Manager als Künstler "Machen Sie Ihr eigenes Ding"

Für Manager gilt: eigene Ideen wagen statt auf Konformität setzen. Psychologe und Coach Roland Geschwill erklärt, was Manager von Künstlern wie Miles Davis lernen können und wie sie mit Kreativen im Team umgehen sollten.

Miles Davis Quelle: CC-BY

WirtschaftsWoche Online: Herr Geschwill, wer ist Ihr Lieblingskünstler?
Roland Geschwill: Miles Davis,  legendärer Jazz-Trompeter und Komponist.

Sie sagen, Manager können von Künstlern lernen. Was können sich denn gestandene Führungspersönlichkeiten von Miles Davis abgucken?
Miles Davis zeichnete im Wesentlichen aus, dass er sein eigenes Ding machte. Wissen Sie, Jazz war in den Fünfzigerjahren eine sehr tradierte Musikrichtung und Davis hat ihn anschließend gleich dreimal revolutioniert. Vom klassischen Jazz zum Cool Jazz, der auf Improvisation beruhte. Dann hat er Elektronikelemente eingebaut. Und in den Achtzigerjahren den Jazz Richtung Pop weiterentwickelt.

Roland Geschwill Quelle: PR

Und was genau hilft das jetzt Managern?
Wir leben in einer Zeit der Umbrüche und dessen sollten sich die Manager bewusst werden. Es bringt ihnen nichts auf Konformität zu setzen, sie müssen neue, eigene  Ideen durchsetzen. Allianzchef Oliver Bäte zum Beispiel will eine neue Versicherungs-App auf den deutschen Markt bringen, die in Indien entwickelt wurde. Bei einem Autounfall macht der Kunde ein Foto vom Schaden, das sofort bei der Versicherung eingeht und als Grundlage des Gutachtens dient. Das würde Bürokratieabbau und Schnelligkeit bedeuten. Damit macht man sich im allerdings hierzulande im Konzern nicht nur Freunde. Miles Davis würde darauf wenig Rücksicht nehmen. Wenn die Idee gut war, setzte er sie um.

Aber ist es nicht auch Aufgabe der Top-Manager verschiedene Interessen auszuloten und dann zusammenzubringen?
Ja, natürlich. Aber es geht darum, dass die Manager ihre etablierten Denkmuster aufbrechen,  Visionen entwickeln. Meistens sind sie operativ sehr eingebunden. Manager müssen sich die Zeit nehmen über die großen, strategischen Herausforderungen nachzudenken. Künstler haben große Entwürfe, Manager brauchen sie.

