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Manager reden Klartext „Was sollte das? Das war doch Scheiße!"

Überall wird Klartext gefordert, ob in der Politik, den Medien oder in Unternehmen. Nur: Klartext geredet wird nicht. Warum das so ist und was deutsche Top-Manager wie Hartmut Mehdorn und Jochen Schweizer dazu sagen.

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Dominic Multerer berät und begleitet mehrere mittelständische Unternehmen bei Markenprozessen, u.a. Dürkop, eine der größten Automobilhandelsgruppen Deutschlands und mps public solutions, einen führenden Anbieter im Markt für kommunale Software, der zum Marktführer werden soll.

Heute ist ein Tag der Wahrheit. Ein Klartext-Tag, zu dem der rebellische Autor Dominic Multerer in seinem neuen Buch „Klartext – Sagen, was Sache ist. Machen, was weiterbringt“ aufruft. Der Marketing-Experte ist jung, ist frech, trägt sein Herz auf der Zunge und versteht es gut, sich und seine Dienstleistungen zu verkaufen.

Aber wie reagiert der Jungspund eigentlich selber, wenn man ihm ganz unverblümt die Wahrheit zu seinem zweiten Buch sagt? Zugegeben: Ja, es war gemein, ihn dafür in die Falle zu locken. Aber der Chefredakteur hat sich nun mal eine „etwas andere“ Art der Rezension gewünscht. Da kommt so ein Tag der Wahrheit doch wie gerufen, für den Multerer selber empfiehlt: „An diesem Tag sollte jeder ungefiltert sagen, was er denkt. (...) An diesem einen Tag soll alles raus.“

Warum Narzissten schneller Karriere machen
Narzissten sind selbstbewusstSelbstbewusstsein und die dazugehörige Portion Rücksichtslosigkeit macht Narzissten so erfolgreich - und Unternehmen häufig erst innovativ. Eine Studie deutsch-amerikanischer Forscher um Wolf Christian Gerstner und Andreas König von der Universität Erlangen-Nürnberg zeigt: Unternehmen investieren umso häufiger in neue Technologien, je narzisstischer der jeweilige CEO ist. Dennoch ist Vorsicht angebracht: Zu viel Risikobereitschaft kann dem Unternehmen auch schaden. Quelle: AP
Narzissten sind ideale ChefsNarzissmus ja, aber bitte nicht zu viel. So lautet die Beschreibung für den idealen Chef. Wissenschaftler um Emily Grijalva von der Universität von Illinois fanden heraus, dass der Zusammenhang zwischen Narzissmus und dem Erfolg als Führungskraft die Form eines umgekehrten U annimmt. Soll heißen: Extremer Narzissmus hilft ebenso wenig weiter wie überhaupt kein Narzissmus. „Der ideale Chef ist in Maßen narzisstisch“, sagt Grijalva. Quelle: Fotolia
Narzissten sind ehrgeizigVor allem in Chefetagen sind Narzissten keine Seltenheit. Kein Zufall: Zum einen sind Narzissten ehrgeizig, motiviert und machtgierig. Zum anderen verfügen sie über die nötige soziale Intelligenz, um ihre Untergebenen und Kollegen zu umschmeicheln. Das beweist auch eine Studie von der Ohio State Universität aus dem Jahr 2008. Die ergab: Narzisstische Studenten sind nicht nur besonders dominant bei Diskussionen, sondern wurden auch häufig in den Vorsitz von Studentenvereinigungen gewählt. Quelle: dpa
Narzissten machen steiler KarriereEgo hin oder her: Dass Narzissten schneller die Karriereleiter erklimmen, ist bekannt. Rücksichtslos und konsequent egoistisch lassen sie alle Hindernisse links liegen und ziehen durch, bis sie in der Chefetage angekommen sind. Dieses Charisma kann manchmal sogar ansteckend wirken - und Mitarbeiter dazu verleiten, selbst ein bisschen mehr Ehrgeiz an den Tag zu legen. Quelle: dpa
Quelle: Fotolia
Narzissten sind sympathischZumindest auf den ersten Blick. Das zeigt eine Studie der Universität Münster. Befragte Kommilitonen gaben bei Narzissten oft an: „Finde ich sympathisch, würde ich gern besser kennenlernen.“ Langfristig machen sich Narzissten dagegen keine Freunde – wer länger mit ihnen zu tun hat, dem werden Narzissten auf Dauer unsympathischer.   Quelle: Fotolia
Narzissten sind extrovertiertVor allem mit ihrer Extrovertiertheit können Narzissten oft punkten. Die kann schon beim Bewerbungsgespräch zum entscheidenden Vorteil werden - wenn der Narzisst es schafft, bereits bei diesem ersten Treffen zu glänzen. Quelle: Fotolia

