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Manager Alkohol-Entzug unter Palmen

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Zugeschnitten für die Geschäftswelt

Ein Zimmer im Cabin Quelle: PR

Zwar dürfen Patienten an Therapietagen das Gelände der Entzugsklinik nicht verlassen, ganz abgeschottet sind sie aber nicht. Sowohl The Cabin als auch Dara erlauben Handygespräche in den Pausen und bieten in den Zimmer Breitband-Internet. "Wir wissen, dass unsere Klienten den Kontakt zu ihren Unternehmen nicht einfach einen Monat lang einstellen können", sagt Dara-Geschäftsführer Lockie.

Personalabteilungen haben Interesse

Indem sie sich auf die Bedürfnisse der Geschäftswelt einstellen, stoßen die Anbieter auch zunehmend auf Interesse in den Personalabteilungen großer Konzerne. "Den Unternehmen wird klar, dass sich Suchtprobleme ihrer Mitarbeiter spürbar negativ auf den wirtschaftlichen Erfolg auswirken", sagt Lewis. Mehrere Konzerne aus dem Energiesektor, der Finanz- und Telekommunikationsbranche hätten deshalb bereits Kooperationsvereinbarungen mit den Cabin-Betreibern unterzeichnet. Diese umfassen sowohl Seminare zur Prävention und Früherkennung von Suchtkrankheiten, aber auch Behandlungsplätze, die betroffenen Mitarbeitern zur Verfügung gestellt werden. Während amerikanische und asiatische Konzerne das Thema bereits umfangreich in ihre Personalkonzepte integriert hätten, werde in Europa der Drogenkonsum von Angestellten aber noch immer häufig tabuisiert, sagt Lewis.

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Tabuthema in Deutschland

Doch das Problem ist auch hierzulande akut: In Deutschland sind laut dem aktuellen Bericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung rund fünf Prozent aller Beschäftigten alkoholkrank. Experten schätzen den Schaden für die gesamte Volkswirtschaft auf jährlich über 25 Milliarden Euro. "Manager gelten wegen der hohen Arbeitsbelastung dabei als Risikogruppe. Im Gegensatz zu normalen Angestellten traut sich außerdem niemand, sie auf ein mögliches Suchtproblem anzusprechen", sagt die Suchtexpertin Bartsch.

Stefan Schröder zeigt sich im Rückblick zufrieden mit seiner Zeit in der thailändischen Entzugsklinik - auch wenn sie nicht ganz seinen Vorstellungen entsprochen hat: "Meine Erwartung war, dass ich da für einen Monat hingehe und hinterher geheilt bin." Zwar hat er seit dem Therapiebeginn in Chiang Mai keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken. Aber geheilt fühle er sich dennoch nicht. Den Kampf gegen die Sucht sieht Schröder heute als Prozess, der vielleicht sein ganzes Leben dauern werde. "Ich habe das Problem nicht bewältigt, ich habe es lediglich momentan im Griff."

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