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Mehr Erfolg mit Englisch
Die Redewendung „Sprung ins kalte Wasser“ verstehen nur deutschsprachige Menschen. Quelle: dpa

Achtung Sprachfallen! Wie erklären Sie auf Englisch „den Sprung ins kalte Wasser“ und andere Übergänge im Leben?

Der „Sprung ins kalte Wasser“ steht für die Momente im Leben, die Mut erfordern – beruflich und privat: eine neue Aufgabe, der Umzug in eine andere Stadt, eine neue Beziehung. Nicht jedem gelingen diese Übergänge – schon gar nicht auf Englisch!

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Wer in deutscher Sprache an einem Bewerbungsgespräch teilnimmt, darf sich nicht wundern, wenn auf einmal umgeschaltet wird: in den Englischbetrieb! Ich möchte behaupten, dass es in vielen Unternehmen längst eine gängige Praxis ist – it is already common practice during job interviews.

Die Kandidatinnen und Kandidaten sollen beweisen, dass sie durch den eiskalten Sprachwechsel nicht ins Schwitzen geraten. Schließlich kann auch der berufliche Alltag jederzeit einen „Sprung ins kalte Wasser“ mit sich bringen: Momente in denen man gezwungen ist, unsere Lieblingsfremdsprache zu sprechen und ohne ausreichende Sprachkenntnisse leicht auf die Nase fällt – moments when you run the risk of falling flat on your face!

Es versteht sich von selbst, welche Reaktionen Bewerbern nicht weiterhelfen:
– gespielte Lässigkeit in High School Manier a la „Yeah!“, „Cool!“ oder „F*** that German shit!“
– total nice gemeinte, aber letztendlich verunglückte Sätze wie: „Hello in the round!“ Oder: „It’s super challenging to argue with you.“ (Merke: to argue bedeutet „streiten“.)
– falsch verstandene Floskeln wie „Ok, let’s talk English out of the box!“ Wer hier womöglich „aus dem Stegreif“ meint, sollte „Ok, let‘s improvise!“ sagen.

Die Wendung „out of the box“ erfordert etwas mehr Erklärung: In vielen Ländern – allen voran in den USA – hat sich „out-of-the-box thinking“ durchgesetzt, um „über den Tellerrand zu schauen“ oder „unorthodox zu denken“, also eine Suche nach originellen Ideen abseits der ausgetrampelten Pfade. Trotzdem ist – und bleibt! – es eine Verwechslung mit „outside the box“. Schließlich will man nichts „von der Stange“ (ready-made), sondern man will ja gerade außerhalb der Standardkiste suchen und finden: Let us think outside the box! Wer diesen Unterschied kennt, hat mehr Erfolg mit Englisch – solange man nicht gleich die halbe Welt korrigiert, vor allem nicht die Gastgeber im Vorstellungsgespräch!

Überhaupt verlaufen Jobinterviews ziemlich idiotisch, wenn es mit dem Englisch der Interviewer selbst nicht so weit her ist. Das kann damit beginnen, dass sie ihr nassforsches Vorhaben wörtlich übersetzen: „Let‘s jump into the cold water!“ Da mag Head of Human Resources auf der Visitenkarte des Herrn oder der Dame stehen – when it comes to their English, they are not ahead of the pack!

Was nun den „Sprung ins kalte Wasser“ betrifft – eine nützliche Redewendung, die nur deutschsprachige Menschen verstehen – lautet die beste englische Übersetzung: to jump, to dive oder to be thrown in at the deep end. Im Englischen prüft uns die tiefste Stelle im Becken oder im See, nicht die Temperatur des Wassers. Wichtig ist außerdem, die Redewendung nicht zu verwechseln mit to go off at the deep end. Es beschreibt, wenn jemand verrückt, wahnsinnig oder wütend wird, also gewissermaßen ausflippt.

Zurück im Bewerbungsgespräch ließe sich übrigens auch auffordern: Let‘s jump in at the deep end – and speak English! Noch natürlicher und umgangssprachlicher klingt allerdings: Let‘s try speaking English, let‘s jump right in – lass es uns einfach versuchen!

Damit wäre für einen Sprachwechsel gesorgt, den wirklich jeder versteht. Zugleich sind wir bei einem Thema angelangt, das uns über jedes Jobinterview hinaus das Leben lang beschäftigt: Übergänge! Von einer Situation zur anderen – a passing or passage from one condition, state of mind, action, subject or place to another – mal nahtlos (seamless), mal kontinuierlich (steady) oder mal als harter Schnitt wie der Sprung ins kalte Wasser (abrupt).