So schreibe ich also dem 23 Jährigen per Facebook-Chat, dass mich auf den ersten Blick einiges auf seinen gut 200 Seiten an sein erstes Buch („Marken müssen bewusst Regeln brechen, um anders zu sein“), das vor zwei Jahren erschienen ist, erinnert. Sie wissen schon, gleicher Inhalt, neue Verpackung. Alter Wein. Schläuche. Auch, dass mir einige der Statements von Unternehmern, die er zu Wort kommen lässt, teilweise zu glattgebügelt erscheinen und dass der Gedanke, es könnte gerade für Chefs und Manager sinnvoll und sein, Klartext zu reden, mir nun wirklich nicht neu erscheint. „Ich bin ehrlich. Noch hat’s mich nicht überzeugt“, tippe ich in das kleine Chatfenster und warte gespannt auf Reaktion. Doch Multerer bleibt gelassen und ebenso bei seinem Standpunkt. „Es ist das erste Buch zu Klartext. Es macht das Thema bewusst und sagt, was dazu gehört.“ Dann ergänzt er mit einem zwinkernden Smiley: „Es gibt keine andere Literatur dazu und so selbstverständlich wie für Sie und mich ist das Thema nicht.“

Er hat angebissen. Ich antworte: „Klartext ist doch auch nur ein anderes Wort für Ehrlichkeit, Wahrheit und Authentizität - in jedem Managementratgeber wird das seit Jahren schon gepredigt.“ Multerer: „Trotzdem der erste Titel, der das Thema Klartext bedient und beschreibt. (...) Und ich versuche eine Philosophie zu beschreiben.“ Punkt.

Einen Augenblick später ploppt mein Chatfenster wieder auf. „Hey, wann bringt ihr den Text?“, fragt Multerer, der außer unterhaltsam schreiben offenbar auch noch ganz gut die Redaktionsklinken putzen kann. „Wir fahren das eher klein. Aber fein“, schreibe ich, nur um ihn ein bisschen zu ärgern. Reaktion: „Klein ist doch blöd.“ „Nun“, antworte ich, „wir sind hier ja nicht bei Wünsch dir was.“ Multerer: „Gut, hoffentlich sind Sie da nicht so böse wie hier im Chat.“ Ich entgegne: „Ich bin doch nur ehrlich und rede Klartext!“ Am späten Abend und nach einem halben Tag Funkstille macht es dann wieder „plopp“. Multerer: „Ist trotzdem das erste Buch zum Thema.“

Klartext gefährdet die Komfortzone

Der Motorsport ist ein schnelles Geschäft - und Emotion pur. Klare Ansagen sind daher sehr wichtig, wie das Statement von Arno Zensen zeigt. Quelle: dpa

So weit so klar? Klartext sollte aber nicht nur in den Medien, sondern auch in der Politik und in Unternehmen gesprochen werden. „Passiert leider viel zu selten“, sagt der Autor Multerer, der aus dem Bauch heraus und gerade so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, gegen eine fehlende Klartextkultur in Deutschland polemisiert. Schließlich erfordert es Mut, Ehrlichkeit und einen klaren Standpunkt.

„Klartext gefährdet auch die Komfortzone“, womit er meiner Meinung nach nicht Unrecht hat. Wer Klartext redet, lehnt sich nämlich aus dem Fenster und wird damit angreifbar. Lesenswert ist in Multerers Buch, warum sich Top-Manager Hartmut Mehdorn, ehemaliger Bahnchef und Klartext-Schwergewicht, mit seinen stets deutlichen Worten nicht zurückhalten will, wie der Unternehmer Jochen Schweizer jeden Tag Klartext lebt und warum Sänger und Songwriter Thomas Anders dafür plädiert, auch mal Tacheles zu reden – die aggressivere Variante von Klartext.

Finden Sie eine Auswahl der besten Stellen aus den Unternehmer-Statements auf den folgenden Seiten, mit denen ich Ihnen viel Vergnügen wünsche.