Manager verraten ihr Erfolgsgeheimnis
James Dyson, Designer, Erfinder und Gründer des Unternehmens Dyson"Ich liebe Fehlschläge. Aufgegeben habe ich nie. In den 1980er Jahren habe ich in meiner Werkstatt an 5126 Staubsauger-Prototypen getüftelt, die alle nicht funktionierten. Aber Nummer 5127 tat, was er sollte. Der Erfolg von Dyson geht zurück auf den einzigartigen Pioniergeist und außergewöhnlichen Einsatz aller meiner Ingenieure."
Simone Frömming, Deutschland-Chefin von VMware, einem der Top-Ten-Softwareproduzenten"Über Nacht zur Führungskraft? Bei mir war das genau der Fall! Bei einem Vortrag zum Thema "Go-To-Market im Softwarevertrieb" konnte ich meinen damaligen Geschäftsführer derart überzeugen, dass er mich von heute auf morgen befördert hat. Alle meine Ideen waren recht unpolitisch und leidenschaftlich - aber dafür stets zielorientiert. Als Account Managerin hätte ich damals nie gedacht, dass ein einzelner Vortrag der Wendepunkt meiner ganzen Karriere sein kann. Nach einem ersten sprachlosen Moment hat mich dieses Angebot aber darin bestätigt, Dinge auch entgegen der gängigen Meinung anzusprechen und verändern zu wollen. Eine wichtige Eigenschaft in der IT-Branche, in der jeden Tag aufs Neue ein Wettrennen um aufregende Ideen ausgetragen wird. Und letztlich auch eine Eigenschaft, die mich dahin gebracht hat, wo ich heute stehe."
Eckart von Hirschhausen, Moderator und Kabarettist, gelernter Mediziner"1997 wurde ich von einem Radiosender engagiert für eine Tour durch Kinderkrankenhäuser. In der Kinderpsychiatrie in München machte ich eine Zaubershow. Alle Kinder wurden involviert, mussten laut zählen, pusten und mitmachen. Nach der Show kam ein Arzt auf mich zu und erzählte von einem kleinen „Wunder“. Ein Junge war seit Wochen schon in Behandlung wegen „Mutismus“, einer seelischen Störung bei der Kinder aufhören zu sprechen. Der Junge „vergaß“ während der Show seine Störung und machte munter mit. Seitdem nehme ich die Rolle von positiven Gemeinschaftserlebnissen, von Humor, Musik, Kunst und anderen Wegen uns zu „verzaubern“ viel ernster, seit 2006 auch mit meiner Stiftung Humor hilft heilen."
Richard Quest, Chef der Wirtschaftsredaktion und Anchorman bei CNN Gibt es einen Moment, an den ich zurückdenke und sagen kann „Heureka!“, das war der Moment, an dem ich es geschafft hatte? Nein. Es gab viele Momente, an denen eine Geschichte Aufmerksamkeit für mein Schaffen erzeugt hat. Jeden dieser Momente habe ich dann genutzt, um mich auf meiner rutschigen Karriereleiter eine Sprosse weiter nach oben zu hangeln. Dazu gehören mein erster Hurricane-Bericht über Hurricane Gilbert im Jahr 1988, meine erste Berichterstattung zu einer US-Präsidentschaftswahl, mein Bericht von Queen Mums Beerdigung, die Berichterstattung zu Queen Elizabeths Kronjubiläum und meine Arbeit zur Einführung des Euro. Wenn ich wählen müsste, was DIE Story gewesen ist, dann wäre das der Schwarze Montag, der 19. Oktober 1987. Ich war ganz neu als Finanzreporter in London. Der Abwärtstrend an der New Yorker Börse hatte begonnen. Und bevor der Tag vorbei war, hatte der Dow Jones mehr als 500 Punkte (= 25 Prozent) verloren. Dies gilt nach wie vor als der anteilsmäßig stärkste Tagesverlust in der Geschichte des Dow Jones. Ich war im Dienst. Ich habe dabei zugesehen, wie der Markt sich in den Sekunden nach Börsenschluss um 100 Punkte verschlechtert hat und berichtete während der nächsten paar Tage morgens, mittags und abends – auf allen Programmen. Ich wurde dann eilig weggeschickt, um die Berichterstattung in New York aufzunehmen. Die Arbeit, der ich damals nachging, brachte mir die Aufmerksamkeit des Chefredakteurs ein, ich hatte mich als Finanzreporter etabliert. Ich werde den Schwarzen Montag nie vergessen. Als der Vorsitzende der New Yorker Börse sagte, dieser Tag sei am nächsten an einen Zusammenbruch der Finanzmärkte herangekommen, als alles, was wir uns hätten vorstellen können. Dies galt natürlich nur bis zum nächsten Finanzcrash. Zum letzteren Zeitpunkt war ich älter und weiser – aber interessanterweise war ich genauso erschrocken.
Karsten Eichmann, CEO des Gothaer-Konzerns"Aha- da gibt es ja noch so viel Spannendes" – für die entscheidenden Karriereschritte war meine Neugierde ein wesentliches Momentum. So auch als ich mit 43 Jahren meine berufliche Komfortzone aus Erfolg und Sicherheit verlassen und von München nach Hamburg gegangen bin, um als Vorstandschef der Advocard eine neue, spannende Herausforderung anzupacken. Nur durch das "Loslassen" von Gewohntem war der Weg bis zum CEO des Gothaer-Konzerns möglich - und diese Neugierde auf die Zukunft werde ich mir bewahren."