Es sind die Phasen, in denen wir uns ändern, in denen wir etwas verändern oder in denen sich die Welt um uns herum verändert. Außerdem bilden Übergänge die Voraussetzung für Wachstum und Fortschritt – they are inevitable for growth and progress. Gleichzeitig ist es nicht immer leicht darüber auf Englisch zu sprechen, weil es eine ganze Menge unterschiedlicher Ausdrücke gibt. Damit Sie nicht den Überblick verlieren oder gar den Übergang vermasseln, hier eine – hoffentlich – hilfreiche Zusammenfassung:

change: Der Inbegriff für jeden Übergang – und zugleich etwas paradox. Denn wir kennen change im Kleinen, konkret und schnell, als Umtausch, Austausch oder Wechsel (change money, clothes, languages etc.). Und wir kennen ihn im Großen, wenn sich der Übergang unheimlich Zeit lässt und kaum greifbar ist: als Umbruch, Wendung und Wandel. Dann muss man ihn manchmal durchstehen, ohne die Entwicklung wirklich beeinflussen zu können. Man denke an climate change, an das oft zeitaufwändige change management oder an andere fundamentale Entwicklungen, die man akzeptieren muss: their ill child brings colossal changes to their life. Dasselbe gilt für neue Jobs oder Partner: Getting employed/married fundamentally changes a bachelor’s life. Und die Aufforderung „You will have to change!“ macht die ganze Bandbreite deutlich, weil sie vom Individuum viele kleine und rasche sowie ein paar große und langsame Schritte verlangt: eine neue Brille und neue Klamotten vielleicht – und obendrauf eine neue Haltung!

transition: Ein Begriff, der Übergänge und Veränderungen als Prozesse beschreibt: politisch, gesellschaftlich wie auch privat und individuell – with the new president, politics in the US is undergoing a transition; hit by climate change our lives are now in sharp transition; seeking a new job is very often a difficult period of transition. Für reibungslose Übergänge sorgen auch viele Wortverbindungen: transition areas, periods, stages, zones etc.

shift: Ein effizienter, oft plötzlicher Übergang, der nicht so groß angelegt sein muss wie change oder transition und den wir als technisches Umschalten, als Verlagerung und Verschiebung kennen. Zum Beispiel im Auto in den nächsten Gang – shifting gears/gear shift. Auch der Sprachwechsel im Jobinterview könnte so bezeichnet werden: shifting languages/a language shift. Shifting clothes, partner, jobs würde hingegen bedeuten sie zu verschieben und loszuwerden, zum Beispiel durch Verkauf – oder unschönere Maßnahmen.

segue: Die Besonderheit dieses Übergangs liegt schon in der Aussprache. Sie gleicht dem Namen des sonderbaren Fahrzeugs „Segway“, das seinem Investor Jimi Heselden im Jahr 2010 den Übergang in den Tod bescherte. Segue ist in kreativen Berufen ein gängiger Ausdruck für den Übergang von Szenen, Sequenzen und Sinnzusammenhängen. Schriftsteller und Regisseure arbeiten mit segues genauso wie Journalisten und Werber. Bisher nie gehört? Das wird sich ändern!

crossover: Auch diesen Übergang kennen wir aus den Künsten, aber auch aus der Küche. Es ist ist die Kreuzung verschiedener Techniken und Richtungen: zum Beispiel in der Architektur und im Design, der Musik, im Kino oder Theater, in der Malerei, der Fotografie oder auf der Speisekarte. Meist dient crossover als Einordnung und Beschreibung des Typus’ oder des sogenannten Genres: a crossover between classical music and pop; a postmodern crossover; a crossover of Asian and European cuisine.

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blending: Der fließende Übergang, den Aquarellfarben oder Mixgeräte herstellen können. Zum Beispiel von einem iPad zum Siliconpulver – ein Übergang, den niemand rückgängig machen kann und ein sehenswerter Klassiker des Übergangs zum Online Marketing: viel Spaß!

Peter Littger beschäftigt sich seit Langem mit deutsch-englischen Sprachverwirrungen und ist Autor unter anderem der Bestseller-Buchreihe „The Devil lies in the Detail – Lustiges und Lehrreiches über unsere Lieblingsfremdsprache“. Sie können Peter Littger auf Instagram und Twitter folgen.

Mehr zum Thema: Englisch ohne Missverständnisse könnte leicht sein, würden wir nicht Wörter wie „Mobbing“ verwenden, die eine ganz andere Bedeutung haben – oder die es gar nicht gibt! Wie Sie diese Sprachfallen vermeiden können.

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