Arno Zensen über Klartext

Arno Zensen, ein Urgestein des Motorsports, leitet seit 1995 das DTM Audi Sport Team Rosberg des ehemaligen finnischen Rennfahrers und Formel-1-Weltmeisters Keke Rosberg. Seit 2008 ist der aus der Eifel stammende 59-Jährige auch Gesellschafter der Team Rosberg Engineering GmbH mit Sitz in Neustadt an der Saale.

Trotz aller Begeisterung und Emotionen bestimmen klare, eindeutige Anweisungen oder Absprachen den Rennalltag. Diplomatische Floskeln stören den Ablauf. Hier muss gesagt werden, „was Sache ist“. Zeit für Interpretationen oder eigenständige Entscheidungen verhindern den Erfolg. Das wird bei der Kommunikation während des Rennens deutlich. Hier haben wir im Funkverkehr den Jargon vom militärischen Fliegen übernommen. Das bedeutet kurze, präzise Sätze. Muss ein Fahrer an die Box, so heißt es „Pit now“. Das reicht. Die Anweisungen vom Kommandostand sind eben - falls kurz. Weil die gegnerischen Rennteams versuchen, den Funkverkehr mitzuhören, sind diese Kürzel zudem codiert. Beim Motorsport geht es nur darum: Erfolgreicher als die anderen Teams zu sein, um zu siegen.

Führungstipps aus dem Buch "Die Macht der Macht"

Gewöhnlich läuft ein gesamtes Rennwochenende nach diesen kurzen Anweisungen ab. Jeder weiß, was gemeint ist. Danach wird gehandelt. Zeit für ausführliche Analysen oder strategische Planungen ist nicht gegeben. Das erfolgt unter der Woche in Meetings, in denen alles beleuchtet wird. Hierzu gehören die positiven Ereignisse genauso wie die Fehler. Jeder kann sagen, was ihm gefallen hat. Ebenso kann jeder Kritik üben. (...) Es geht nicht um Schuldzuweisung. Hier wird Klartext eingesetzt, um Lösungen zu finden. Ein Fehler kann jedem Menschen passieren. Es ist jedoch inakzeptabel, wenn sich die gleiche Panne zwei Mal hintereinander ereignet. Bereits nach dem ersten Missgeschick muss gefragt werden: Warum und wie konnte das geschehen? Nur durch eine direkte Ansprache der Problematik ist es möglich, Lösungen zu finden. Das sichert in Zukunft reibungsloses Arbeiten.

(...) Etwas anders verhält sich eine Aussprache, die von Tacheles geprägt ist. (...) Emotionen sind dabei im Spiel. Es geht weniger darum, konstruktiv Lösungen zu finden, sondern beim Tacheles-Reden werden Missstände offen angesprochen. Es wird dabei „kein Blatt vor den Mund genommen“. Das kann beispielsweise durch einen unglücklichen Moment beim Boxenstopp verursacht werden. Ein Fahrer möchte an die Box, muss jedoch eine Runde länger im Rennen bleiben.
Ursachen dafür können taktische Überlegungen sein, technische Probleme oder die Box war ganz einfach blockiert. Dem Fahrer sind diese Gründe nicht offensichtlich. Er fühlt sich benachteiligt, um Zeiten und Positionen gebracht. Läuft das Rennen insgesamt unrund, platzt es aus ihm in klaren und deutlichen Worten in dieser Nachbesprechung heraus. Da heißt es schon einmal: „Was sollte das? Das war doch Scheiße!“

Thomas Anders: Ich bin der Kuchen, ihr die Krümel

Thomas Anders mit seiner ersten Goldenen Schallplatte, die er 1985 erhalten hat. Der frühere Sänger der Popband „Modern Talking“ feierte 2013 seinen 50. Geburtstag. Quelle: dpa

Thomas Anders, der 1984 gemeinsam mit Dieter Bohlen „Modern Talking“ ins Leben rief, gehört mit über 120 Millionen verkauften Tonträgern zu den kommerziell erfolgreichsten deutschen Sängern. Heute komponiert er Songs für andere Künstler, für Bühnenshows wie „Holiday on Ice“ oder Filmmusik. Ferner ist der verheiratete Vater eines Sohnes häufig als Moderator für Unterhaltungssendungen im Fernsehen zu sehen. Die Kernaussagen aus seinem Statement.