Uwe Schuricht, Geschäftsführer der Personalberatung Change Group"Mein Lebensweg hat entscheidende Weichenstellungen auf dem Tennisplatz bekommen: Mit Tennisunterricht habe ich mein Jura-Studium finanziert und schon damals davon geträumt, Headhunter zu werden. Dank Tennis habe ich einen Förderer gefunden, der mich bei der Promotion unterstützt hat. Die Promotion hat mich zu einer amerikanischen Kanzlei nach Paris geführt. Dort wurde ich als Manager entdeckt und danach war es nur noch ein kleiner Schritt zu meinem Traumberuf."
Sven Eggert, Eggert Group Werbeagentur"Nach einem Studium im Ausland (Oxford und Paris) nahm ich eine Stellung als Vorstandsassistent an. Mein Chef öffnete mir schnell die Augen, dass ich mit dem Europa-Hintergrund nicht so international aufgestellt war, wie uns im Studium suggeriert wurde. Die Entscheidung, daraufhin noch für vier Jahre in den USA zu arbeiten, war goldrichtig."
Karen Heumann, Vorstandssprecherin und Mitinhaberin der Agenturgruppe thjnk"Mit 31 Jahren war ich Chefin der Strategischen Planung bei KNSK/BBDO, als mir ein Headhunter einen Geschäftsführerposten bei der britischen Agentur Leagas Delaney anbot. Ein heißer Laden mit Kunden wie Adidas und Patek Philippe. Ich flog nach London und verbrachte einen gesamten Tag mit den Chefs. Auf dem Rückflug war klar: Ich wollte es unbedingt machen! Denn England ist das Land, aus dem meine Profession kommt, ich würde nie mehr so viel lernen können. Aber ich war mir auch sicher: Die wollen mich nicht, ich war zu jung, der Schuh vielleicht doch zu groß – warum sonst hätten diese Werbe-Lichtgestalten all die Stunden ausschließlich über persönliche Interessen und allgemeine Weltbetrachtungen mit mir gesprochen? Engländer sind halt höflich, dachte ich mir, die wollten mich nicht einfach zurückschicken. Am Tag darauf hatte ich den Job. Und ich machte tatsächlich riesige Lernsprünge in kurzer Zeit, hatte endlich den nötigen Hebel, um inhaltlich etwas zu bewegen. Ein paar Jahre später wollte ich von Bruce Haines, dem CEO, wissen, wieso man mir damals keine einzige berufliche Frage gestellt hatte. Und er sagte: „Wir sind davon ausgegangen, dass Du weißt, wie es geht. Wir mussten rauskriegen, ob Du weißt, wie es gehen könnte!“ Denn nur ein freier Geist könne die Zukunft mitgestalten und im Driver’s Seat sitzen. Diese Erkenntnis prägt mich bis heute."
Bernd Rödl, Gründer der internationalen Wirtschaftskanzlei Rödl & Partner"Bei einer Beiratssitzung der Gothaer Versicherung lernte ich 1992 Abtprimas Notker Wolf in Brüssel kennen. Der christliche Glaube war für mich schon immer ein starker Halt gewesen. Notker Wolf hat mir für die Regeln des Benedikt und die Bedeutung der Demut die Augen geöffnet. Die Erkenntnis, dass wir nie unseren menschlichen Ursprung vergessen dürfen, hat mich mein ganzes Leben lang geprägt."
Tjorven Jorzik, Gründer der digitalen Weinberatung „Frag‘ Henry! GmbH“"Mein Schlüsselerlebnis hatte ich mit 34, damals noch Global Sales Director bei Danone: An einem Freitag den Flieger in Istanbul verpasst, musste ich mal wieder das Wochenende statt bei meiner hochschwangeren Frau im Hotel verbringen. Da hat es Click gemacht. Was ist wirklich wichtig im Leben, wie stelle ich mir die Zukunft vor? Ich nahm vier Monate Elternzeit und lernte die hiesigen Winzer auf den Spaziergängen mit dem Kinderwagen kennen. Anschließend begann ich die Sommelier-Ausbildung und beschloss den Konzern zu verlassen, um ein StartUp zu gründen. Heute steigern unsere Weinempfehlungs-Terminals bei Globus, Kaufland und Edeka den Weinabsatz und die europäische Expansion schreitet voran."
Constanze Ulmer-Eilfort, Managing-Partnerin von Baker & McKenzie"Ich hatte das große Glück, einen starken Mentor zu haben, einen älteren Partner unserer Sozietät. Auf meinem Karriereweg, wann immer ich eine Entscheidung treffen musste oder zur Partnerwahl anstand, hat er sich für mich eingesetzt, mir Mut gemacht und mir den Weg geebnet. Für eine Frau in einem von Männern dominierten beruflichen Umfeld kann ein solcher Mentor entscheidend sein."
Thomas Klindt, Produkthaftungspapst und Partner der internationalen Großkanzlei Noerr"Während der Examensvorbereitung in Münster saß ich stundenlang am Schreibtisch und habe mich dauernd über die gigantisch laute Baustelle gegenüber geärgert, die von 5:00 Uhr bis 20:00 Uhr den Boden zum Vibrieren gebracht hat. Mehr aus Wut entstand erst die Idee eines juristischen Aufsatzes, an dessen Stelle dann aber gleich die technikrechtliche Dissertation zu Baulärm und EU-Maschinenrecht wurde. Heute leite ich in der Industrieberatung die mehrköpfige Product Compliance bei Noerr LLP...."
