WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

LinkedIn-Umfrage Väter fürchten Elternzeit als Karrierekiller – zu Unrecht

Immer häufiger zu sehen, aber statistisch noch nicht die Regel: Vater in Elternzeit mit Kleinkind. Quelle: dpa

Männer meiden Elternzeit, weil sie sich um ihre Karriere sorgen. Eine neue Studie zeigt aber auch: Die Befürchtung ist unbegründet. Dennoch gibt es bei Unternehmen großen Nachholbedarf in Sachen Familienfreundlichkeit.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

In ihren Wünschen, wie viel Zeit sie dem Job und wie viel der Familie widmen, liegen Männern und Frauen gar nicht so weit auseinander. Nur wenn es darum geht, dies auch im Alltag umzusetzen, wird die Kluft zwischen beiden Geschlechtern deutlich: So würden 74 Prozent der Eltern (dabei 69 Prozent der Männer und 79 Prozent der Frauen) in Deutschland nach der Geburt eines Kindes gerne beide möglichst lange in Elternzeit gehen. In der Realität sind es aber 91 Prozent der Mütter, die den längsten Teil der Elternmonate in Anspruch nehmen. Die Väter scheuen sich weiterhin, bei ihrem Arbeitgeber nach einer längeren Elternzeit zu fragen. 

Das geht aus einer Umfrage im Auftrag von LinkedIn hervor, für die das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Januar rund 1000 Männer und Frauen mit Kindern unter zwölf Jahren befragt hat. Damit hat sich bei der Aufteilung der insgesamt 14 Monate Elternzeit pro Elternpaar wenig geändert – im Durchschnitt nehmen Väter drei Monate Elternzeit, Mütter elf. 76 Prozent der Frauen widmen sich in den maximal möglichen zwölf Monaten dem Nachwuchs, ihre Partner in den restlichen zwei Monaten, die ohne Inanspruchnahme verfallen würden.

Die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit hat Gründe, an denen Unternehmen im Kampf um junge Talente gezielt ansetzen können. Zementiert wird die Aufteilung der Erziehungszeit nämlich vor allem durch das Gehaltsgefälle zwischen Männern und Frauen – und tief verankerte Rollenbilder. So geben mehr als die Hälfte der Eltern an, die gewählte Aufteilung der Elternzeit habe finanzielle Gründe – der Mann verdiene mehr Geld. 53 Prozent der Männer und 56 Prozent der Frauen argumentieren so. 30 Prozent der Väter sagen außerdem, sie hätten es schwerer, bei ihrem Arbeitgeber eine längere Elternzeit zu begründen. 31 Prozent der Mütter pflichten dieser Einschätzung bei.

Unternehmen – aber auch Arbeitnehmer – sind also doppelt gefragt: Zum einen zeigt das Ergebnis der Befragung, dass Frauen besser bezahlt werden müssen, damit Paare mehr Freiheit bei der Wahl der Elternzeit haben. Hier müssten Unternehmen sich selbst überprüfen, ob sie für vergleichbare Arbeit wirklich gleichen Lohn zahlen. Wie der Gesetzgeber dabei helfen kann, zeigt zum Beispiel ein Blick nach Island, wo es die Regierung geschafft hat, den Gender Pay Gap zu senken. 

Frauen müssen besser verhandeln

Andererseits ist es auch an den Frauen, nachdrücklicher nach mehr Gehalt zu fragen und nicht ohne Not in schlechter bezahlte Teilzeit zu gehen, wenn sie noch Kinder bekommen wollen. So erhalten sie nicht nur ein entsprechend höheres Elterngeld, sondern haben auch bessere Argumente, wenn sie mit dem Partner über die Auszeit sprechen. Neben der tatsächlichen Ungleichbehandlung in manchen Branchen und Bereichen ist es häufig diese Kombination aus weniger forschem Auftreten, Teilzeit und langen Elternzeiten, durch die die Gehaltsentwicklung von Frauen gegenüber der vom Partner auf der Strecke bleibt.

Auch die Väter können etwas an der Situation ändern: Je mehr von ihnen Elternzeit nehmen – und das auch länger als zwei Monate – desto etablierter wird die Praxis in Unternehmen, desto schneller ändert sich die Unternehmenskultur dahin, dass auch Männer mal länger weg sein können. Die Zeiten sind günstig, Arbeitgeber hier mehr in die Pflicht zu nehmen: Durch den Fachkräftemangel sind Unternehmen zurzeit bereit, mehr für ihre jüngeren Angestellten zu tun – auch in puncto Familienfreundlichkeit. Diverse Studien, so auch die nun von LinkedIn erstellte Befragung, haben darüber hinaus gezeigt, dass sich Elternzeit bei Männern nicht negativ auf die weitere Karriere auswirkt.

Doch aus diese Umfrage zeigt, dass Unternehmen großen Nachholbedarf bei Familienfreundlichkeit haben. Dazu zählen etwa Maßnahmen zur zeitlichen Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Zuschüsse zur vielerorts teuren Ganztags-Kinderbetreuung, Ferienbetreuung und mehr. Nur 41 Prozent der Väter und 45 Prozent der Mütter bezeichnen ihr Unternehmen derzeit als familienfreundlich. „Letztendlich ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht nur aus gesellschaftlichen Gründen wünschenswert, sondern für Unternehmen auch von wirtschaftlichem Vorteil“, sagt Barbara Wittman, die bei LinkedIn das Geschäft in Deutschland, Österreich und die Schweiz verantwortet. „Unternehmen, die sich um eine familienfreundliche Kultur bemühen, können sich im immer stärker werdenden Kampf um Talente vorteilhaft positionieren.“

Doch während Maßnahmen wie flexible Arbeitszeitmodelle noch relativ häufig die nötige Aufmerksamkeit erhalten (65 Prozent), hat nur jeder Zweite die Möglichkeit im Home-Office zu arbeiten und nur 38 Prozent der befragten Eltern können sich über Kinderbetreuungszuschüsse freuen. Um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können, halten es 78 Prozent der befragten Eltern für notwendig, dass Arbeitgeber aktiver werden und weitere Maßnahmen ergreifen.

Ist mein Unternehmen familienfreundlich?

Bin ich ein familienfreundlicher Arbeitgeber?

Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%