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Manager Alkohol-Entzug unter Palmen

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Rehab-Mekka Thailand

Gruppentherapie im Cabin Quelle: PR

Es herrscht Goldgräberstimmung: Thailand möchte sich als Rehab-Mekka etablieren. Bereits im vergangenen Februar suchte die Tourismusbranche die große Bühne auf der "Global Alcohol Policy Conference", die in diesem Jahr in der thailändischen Stadt Nonthaburi stattfand. Dort warb sie vor einem internationalen Fachpublikum für die Vorzüge der örtlichen Drogenentzugsprogramme.

Absolute Anonymität und Vertraulichkeit

Mit der Therapie an Urlaubsorten besetzen die Anbieter eine Marktlücke, die auch Suchtexperten für erfolgsversprechend halten. Die Behandlung fernab der Heimat könne aus psychologischen Gründen äußerst sinnvoll sein, sagt Gabriele Bartsch, stellvertretende Geschäftsführerin bei der deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. "Für viele ist es gut, einmal aus ihrem sozialen Umfeld herauszukommen." Wohlhabende Suchtkranke würden sich aber vor allem aufgrund der Anonymität für eine Behandlung im Ausland entscheiden: „Der Sparkassen-Chef möchte sich lieber nicht in einer regionalen Entzugsklinik behandeln lassen.” Genau diese Kunden gehören zur Zielgruppe von Cabin-Geschäftsführer Lewis: "Unsere Klientel sind hochrangige Manager, Anwälte oder Ärzte. Wenn sie zu uns kommen, können sie ihren Kunden und Kollegen erzählen, dass sie in Thailand Urlaub machen und müssen nicht befürchten, dass sie Bekannten über den Weg laufen."

Absolute Vertraulichkeit war auch für Stefan Schröder eines der wichtigsten Auswahlkriterien. Die Entscheidung sich überhaupt therapieren zu lassen, fiel äußerst kurzfristig. "Es gab diesen Moment der absoluten Hilflosigkeit, nach dem ich wusste: Ich muss etwas tun." Zwischen diesem Tag und seiner Ankunft bei The Cabin vergingen lediglich zwei Wochen. In den ersten Gruppenbesprechungen hielt sich Schröder noch zurück und hörte hauptsächlich zu. Erst nach zwei Tagen forderte der Therapeut ihn dazu auf, sich stärker zu öffnen. Schröder erzählte dann davon, wie er über die Jahre bemerkte, dass seine Abhängigkeit immer stärker wurde und ihm zunehmend beruflich im Weg stand: Die Qualität seiner Arbeit verschlechterte sich, Kritik war für ihn unerträglich, mit Kollegen kam es immer wieder zum Streit. "Umso mehr freute ich mich jeden Tag auf den Feierabend und darauf, dass ich trinken konnte", sagt er.

Das Zwölf-Stufen-Programm

Drogenkonsum als Belohnung oder Befreiung - bei der Therapie gehe es darum, die Patienten von diesem eingeübten Motivationssystem zu lösen, sagt Cabin-Cheftherapeut Alastair Mordey. Die Behandlung verläuft nach einem anerkannten Zwölf-Stufen-Programm. Zunächst sollen die Patienten eingestehen, dass sie ein Problem haben und später neue Verhaltensmuster erlernen.

Der Weg dorthin führte für Stefan Schröder über einen strikten Tagesplan: Frühstück um acht, Gruppentherapie bis halb zwölf, dann gemeinsamer Wassersport und Mittagessen. Am Nachmittag: Einzelgespräche, Massagen und Ausdauersport. Nach dem Abendessen hatte Schröder Zeit für eine Runde Pingpong, danach machte er sich an seine Hausaufgaben: Er musste ein Tagebuch führen und Mindmaps zeichnen. Das sollte die Gedanken ordnen. Sonntags war Pause: Schröder ging Fischen oder nahm an einem Elefantentrekking teil. Die Alkoholabstinenz machte ihm erst nach zwei Wochen zu schaffen: "Wäre ich in der Situation alleine gewesen, hätte ich wahrscheinlich wieder einen Rückfall bekommen."

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