Philipp Zeller, zweifacher Weltmeister im Feldhockey und Rechtsassessor bei Seitz Partner"Zu Beginn meiner sportlichen Karriere wurde mir einmal gesagt, es gäbe viele Spieler die das Talent hätten Großes zu erreichen. Es würden aber nur diejenigen Großes erreichen, die auch gewillt seien trotz ihres Talents hart an sich zu arbeiten. Im Laufe der Zeit sind leider viele Spieler mit wesentlich mehr Talent als ich es hatte auf der Strecke geblieben. Mein Durchbruch war sicherlich der Moment, in dem ich die Bedeutung der damaligen Worte tatsächlich begriffen hatte. Jetzt stehe ich am Beginn meiner beruflichen Karriere. Auch hier gibt es wieder viele Talente."
Viktoria Kickinger, Gründerin des TV-Senders Directors Channel"Ich hatte nie Vorbilder, jedoch stets Menschen, die es gut mit mir gemeint haben und/oder an mich und meine Projekte und Ideen geglaubt haben. Friedrich Huemer, CEO und Gründer der Polytech Holding AG hat mich in meinen ersten Aufsichtsrat berufen und somit den Grundstock für meine berufliche Entwicklung gelegt, bis hin zum heutigen Director's Channel, dem nunmehr sich schon abzeichnend erfolgreichen Internet TV Sender für deutsche Aufsichtsräte.
Anton Klees, Geschäftsführer der Internet-Agentur active value"Nach dem Besuch der Business School in den USA habe ich mich 1998 in New York bei einer Internet Agentur beworben. Ich wollte Teil der New Economy sein. Nach der Einstellung wurde ich sofort als Experte gehandelt. Viele Begriffe hatte ich in der Bewerbung zum ersten mal gehört. Unser erstes Projekt mit Pixelpark war der Online Shop für das Museum of Modern Art. Aber ich hatte nicht nur meine Industrie gefunden in der ich arbeiten wollte - in New York habe ich auch meine zukünftige Frau kennengelernt. Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Heute bin ich immer noch begeistert wie am ersten Tag von den Möglichkeiten der digitalen Veränderung. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir erst am Anfang sind. Neben einer Online Agentur habe ich mit Partnern StartUps gegründet. Das neuste beschäftigt sich mit der Auswirkung von Social Media auf die Verbreitung von News."
Schuhproduzent Floris van Bommel, Creative Director der Schoenfabriek Wed.J.P. van Bommel„In der Grundschule sollte ich während der Bastelstunde ein Musikinstrument aus Weinflaschenkorken erstellen. Leider funktionierte es nicht so wie ich es wollte, während es bei allen anderen Kindern besser zu klappen schien. Aber anstatt in Panik zu verfallen, fühlte ich ein tiefes Vertrauen, dass ich mit einer guten, kreativen Idee immer weiter komme. Am Ende war alles in bester Ordnung, mein Musikinstrument aus Kork sah genial aus und ich habe nie mehr an meinen kreativen Fähigkeiten gezweifelt.“
Markus Bergmann, Geschäftsführer beim Autozulieferer Faurecia"Meine früheren Kollegen waren ziemlich erstaunt, als ich nach 24 Jahren bei der MTU Aero Engines und der heutigen Airbus Defence and Space aus einer sicheren Position heraus entschied, als Geschäftsführer zum Autozulieferer Faurecia zu gehen. Mit zwei Kindern in der Ausbildung überlegt man jede Veränderung sehr genau. Aber mich reizte das Neuland und ich wollte gerne etwas Neues bewegen. Heute bin ich 50 Jahre alt, seit vier Jahren bei Faurecia und habe diesen Wechsel keinen Tag bereut."
Elke Bartels, Polizeipräsidentin von Duisburg"Bei meiner Bewerbung als Juristin im Landesdienst Nordrhein-Westfalen konnte ich als Einsatzorte Münster, Arnsberg, Detmold, Düsseldorf oder Köln angeben. Da ich in Bochum wohnte und das Rheinland für mich terra incognita war, gab ich als von mir favorisierten Einsatzort Münster an. Ich bin über die weise Entscheidung des Landes, mich in Düsseldorf einzustellen, ausgesprochen froh, denn mein beruflicher Werdegang wäre sonst ganz anders verlaufen. Wahrscheinlich hätte ich weder im Landtag noch in einem Ministerium gearbeitet und somit auch nicht die Weichen für meine jetzige Tätigkeit stellen können. Und an das Alt habe ich mich sehr schnell gewöhnt."
Rainer Brune, Vorstandsvorsitzender von Roland Rechtsschutz"Der vielleicht wichtigste Schritt auf meinem beruflichen Weg war meine zweijährige Tätigkeit als Vorstandsassistent. Dadurch konnte ich intensiv hinter die Kulissen blicken und früh ein Gefühl für strategische Prioritäten und Entscheidungsfindung entwickeln."
Peter Rohrbach, Vorstand der cellent AG"Am meisten geprägt und verändert hat mich meine Auslandstätigkeit in den USA von 1999 bis 2001. Dort traf ich auf eine andere Kultur und kam nicht nur mit vielen Amerikanern zusammen, sondern mit Indern, Chinesen und Hispanics. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland waren all meine folgenden Assignments internationaler Natur, so beispielsweise im Bereich Application Management, das stark mit Indien verbunden ist. Das Projektgeschäft verstehe ich nach wie vor als globale Verantwortung. Ohne meine Erfahrungen in den USA hätte ich meine zukünftigen Projekte niemals so erfolgreich umsetzen können."