„Eine erfahrene Führungskraft (...) verfügt in der Regel über sehr viel Wissen. Dieser Wissensschatz hat sich über Jahre hinweg aufgebaut. Trotz eigener Erfahrung weiß ich nicht alles und bin auf die Zuarbeit von meinen Mitarbeitern oder anderen Menschen angewiesen. Wenn man es überhaupt an Zahlen festmachen kann, sollte eine Entscheidung zu 80 Prozent aus eigenem Wissen bestehen. Die für einen Beschluss notwendigen fehlenden 20 Prozent entstehen aus Diskussionen mit dem Team oder aus Gesprächen mit engen Vertrauten. Bei diesen Reflexionen ist Klartext absolut erforderlich und wünschenswert. (...) Darin unterscheidet sich die Musikbranche kaum von anderen Wirtschaftszweigen. Klartext ist sinnvoll. Das gilt besonders für langfristige Überlegungen. Klartext ist ein unerlässliches, strategisches Mittel, wenn Veränderungen anstehen und durchgesetzt werden müssen. Er dient der Sicherung von zukünftigen Unternehmungen.

(...) Tacheles sprechen bedeutet für mich: „Jeder hört auf mein Kommando!“ Bei dieser Ausdrucksform gibt es kein Rechts und kein Links. Es fehlt Empathie. Nach meinem Verständnis ist Tacheles die aggressivere Form von Klartext. Diese Artikulation lässt keine weitere Debatte zu. Tacheles ist der finale Schlussstrich nach einem Prozess oder einer Diskussion. Eine Anordnung in dieser Art und Weise hat diktatorische Züge nach dem Motto: „Ich bin der Kuchen. Ihr seid die Krümel. Deshalb wird es so gemacht!“

Muss eine Entscheidung ganz kurzfristig gefällt werden, ist Tacheles ratsam. Diese Form der Ansage ist zu berücksichtigen, um das Kippen der Konversation in einer heiklen Situation zu verhindern, damit ein zwingender Beschluss nicht gefährdet wird. Das gilt speziell für Notfälle oder in Situationen, in denen ein Machtwort zwingend erforderlich ist. Dieser Schritt erfordert Rückgrat und verlangt das 100-prozentige Vertreten des eigenen Standpunktes. (...) Da „Tacheles reden“ eine notfallbedingte Angelegenheit ist und ohne Rücksicht auf Gefühle erfolgt, sollte man es sich zu eigen machen, im Alltag Klartext zu sprechen. Klartext fördert die Entwicklungsprozesse.“

Jochen Schweizer: Scheitern gehört zum Leben

Jochen Schweizer beim Indoor-Skydiving. Für ihn gilt ein Bungee-Sprung als Mittel zur Bewusstseinserweiterung. Schweizer lebt Klartext, jeden Tag. Quelle: picture-alliance / Sven Simon

Der Heidelberger Jochen Schweizer machte Ende der 80er-Jahre Bungee-Sprünge auf deutschem Boden populär und baute in den 90er-Jahren die Unternehmensgruppe, der es um ganzheitliche Eventkonzepte und individuelle Shows ging, weiter aus. Bis heute hat er weltweit über 6000 Event-Inszenierungen entwickelt und umgesetzt. 2003 startete der Unternehmer mit einem Erlebnisportal und deutschlandweiten Adrenalin-Shops durch. Aus seinem ehemaligen Bungee-Unternehmen ist heute Deutschlands Marktführer im Segment der Erlebnisanbieter und eine Unternehmensgruppe mit einem Jahresumsatz von mehr als 60 Millionen Euro geworden.

„Wer Mut hat, der nennt Dinge beim Namen und spricht Standpunkte offen aus. Ein Erlebnis, wie ein Bungee-Sprung, trägt zur Entwicklung der Persönlichkeit bei. Wer 50 oder noch mehr Meter in die Tiefe gesprungen ist, traut sich, seinen Standpunkt klar und offen zu vertreten. Er hat erfahren, wie die innere Angst überwunden wurde. Zur Überwindung der Angst gehört Mut! Diese tiefe Erfahrung kann man in jedes Meeting mitnehmen.

