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Machtwechsel So reagieren Sie auf einen neuen Chef

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Anbieten, nicht anbiedern

20 Lektionen von schlechten Chefs
1. Jeder im Team ist wichtig. Niemand verdient schlechte Behandlung. Knoblauch bezieht sich in seinem Buch auf den ehemaligen Topmanager Michael Hyatt, der sagt: Ja, man kann auch von schlechten Chefs etwas lernen. „Damals habe ich es gehasst, für sie zu arbeiten, aber heute möchte ich die Lernerfahrung nicht missen.“ Der Kontrast habe ihm gezeigt, wie man es richtig macht. Quelle: AP
2. Mit ihrer Einstellung und ihrem Verhalten schaffen Vorgesetzte ein emotionales Klima. Denn: Jeder Chef kann in seinem Team nur so viel Begeisterung wecken, wie er selbst von seiner Arbeit begeistert ist. Und wo nur mit halber Kraft gearbeitet wird, ist das Unternehmen langfristig in Gefahr. Quelle: dpa
3. Je weiter du aufsteigst, desto mehr versuchen die Leute, aus allen deinen Worten und Taten etwas "herauszulesen". Während die Vermutungen nach unten durchsickern, wird ihnen immer mehr Bedeutung beigemessen. Quelle: dpa
4. Ein aufmunterndes Wort kann einem Mitarbeiter die ganze Woche retten. Umgekehrt kann ein barsches Wort sie ruinieren. Quelle: dpa
5. Stelle die richtigen Leute ein und dann habe Vertrauen, dass sie ihren Job erledigen. Quelle: dpa
6. Stelle niemals Menschen absichtlich vor ihrem Chef, ihren Kollegen oder ihren direkten Untergebenen bloß. Quelle: AP
7. Greife niemanden persönlich an. Nimm stattdessen die Leistung in den Blick. Quelle: dpa

Oft ist der alte Chef schon weg, ein neuer aber noch nicht im Amt. Diese Übergangszeit wird oft als Machtvakuum empfunden. Mitarbeiter sollten jetzt besonders wachsam sein und – je nach persönlichem Karriereziel –  beherzt zugreifen, wenn sich die Chance für wichtige Aufgaben bietet.

Ein guter Kontakt zum Interimschef oder Übergangschef der nächsthöheren Hierarchieebene kann Türen öffnen. „Der Interimschef hat ja auch dann noch eine Funktion, wenn ein neuer Chef gefunden ist. Von oben als Leistungsträger identifiziert zu werden, schadet nie“, sagt Diplom-Psychologe Hesse.

Abwarten und beobachten

Doch was in der Übergangszeit galt, kann hinfällig werden, sobald ein neuer Chef gefunden ist. Mit seinem Start beginnt eine neue Ära. Für die ersten Tage empfiehlt sich: abwarten und beobachten.

Was für ein Typ Mensch der Neue ist, wie er die Zusammenarbeit handhabt, muss sich erst zeigen. Der Chef ist hier in der Bring-Schuld, er sollte auf die Mitarbeiter zugehen und etwa zu persönlichen Kennenlern-Gesprächen einladen.

„Wer dem neuen Vorgesetzten sofort auf den Schoß springt, macht sich extrem verdächtig“, sagt Jürgen Hesse. Wer sich anbiete, aber nicht anbiedere, könne den ersten Eindruck positiv erscheinen lassen. Dieser entstehe allerdings nicht nur durch Worte, sondern vor allem auch durch Körpersignale, sagt Caroline Krüll. „Ob man sich mag oder nicht, entscheidet sich innerhalb von 150 Millisekunden. Ein freundlicher Ton und offene Körpersprache sind hier ausschlaggebend.“

Kurz vorstellen

Da Chefs gerade am Anfang alles andere als Nervensägen oder Zeiträuber gebrauchen können, empfiehlt Krüll für die erste Begegnung, sich kurz und aussagekräftig vorzustellen.

Zum Beispiel: „Guten Tag, mein Name ist Erika Meier. Ich arbeite seit fünf Jahren in der Abteilung und bin für die technische Planung zuständig.“ Der Chef erhalte so in kürzester Zeit alle Informationen, die für ihn zum Start wichtig seien. Und das ebnet den Weg für alle folgenden Begegnungen.

Eine solche ist zum Beispiel das persönliche Kennenlern-Gespräch, das üblicherweise innerhalb der ersten zwei bis vier Wochen stattfindet. Die Initiative für dieses erste längere Gespräch sollte immer vom Chef ausgehen. „Wer noch keine Einladung bekommen hat, obwohl alle anderen schon vorgesprochen haben, darf aber ruhig sein Interesse an einem solchen Begegnung anbieten“, sagt Hesse. Als Vorbereitung sollten sich Mitarbeiter einige Sätze zurechtlegen, welche die persönliche Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart schnell verdeutlichen. „Das ist vergleichbar mit einer Mini-Bewerbung“, so Hesse. „Es geht darum, Kompetenz und Persönlichkeit zu beweisen.“

Typischer Verlauf eines ersten Chef-Mitarbeiter-Gesprächs: Man beschreibt, wo man bereits gearbeitet oder die Ausbildung absolviert hat, welche Projekte erfolgreich abgeschlossen wurden, wo aktuelle Schwerpunkte liegen und empfiehlt sich für höhere Aufgaben in der Zukunft. „Zeigen Sie sich von Ihrer Schokoladenseite“, rät Jürgen Hesse, „eine ehrliche Einschätzung Ihrer Schwächen ist hier nicht gefragt.“

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