Lohntransparenz Warum Sie mit Kollegen nicht übers Gehalt reden sollten

Mit wem tausche ich mich über mein Gehalt aus? Quelle: Getty Images

Dass die Kollegen untereinander wissen, was der andere verdient, ist eher die Ausnahme als die Regel. Über ihre Gehälter wollen viele Deutsche grundsätzlich nicht mit Kollegen reden. Zu Recht!

Die Deutschen rücken auf der Arbeit immer weiter zusammen. In viele Unternehmen sind die Kollegen längst ganz selbstverständlich per Du. In der Mittagspause gehen sie gemeinsam in die Kantine oder zum Italiener um die Ecke und plauschen über die nervigen Arbeitsbedingungen, den letzten Urlaub oder Hobbys und Familie.

Nur ein Thema meiden sie: das Gehalt. Offen über ihre Gehälter zu reden, das widerstrebt den meisten noch immer.

Der Wirtschaftspsychologe Florian Becker begründet das mit der Philosophie hierzulande: „In Deutschland ist Gleichheit ein besonders wichtiger Begriff“, sagt Becker, der Gründungsmitglied der Wirtschaftspsychologischen Gesellschaft in München ist. „Wenn jemand hierzulande das Gefühl hat, er habe weniger als der andere – nimmt er das besonders sensibel auf. Denn wir frönen eigentlich dem Gedanken, dass alle gleich sein sollten.“

Die große Diskussion in den vergangenen Jahren über Managergehälter und Boni sei symptomatisch dafür, findet Becker: „Managergehälter interessieren in den USA beispielsweise niemanden – in Deutschland sind sie ein riesiges Thema, weil es hierzulande einen starken egalitären Gedanken gibt.“ Das sei auch der Grund, warum es beim Thema Geld schneller zu Zerwürfnissen komme, als in anderen Ländern.

Genau aus diesem Grund hält der Wirtschaftspsychologe zu viel Offenheit für falsch. „Es ist hierzulande nicht besonders schlau offen über sein Gehalt zu reden – es sei denn Sie sind benachteiligt“, rät Becker. Vor allem zu betonen, dass das eigene Gehalt vielleicht sogar höher ist, als das des Fragenden – keine gute Idee.

Diese Faktoren beeinflussen Ihr Gehalt
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Einem Mann kommt Rauch aus den Ohren (Symbolbild) Quelle: Fotolia

Gedanken an Geld vergiften die Atmosphäre

Also Schweigen oder doch drüber reden? Manche fühlen sich zum Schweigen sogar verpflichtet – steht doch in ihren Arbeitsverträgen eine sogenannte Schweigeklausel, die besagt, dass sie mit ihren Kollegen überhaupt nicht über ihren Verdienst reden dürfen. Der Gesetzgeber ist hier aber ziemlich eindeutig: Das Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern in Rostock (Az.: 2 Sa 237/09) urteilte bereits 2011, dass eine solche Klausel im Arbeitsvertrag unwirksam ist. Als Ausnahmen gelten lediglich große Gehälter, deren Bekanntwerden die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens gefährden könnten. Diese fallen unter das Betriebsgeheimnis, entschied einst das Bundesarbeitsgericht (Az.: 6 ABR 46/84). Das heißt, grundsätzlich haben die meisten Angestellten also das Recht mit ihren Kollegen ganz offen über ihre Löhne zu sprechen. Trotzdem tut es kaum jemand.

In vielen Branchen, herrsche durch Tarifverträge ohnehin eine klare Gehaltsstruktur und damit automatisch eine gewisse Transparenz, sagt Becker. „Dann ist der Austausch übers Gehalt überhaupt kein Problem. Im Gegenteil: Die Kollegen können sich Tipps über verschiedene Optionen geben.“

Schwierig werde es erst, wenn Transparenz dort entstehe, wo die Gehälter sich augenscheinlich nicht an klaren Regeln orientieren.

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