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Mehrarbeit in Zeiten von Corona Neun Dinge, die Sie zu Überstunden wissen sollten

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Bezahlung, Nachweis und wann es vor Gericht geht

5. Wie hoch werden Überstunden bezahlt?

Werden Überstunden vergütet, greift meist der übliche Stundenlohn. Einen grundsätzlichen Anspruch auf Überstundenzuschläge gibt es nicht. Sie können aber als Anreiz in Tarif- und Arbeitsverträgen oder in Betriebsvereinbarungen festgelegt werden. „Der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst sieht zum Beispiel in Abhängigkeit von der Entgeltgruppe Zuschläge von 15 Prozent oder 30 Prozent vor“, sagt Verma.

6. Ist Bezahlung immer besser?

Hat der Arbeitnehmer die Wahl zwischen bezahlten Überstunden oder Freizeitausgleich, lohnt sich ein Rechenexempel. Ein höheres Gehalt ist verlockend. Hier muss aber geprüft werden, ob das Plus beim Bruttolohn womöglich durch höhere Steuersätze aufgefressen wird. In dem Fall wären freie Tage lohnenswerter. Im Gegenzug erhöhen die für Überstunden abgezogenen Sozialausgaben den Rentenanspruch.

7. Gibt es einen Anspruch auf Überstunden?

Manche Arbeitnehmer wollen sogar Überstunden schieben. Sie bessern damit ihr Gehalt auf, haben mehr Zeit für ein wichtiges Projekt oder stärken womöglich ihre Position im Unternehmen. Beschäftigte bestehen besonders dann auf Überstunden, wenn sie in der Vergangenheit fest mit diesen Mehreinnahmen rechnen konnten. Einen Anspruch auf Mehrarbeit gibt es in der Regel jedoch nicht. Eine Ausnahme könne laut DGB Rechtsschutz allenfalls dann bestehen, „wenn die geleisteten Überstunden in der Vergangenheit so regelmäßig angefallen sind, dass beide Parteien des Arbeitsvertrags von einer stillschweigenden Veränderung der im Arbeitsvertrag festgelegten Arbeitszeit ausgehen. Hier sind die Hürden allerdings sehr hoch.“

8. Wie sollte ich Überstunden nachweisen?

Noch ist unklar, wann genau die flächendeckende Zeiterfassung in deutschen Betrieben kommt. Vor der Einführung kann es für Arbeitnehmer schwierig sein, geleistete Überstunden nachzuweisen. Klagen vor Gericht scheitern oft an fehlenden Belegen. „Arbeitnehmer sollten Überstunden stets dokumentieren, um für ein Gespräch mit dem Arbeitgeber oder einen Rechtsstreit vorbereitet zu sein“, rät Verma. Es empfiehlt sich, Anzahl, Zeitpunkt und Anlass der Überstunden zu notieren. Und vom Arbeitgeber abzeichnen zu lassen, wie Verma betont.

9. Was muss ich bei einer Klage wegen Überstunden beachten?

Mehrarbeit und Überstunden sorgen regelmäßig für Prozesse vor Arbeitsgerichten. Hier kann es für Betroffene schnell um große Summen gehen – etwa, wenn sie sich nach einer Kündigung Dutzende, wenn nicht gar Hunderte von Überstunden bezahlen lassen wollen. Der detaillierte Nachweis über die erbrachte Mehrarbeit ist dabei nur eine Voraussetzung, um diese Vergütung durchzusetzen.

Insbesondere eine Billigung lässt sich schwer beweisen. DGB-Rechtsschutz rät: „Deshalb sollten möglichst mehrere KollegInnen in einem Gedächtnisprotokoll festhalten, was ihre ArbeitgeberInnen gesagt oder wie sie sich verhalten haben.“ Um eine Duldung zu belegen, sollten Betroffene Anhaltspunkte und Beweismaterial sammeln, die zeigen, dass der Arbeitgeber von Überstunden wusste und nicht gegen weitere Mehrarbeit vorgegangen ist. Heimliche Fotos oder Videos sind hier allerdings nicht zulässig und können zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen führen.

Häufig scheitern berechtigte Klagen allein an den Ausschlussfristen. Sie regeln in vielen Arbeits- und Tarifverträgen, dass Ansprüche in bestimmten Zeiträumen geltend gemacht oder eingeklagt werden müssen. Wer mit dem Gang zum Gericht bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses wartet, hat dann womöglich bereits verloren. „Deshalb sollten Sie unbedingt Ihren Arbeits- oder den für Sie geltenden Tarifvertrag daraufhin untersuchen, ob Ausschlussfristen enthalten sind“, rät der DGB.

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