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  4. Was für einen Job bei der Bundeswehr spricht und was man in der Truppe verdienen kann

Mit Bachelor zum OffizierLohnt sich ein Job bei der Bundeswehr?

Die Zeitenwende braucht MINT-Absolventen. Sie haben zwar in der Privatwirtschaft meist bessere Verdienstaussichten. Dennoch spricht einiges für den zivilen oder gar militärischen Dienst in der Truppe.Nina Jerzy 27.08.2022 - 15:29 Uhr

Mit Bachelor zum Offizier: Bundeswehr wirbt um mathematische und naturwissenschaftliche Absolventen.

Foto: Bundeswehr

Die Bundeswehr startet im Kampf um Nachwuchskräfte jetzt eine Offensive: Erstmals seit Jahren wirbt die Truppe im Fernsehen um Bewerber. Der Slogan lautet: „Wir schützen Deutschland“. Bereits im Frühjahr waren Kinogänger vor dem Blockbuster „Top Gun: Maverick“ mit gewagten Kampfjetszenen aufgefordert worden, doch über einen Job bei der Bundeswehr nachzudenken.

Der Spot dürfte einen Nerv treffen: Die öffentliche Stimmung hat sich seit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine und der von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) proklamierten Zeitenwende gedreht. In einer ZDF-Umfrage sprachen sich im Sommer nur noch 19 Prozent der Teilnehmer gegen eine Beteiligung Deutschlands an internationalen Friedenseinsätzen aus – fast halb so viele wie noch 2010.

Die Bundeswehr sucht nun in erster Linie Absolventen der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Aber diese hochqualifizierten Nachwuchstalente werden auch von der Privatwirtschaft umworben. Lohnt sich also für sie ein Job bei der Truppe? Auf den ersten Blick nicht unbedingt, meint Falk Runge, früher Kompaniechef bei der Bundeswehr, jetzt Partner bei der Personal- und Managementberatung Kienbaum. Er stellt fest: „Die Bundeswehr hat schon größte Mühe, ihre eigenen teuer und durchaus gut akademisch ausgebildeten Offiziere als Berufsoffiziere langfristig zu binden.“

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Direkteinstieg als Offizier

So plagt die Bundeswehr seit Jahren ein Fachkräfteproblem. Sie versucht gegenzusteuern. Ein wichtiger Faktor war dabei die Reform der Offiziersausbildung. Externe Fachkräfte mit Hochschulabschluss haben seit 2020 die Möglichkeit, auch ohne vorherige Erfahrung an der Waffe direkt als Offizier eingestellt zu werden. Sie müssen die militärische Ausbildung dann nachholen.

Mit dieser Veränderung sollte das Bild vom Offizier als vorrangig militärischem Anführer hin zur hochspezialisierten Fachkraft erweitert werden – und das Einstiegsgehalt für die gefragten Talente konkurrenzfähiger werden. „Wenn ein Spezialist bei BMW monatlich 7000 Euro verdient, kann die Bundeswehr mit den starren Vorgaben für Beförderungen im Beamtenrecht nicht mithalten“, sagt ein Insider. „Der militärische Bereich bietet da sehr viel mehr Freiraum, um neue Mitarbeiter bei der Besoldung sofort höher einzustufen.“
Doch auch das kann den Ex-Offizier Runge nicht wirklich überzeugen. „Für die allermeisten hochqualifizierten Fachkräfte hat die Bundeswehr ganz grundsätzlich eine eher geringe Attraktivität, weil sie in Sachen Gehalt im Vergleich zur Privatwirtschaft nicht konkurrenzfähig ist“, meint der Berater. Diese umworbenen Fachkräfte ließen sich meist auch nicht mit der Aussicht auf einen Beamtenstatus ködern. Denn letztlich sind die Gehälter von Beamten des Bundes, zu denen Soldaten zählen, durch die Besoldungsgruppen gedeckelt.

Die allermeisten Beamten und Soldaten fallen in die Besoldungskategorie A. Sie reicht in diesem Jahr von 2371 bis 8100 Euro brutto pro Monat. Für die Besoldungsgruppe B muss die Karriere bis in den Aufgabenbereich des Verteidigungsministeriums führen. Hier liegen die Grundbezüge pro Monat bei rund 7250 bis 15.100 Euro. Hinzu kommen etwaige Aufschläge, beispielsweise für Soldaten mit Kindern.