Welche Führungspersönlichkeiten kennen Sie, die sich an Künstlern orientieren?
Steve Jobs war sehr stark mit der Musikszene weltweit verwoben verwoben und hat sich mit ihnen ausgetauscht. Er hatte z.B. eine langjährige Beziehung mit Joan Baez. Auch Reinhold Würth vom gleichnamigen Schraubenhersteller hat sich in  Künstlerwerkstätten angesehen, wie dort gearbeitet wird.

Mit welchem Ergebnis?
Künstler arbeiten ihre Aufgaben nicht nacheinander ab. Manchmal kommen sie nicht weiter, machen Pausen und widmen sich einer anderen Arbeit. Sie verwerfen fast fertige Lösungen und beginnen von neuem. Irgendwann kommt dann der Durchbruch. Würth hat dadurch gelernt, seinen Mitarbeitern gewisse Freiheiten einzuräumen und dass kreative Krisen durchaus zum Arbeitsleben dazugehören.

Warum passt das Konzept des Managers als Künstler ihrer Meinung nach so gut in unsere Zeit?
Im Moment sind alle auf der Suche nach Kreativität und Innovation. Das hat vor allem einen Grund. Die digitale Ökonomie wird immer mehr Routinearbeit überflüssig machen und Geld wird mit der Lösung von komplexen Aufgaben verdient werden. Viele Geschäftsmodelle werden neu entstehen. Vieles ist heute noch nicht vorhersehbar. Künstler sind besser in der Lage auf Unvorhergesehenes zu reagieren.

Die wirklich großen Künstler wandeln oft zwischen Genie und Wahnsinn. Will ich als Anleger oder Bankkunde so jemandem mein Geld anvertrauen?
Naja, gerade in der Musikwelt waren im vergangenen Jahrhundert viele Drogen oder Alkohol im Spiel.  Das ist inzwischen weniger geworden. Was aber wirklich vergleichbar ist, sind zum Teil die Persönlichkeitsstrukturen von Managern und Künstlern. Beide Gruppen haben im Spitzenbereich große Egos und sind in der Lage divergent zu denken.

Eine schwierige Aufgabe für Chefs.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Wenn Sie Kreative einstellen statt glattgebügelter Einserkandidaten, ist es weitaus schwieriger diese zu führen. Strenge Vorgaben von oben nehmen sie als Einschränkung wahr. Sie brauchen Freiheiten. Läuft es mal nicht so rund, sollten Chefs sie nicht unter Ergebnisdruck setzen, sondern ihnen Zeit geben Dinge zu entwickeln. Sie arbeiten nach einem anderen Rhythmus.  Aber es macht auch Spaß mit ihnen zu arbeiten, weil sie interessante Persönlichkeiten sind, die zum Denken anregen, ungewöhnliche Perspektiven einnehmen.

Ganz ohne Kreativtechniken wie Brainstorming.
Ja. Mit solchen Techniken können sie Kreative jagen. Sie sind häufig Einzelkämpfer und können sich in der Gruppe oft  nicht optimal entfalten. Sie sehen solche Veranstaltungen im schlimmsten Fall als verschwendete Zeit. Im besten Fall als netten Informationsaustausch oder Plausch.  Leistung und Innovation erfolgte durch Einzelne.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%