Manager verraten ihr Erfolgsgeheimnis
James Dyson, Designer, Erfinder und Gründer des Unternehmens Dyson"Ich liebe Fehlschläge. Aufgegeben habe ich nie. In den 1980er Jahren habe ich in meiner Werkstatt an 5126 Staubsauger-Prototypen getüftelt, die alle nicht funktionierten. Aber Nummer 5127 tat, was er sollte. Der Erfolg von Dyson geht zurück auf den einzigartigen Pioniergeist und außergewöhnlichen Einsatz aller meiner Ingenieure."
Simone Frömming, Deutschland-Chefin von VMware, einem der Top-Ten-Softwareproduzenten"Über Nacht zur Führungskraft? Bei mir war das genau der Fall! Bei einem Vortrag zum Thema "Go-To-Market im Softwarevertrieb" konnte ich meinen damaligen Geschäftsführer derart überzeugen, dass er mich von heute auf morgen befördert hat. Alle meine Ideen waren recht unpolitisch und leidenschaftlich - aber dafür stets zielorientiert. Als Account Managerin hätte ich damals nie gedacht, dass ein einzelner Vortrag der Wendepunkt meiner ganzen Karriere sein kann. Nach einem ersten sprachlosen Moment hat mich dieses Angebot aber darin bestätigt, Dinge auch entgegen der gängigen Meinung anzusprechen und verändern zu wollen. Eine wichtige Eigenschaft in der IT-Branche, in der jeden Tag aufs Neue ein Wettrennen um aufregende Ideen ausgetragen wird. Und letztlich auch eine Eigenschaft, die mich dahin gebracht hat, wo ich heute stehe."
Eckart von Hirschhausen, Moderator und Kabarettist, gelernter Mediziner"1997 wurde ich von einem Radiosender engagiert für eine Tour durch Kinderkrankenhäuser. In der Kinderpsychiatrie in München machte ich eine Zaubershow. Alle Kinder wurden involviert, mussten laut zählen, pusten und mitmachen. Nach der Show kam ein Arzt auf mich zu und erzählte von einem kleinen „Wunder“. Ein Junge war seit Wochen schon in Behandlung wegen „Mutismus“, einer seelischen Störung bei der Kinder aufhören zu sprechen. Der Junge „vergaß“ während der Show seine Störung und machte munter mit. Seitdem nehme ich die Rolle von positiven Gemeinschaftserlebnissen, von Humor, Musik, Kunst und anderen Wegen uns zu „verzaubern“ viel ernster, seit 2006 auch mit meiner Stiftung Humor hilft heilen."
Richard Quest, Chef der Wirtschaftsredaktion und Anchorman bei CNN Gibt es einen Moment, an den ich zurückdenke und sagen kann „Heureka!“, das war der Moment, an dem ich es geschafft hatte? Nein. Es gab viele Momente, an denen eine Geschichte Aufmerksamkeit für mein Schaffen erzeugt hat. Jeden dieser Momente habe ich dann genutzt, um mich auf meiner rutschigen Karriereleiter eine Sprosse weiter nach oben zu hangeln. Dazu gehören mein erster Hurricane-Bericht über Hurricane Gilbert im Jahr 1988, meine erste Berichterstattung zu einer US-Präsidentschaftswahl, mein Bericht von Queen Mums Beerdigung, die Berichterstattung zu Queen Elizabeths Kronjubiläum und meine Arbeit zur Einführung des Euro. Wenn ich wählen müsste, was DIE Story gewesen ist, dann wäre das der Schwarze Montag, der 19. Oktober 1987. Ich war ganz neu als Finanzreporter in London. Der Abwärtstrend an der New Yorker Börse hatte begonnen. Und bevor der Tag vorbei war, hatte der Dow Jones mehr als 500 Punkte (= 25 Prozent) verloren. Dies gilt nach wie vor als der anteilsmäßig stärkste Tagesverlust in der Geschichte des Dow Jones. Ich war im Dienst. Ich habe dabei zugesehen, wie der Markt sich in den Sekunden nach Börsenschluss um 100 Punkte verschlechtert hat und berichtete während der nächsten paar Tage morgens, mittags und abends – auf allen Programmen. Ich wurde dann eilig weggeschickt, um die Berichterstattung in New York aufzunehmen. Die Arbeit, der ich damals nachging, brachte mir die Aufmerksamkeit des Chefredakteurs ein, ich hatte mich als Finanzreporter etabliert. Ich werde den Schwarzen Montag nie vergessen. Als der Vorsitzende der New Yorker Börse sagte, dieser Tag sei am nächsten an einen Zusammenbruch der Finanzmärkte herangekommen, als alles, was wir uns hätten vorstellen können. Dies galt natürlich nur bis zum nächsten Finanzcrash. Zum letzteren Zeitpunkt war ich älter und weiser – aber interessanterweise war ich genauso erschrocken.
Karsten Eichmann, CEO des Gothaer-Konzerns"Aha- da gibt es ja noch so viel Spannendes" – für die entscheidenden Karriereschritte war meine Neugierde ein wesentliches Momentum. So auch als ich mit 43 Jahren meine berufliche Komfortzone aus Erfolg und Sicherheit verlassen und von München nach Hamburg gegangen bin, um als Vorstandschef der Advocard eine neue, spannende Herausforderung anzupacken. Nur durch das "Loslassen" von Gewohntem war der Weg bis zum CEO des Gothaer-Konzerns möglich - und diese Neugierde auf die Zukunft werde ich mir bewahren."
Uwe Schuricht, Geschäftsführer der Personalberatung Change Group"Mein Lebensweg hat entscheidende Weichenstellungen auf dem Tennisplatz bekommen: Mit Tennisunterricht habe ich mein Jura-Studium finanziert und schon damals davon geträumt, Headhunter zu werden. Dank Tennis habe ich einen Förderer gefunden, der mich bei der Promotion unterstützt hat. Die Promotion hat mich zu einer amerikanischen Kanzlei nach Paris geführt. Dort wurde ich als Manager entdeckt und danach war es nur noch ein kleiner Schritt zu meinem Traumberuf."
Sven Eggert, Eggert Group Werbeagentur"Nach einem Studium im Ausland (Oxford und Paris) nahm ich eine Stellung als Vorstandsassistent an. Mein Chef öffnete mir schnell die Augen, dass ich mit dem Europa-Hintergrund nicht so international aufgestellt war, wie uns im Studium suggeriert wurde. Die Entscheidung, daraufhin noch für vier Jahre in den USA zu arbeiten, war goldrichtig."

