft schlicht nicht einig, was denn nun im Zeugnis stehen soll.

"Die Verantwortung für die richtige und vollständige Tätigkeitsbeschreibung und Leistungsbewertung der Mitarbeiter liegt überwiegend bei den Führungskräften, diese fühlen sich dadurch jedoch überfordert", sagt Muenster. "Gleichzeitig funktioniert die Abstimmung zwischen Linie, Personalabteilung und Mitarbeitern nicht so, wie sie sollte."

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