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Liebe am Arbeitsplatz „Eine normale Liebesbeziehung darf man haben“

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„Es gibt ein Machtgefälle zwischen Männern und Frauen“

Sind Beziehungen am Arbeitsplatz ein häufiger Grund für arbeitsrechtliche Konflikte in Deutschland?
Auf meine Erfahrung zurückgreifend: Das kommt nicht allzu oft vor. Es gibt Fälle von Belästigung, manchmal auch, wenn man mal eine Beziehung hatte und einer noch nicht versteht, dass sie vorbei ist. Der strategische Einkäufer, der mit einer Lieferantin zu tun hatte – den hatte ich tatsächlich mal selbst. Aber die Streitfälle sind nicht so häufig. Was es immer mal wieder gibt, sind Ehegatten-Arbeitsverhältnisse. Wenn dann die Ehe auseinandergeht, ist auch das Arbeitsverhältnis betroffen. Die klassische Weihnachtsfeier gibt es natürlich, anlässlich derer jemand über die Stränge schlägt. Aber sonst ist das kein wirklich arbeitsrechtliches Problem.

Was ist mit Kollegen, die vermuten, dass jemand wegen einer persönlichen Beziehung bevorzugt wird?
Das gibt es wahrscheinlich gefühlt Drei Millionen Mal am Tag. Aber daraus ergeben sich in der Regel keine rechtlichen Auseinandersetzungen, sondern es beeinträchtigt das soziale Miteinander am Arbeitsplatz.

Aber Flurfunk beeinflusst ja auch das Klima in einer Firma.
Natürlich.

Da sagt vielleicht die Geschäftsführung: Das wird uns zu viel, sogar wenn das Paar seine Beziehung gar nicht offensiv nach außen getragen hat. Gibt es da eine Handhabe?
Keine rechtliche. Dann ist man da, wo man immer ist als Arbeitgeber, wenn man keinen Kündigungsgrund findet – man versucht, es anders zu lösen.

Und wenn Betroffene das Gefühl haben, wegen einer Beziehung Repressalien ausgesetzt zu sein?
Subjektive Empfindungen lassen sich mit rechtlichen Mitteln nur selten bewältigen. Das ist beim Mobbing oft ähnlich. Wir können uns mit rechtlichen Mitteln dagegen wehren, dass eine Versetzung vorgenommen wird, die nicht gerechtfertigt ist. Oder dass jemandem gekündigt wird, ohne dass ein Grund vorliegt. Aber wir können nicht mit Rechtsmitteln das Betriebsklima verbessern oder Meinungen über andere Menschen besser machen. In dem sozialen Bereich können Sie ein Coaching oder eine Mediation machen, wenn die Bereitschaft besteht. Aber das ist nichts, wo Sie mit Rechtsmitteln irgendetwas bewirken.

Aufgrund der Geschlechterverteilung sind Frauen immer noch tendenziell in der schwächeren Position. Können sie sich am Anfang einer Beziehung mit einem höhergestellten Kollegen trotz des Überschwangs der Gefühle irgendwie absichern?
Sie sprechen völlig zu Recht dieses Machtgefälle an. Das haben wir. Das haben wir nicht nur bei persönlichen Verhältnissen, sondern generell zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern. Wenn der Vorgesetzte den Mitarbeiter nicht mehr haben möchte – weil er keine Lust mehr hat, die Affäre fortzuführen, oder weil er ihn unsympathisch findet – dann wird in der Praxis häufig der Vorgesetzte gewinnen, Kündigungsgrund hin oder her. Wenn wir die klassische Situation haben „Junge Frau lässt sich mit erfolgreichem Kollegen ein, Affäre geht zu Ende“ – dann wird möglicherweise auch das Arbeitsverhältnis gefährdet sein.

Angenommen, man hat die Beziehung geheim gehalten. Ist es im Fall der Trennung dann vorsorglich vielleicht ratsam, den Fakt jemandem mitzuteilen, beispielsweise dem Betriebsrat, um sich gegen mögliche negative Folgen abzusichern?
Aber das hilft Ihnen ja nicht weiter. Dann kann man unterstellen „Er hat mich rausgeworfen, weil er mich nicht mehr sehen wollte“. Und dann sagt er „Das stimmt nicht. Ich habe sie rausgeworfen, weil die Leistung nachgelassen hat“. Da gibt es nichts, wovor man sich schützen kann.

Muss man sich also als Partner in der schwächeren Position bewusst sein, dass man mit einer Beziehung ein Risiko für die Karriere eingeht?
Man kann es jedenfalls nicht ausschließen. Mit Sicherheit gibt es eine Vielzahl von Fällen, in denen es gutgegangen ist. Aber die Möglichkeit besteht natürlich.

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