(...) Bedauerlicherweise ziehen es viele Menschen vor, in einer Komfortzone zu leben. Sie verfahren nach dem Motto: "Wer nichts riskiert, kann nichts verlieren." Es gibt aber keine Sicherheit im Leben. Das Einzige, was sicher eintritt, ist der Tod. Dieser Umstand wird durch die Tatsache gemildert, dass wir nicht wissen, wann er eintritt. Das Leben ist ein offenes, unbestimmtes Feld. Man kann daher nur gefährlich leben, um voranzukommen. Deshalb muss es eigentlich heißen: Wer riskiert, kann verlieren, aber wer nichts riskiert, hat schon verloren. Ohne Einsatz gibt es keinen Gewinn.

(...) In Meetings ist es oft die Angst vor einer Blamage, die einen zurückhält. Aus dem Sicherheitsaspekt heraus ist eine Wortmeldung aber irrelevant. Vielleicht wird man wie beim Bungee-Sprung etwas herumgewirbelt oder erlebt eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Na und? Am Ende steht das schon erwähnte Grinsen. Es ist der Ausdruck des Gewinns, der Sieg über die Angst und die Stärkung des Muts. Das Wissen, dass man sich treu geblieben ist. Vielleicht sind die "Alphatiere" dankbar für eine gute Anregung und dass endlich jemand den Mut hatte, zu sprechen. Natürlich kann es sein, dass jemand durch seinen Standpunkt Missstände anspricht oder aufbegehrt. Das muss jedoch die Gegenseite akzeptieren und damit umgehen. Dazu gehört ebenfalls Mut. Es ist bei allen Überlegungen und Äußerungen entscheidend, dass man sich aufrecht im Spiegel anschauen kann mit dem ruhigen Gewissen, richtig gehandelt zu haben. Wird der Standpunkt nicht akzeptiert oder andere Punkte über- wiegen die eigene Argumentation, dann muss man das auch akzeptieren. Scheitern gehört zum Leben.

(...) Ich spreche immer das, was ich denke, ich schreibe das, was ich meine, und ich vertrete offen meine Standpunkte. Ich lebe Klartext jeden Tag. Über dieses Thema denke ich gar nicht nach. Durch Klartext werde ich einschätzbar. Ich möchte, dass meine Mitarbeiter mich einschätzen können und wissen, woran sie sind. Darum geht es. Klartext ist elementar für die Wirtschaft. Zusammengefasst heißt das: Klartext ergibt sich für mich aus Transparenz, die durch das Zusammenwirken von Offenheit in der Kommunikation, Mut bei Entscheidungen und Fokussierung im Unternehmen entsteht.“

Winfried Czilwa: Klartext ist unbequem

Anschreien ist nie eine gute Methode der Kritik. Besonders dann nicht, wenn man Kritik am Chef üben will. Quelle: Getty Images

Winfried Czilwa gehört zu den Top-Managern in Deutschland, die nur gelegentlich in den Schlagzeilen der Wirtschaftspresse vertreten sind. Knapp acht Jahre leitete der studierte Diplom Ingenieur die Firma Hailo im hessischen Haiger, bevor er im Frühjahr 2014 zu renommierten Firma für hochwertige Werkzeuge Stahlwille in Wuppertal wechselte. Der Manager ist seither Vorsitzender der Geschäftsführung.

„So simpel es klingt, das probateste Mittel in unübersichtlichen Geschäftslagen ist, eine Richtung vorzugeben: „Da geht es entlang!“ Darin besteht jedoch oft die Schwierigkeit. Früher gab in der Regel ein Chef die Richtung vor und alle sind dieser Anweisung gefolgt. Mal lag der Chef richtig und ein anderes Mal war es eine Fehlentscheidung. Heute sind Unternehmen anders aufgestellt. Natürlich muss am Ende einer die Entscheidung treffen, aber am Entscheidungsprozess sind mehrere Verantwortliche beteiligt. Es ist unabdingbar, dass die beschlossene Vorgehensweise mehrheitlich getragen wird. Das setzt voraus, dass die Verantwortlichen mit entscheiden und deren Mitarbeiter wiederum bewusst eingebunden werden. Bedenken und Anregungen müssen berücksichtigt werden. Zu einem festgelegten Zeitpunkt ist dann aber ein Beschluss nötig, damit die Dinge nicht zerredet werden. Danach sollte Klarheit herrschen.

Diese acht Dinge töten jede Motivation
Wird der Beitrag eines Mitarbeiters zum Unternehmenserfolg nicht als wichtig anerkannt, geht die Motivation sich weiter zu engagieren und sich einzubringen Quelle: Fotolia
Angst ist der Grund Nummer eins dafür dass Mitarbeiter aufhören etwas zu tun. Sie gehen keine Risiken mehr ein und bleiben hinter ihren Möglichkeiten. Quelle: Fotolia
Nichts ist frustrierender als die gleiche Aktivität wieder und wieder zu wiederholen. Dabei geht schnell das Interesse an Arbeit und Unternehmenserfolg verloren. Quelle: Fotolia
Manche Mitarbeiter kommen mit dem eigenen Versagen nicht klar. Und so mancher Manager sieht Versagen nicht als Teil der Erfolgsentstehung. Quelle: Fotolia
Ausruhen ist Pflicht! Ein Team braucht genügend Möglichkeiten sich auszuruhen, sonst geht der Antrieb schnell verloren. Quelle: Fotolia
Aber auch zu viel Erfolg kann die Motivation abwürgen und zu Bequemlichkeit führen. Wenn sich ein Team fühlt als wäre es angekommen und hätte alles erreicht dann fehlt der Druck Quelle: Getty Images, Montage
Apathie entsteht,wenn die gemeinsame Vision nicht klar definiert ist oder wenn sich Mitarbeiter nicht mit ihr identifizieren. Eine griffige und anspornende Vision ist also wichtig. Quelle: dpa, Montage

(...) Wie kommt man zu einer Klartext-Kultur bzw. wie kann ein Unternehmen diese Ausrichtung installieren? Der Grundstein wird dadurch gelegt, dass man selbst Klarheit und Klartext vorlebt. Im zweiten Schritt muss man diese Kultur von allen Mitarbeitern einfordern. Das ist keine Empfehlung, sondern ein „Muss“ für alle. Denn Klartext ist unbequem.

Oft genug wird Klartext missverstanden und persönlich genommen. Damit kommt ein weiterer Stolperstein auf dem Weg zu einem reibungslosen Ablauf im Unternehmen ins Spiel. Es ist unser menschliches, oft allzu mimosenhaftes Verhalten, das sehr oft Klartext behindert. Will ich eine Kultur des Klartextes im Unternehmen schaffen, dann kann ich diesen Punkt nicht ignorieren, sondern muss den Sachverhalt mit einbeziehen und respektieren. Denn jeder Mitarbeiter ist ein wichtiger Teil des Unternehmens und sollte auf diesem Weg mitgenommen werden.

Unternehmen, die diese Kultur der Klarheit einführen, pflegen und danach leben, sind im innerbetrieblichen Bereich gefestigt. Sie arbeiten mit niedriger Fehlerquote und haben motivierte Mitarbeiter, was sich in einem guten Betriebsklima widerspiegelt. In diesem Umfeld haben optimale Produktivität, Ideen und Innovationen ihren Platz. Es sind genau diese wesentlichen Elemente, die Schieflagen vorbeugen und den Wettbewerbsvorsprung sichern können.“

Hartmut Mehdorn: Ich werde mich nicht verbiegen

Hartmut Mehdorn ist einer der bekanntesten deutschen Topmanager. Der verheiratete Familienvater von drei erwachsenen Kindern stand in den letzten Jahren durch seine Entscheidungen oder Äußerungen immer wieder im Interesse der Medien. Mehdorn studierte Maschinenbau an der Technischen Universität in Berlin, arbeitete in führenden Positionen in der Luftfahrtindustrie (u.a. Airbus, Air Berlin) und war Vorstandsvorsitzender der Heidelberger Druckmaschinen sowie der Deutschen Bahn AG. Von März 2013 an war Hartmut Mehdorn zwei Jahre lang Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB).

„Ich bin der Ansicht, immer das zu sagen, was ich denke. Was nicht mit dem schon angesprochenen „einfach darauf loszureden“ zu verwechseln ist! Mit dieser aufrechten Haltung habe ich bisher immer gut gelegen. Mir ist aber ebenso bewusst, dass meine deutlichen Worte auch auf Unverständnis treffen können. Jedoch werde ich mich deswegen nicht zurückhalten oder gar verbiegen. Das ist letztlich für die Sache wenig hilfreich. Ich habe eben ein paar Ecken und Kanten. Das gehört zu meinem Profil und meinem Standpunkt.

Management



(...) Um „Klartext“ zu reden, muss man sich über seinen eigenen Standpunkt bewusst sein. Es stellt sich die Frage, wofür man einstehen mag. Das bedeutet, sich mit seiner Position zu befassen und diese für sich zu definieren, bevor sie geäußert wird. Wird dann dieser Standpunkt vertreten, erfordert „Klartext“ Mut. In dem Moment der Artikulation des Standpunktes steht man ohne Zweifel zu seiner Aussage und knickt nicht ein oder fällt gar in seiner Meinung um. Bedauerlicherweise zeichnet sich dieses Verhalten schon seit einiger Zeit ab. Diese Entwicklung läuft auf eine „Gleichschaltung“ von Meinungen hinaus. Etwas einfacher ausgedrückt heißt das: „grau in grau denken“. Es scheint eine Art von Zeitgeist-Phänomen zu sein. Das spiegelt sich nicht nur in den Medien, sondern auch in Gesprächen am Rande von Meetings oder Konferenzen wider.

Eine klare Meinung muss nicht jedem gefallen! Wünschenswert ist ein Überdenken der Kommunikationskultur. Für Unternehmen, die Wirtschaft im Allgemeinen und für die Gesellschaft wäre es sehr hilfreich, wenn wieder zugehört wird. Das setzt Vertrauen in das Gesagte derjenigen voraus, die Verantwortung tragen. Nicht jeder kann ein Fachmann auf jedem Gebiet sein und kann sich mit allen Themen auskennen. Das ist unmöglich. Das Vertrauen bildet hier die Brücke.

Entscheidend für die Bildung von Vertrauen ist Ehrlichkeit. Ohne sie ist es unmöglich, „Klartext“ zu reden. Ehrlichkeit sollte eine Grundeinstellung in jedem Bereich des Lebens sein. Unaufrichtige Menschen sind nach meiner Auffassung nicht geschäftsfähig. Ihr Verhalten schädigt zentrale Werte und lässt an Aussagen zweifeln.“

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