Bonus für Soldaten

Bei der Truppe sieht man die Gehaltsfrage naturgemäß etwas anders. „In vielen Bereichen sind wir mit der Besoldung durchaus konkurrenzfähig“, sagt ein Sprecher der Bundeswehr in Köln. Er verweist auf geringere Abzüge als bei den meisten Angestellten in der Privatwirtschaft, sodass netto mehr vom Brutto bleibt. Aber auch er muss einräumen: In bestimmten technischen Berufen steht die Truppe im Wettstreit mit zahlreichen und nicht selten prestigeträchtigeren Unternehmen. Hier schöpfe die Bundeswehr alle Möglichkeiten aus, um mit Zulagen oder Prämien qualifiziertes Personal zu gewinnen und zu binden. So gewährt die Bundeswehr beispielsweise im Bereich IT einigen Bewerbern einen monatlichen Bonus von bis zu 1000 Euro.

Lesen Sie auch: Karriere bei der Bundeswehr – Wen sucht die Truppe?

Geld ist für immer mehr Arbeitnehmer aber längst nicht mehr alles. „Nicht zuletzt die Pandemie hat gezeigt, dass Beschäftigungsverhältnisse im öffentlichen Dienst verlässlicher sind als die in der Wirtschaft und der Industrie, die in Teilen von Kurzarbeit bis hin zu Insolvenzen und Schließungen betroffen waren“, betont der Bundeswehrsprecher. Bei seinem Arbeitgeber winkt hingegen ein Job auf Lebenszeit. Wer mit einem Bachelor oder Master bei der Bundeswehr anfängt, habe gute Chancen auf eine Verbeamtung.

Dies kann je nach Qualifikation und Berufserfahrung sofort oder nach einer Probezeit geschehen. Beamte im zivilen Bereich der Bundeswehr, also bei der Bundeswehrverwaltung, sind laut dem Sprecher in der Regel ebenfalls Beamte auf Lebenszeit. Vor dieser Stufe gibt es Beamte auf Probe oder Beamte auf Widerruf. „Tarifbeschäftigte haben in der Regel die im öffentlichen Dienst übliche Arbeitsplatzsicherheit durch unbefristete Arbeitsverträge“, so der Bundeswehrsprecher. 

Der Staat will begehrte Nachwuchskräfte zudem durch gute Arbeitsbedingungen von sich überzeugen. Homeoffice, Teilzeit oder Vier-Tage-Woche werden grundsätzlich angeboten, hängen aber vom jeweiligen Dienstposten ab. Das muss auch der einstige Kompaniechef und heutige Berater Runge mal loben: „In Sachen Flexibilität und Familienfreundlichkeit hat die Bundeswehr zuletzt durchaus Fortschritte gemacht.“ Dafür droht seiner Ansicht nach bei der Bundeswehr aktuell eine Arbeitsbelastung der anderen Art.

In den Achtziger- und Neunzigerjahren hätten die sporadischen Auslandseinsätze gut auch vom Technischen Hilfswerk übernommen werden können. Heute müssten sich Rekruten hingegen real auf weltweite Kampfeinsätze einstellen. „Das ist dann schon eine besondere Form von Work-Life-Balance“, gibt der Ex-Militär zu bedenken. „Die Zeiten, wo man sich weitgehend gefahrlos im Glanz seiner Sterne auf den Schulterklappen sonnen konnte, sind definitiv vorbei.“

Ein Job auf Lebenszeit

Wann lohnt es sich, Beamter zu werden?

von Nina Jerzy

Soldaten müssen generell zu Auslandseinsätzen bereit sein. Zivile Beamte oder Angestellte werden nur dann entsandt, wenn sie sich freiwillig melden. Aber auch innerhalb Deutschlands müssen Bundesbeamte notfalls mobil sein. „Eine Versetzung auf einen gleichwertigen Dienstposten ist aus dienstlichen Gründen grundsätzlich möglich“, betont der Bundeswehrsprecher. Der Betroffene werde vorher jedoch immer angehört. „Es liegt im Interesse der Bundeswehr, dienstliche und private Belange ihrer Beschäftigten bestmöglich in Einklang zu bringen“, versichert der Sprecher. „Aufgrund der Vielzahl von Standorten im Bundesgebiet gelingt dies auch weitestgehend.“ Versetzungen aus betrieblichen Gründen seien grundsätzlich auch bei Tarifbeschäftigten möglich.

Die Bundeswehr wirbt zudem mit intensiver Aus-, Fort- und Weiterbildung sowohl von Soldaten als auch zivilen Mitarbeitern. „Sofern sich ein Soldat oder eine Soldatin entschließt, die Bundeswehr nach der Verpflichtungszeit zu verlassen, kümmert sich die Bundeswehr auch hier intensiv um eine weiterführende Qualifikation und die anschließende Integration in die zivile Arbeitswelt“, versichert der Bundeswehrsprecher.

Ein Zwischenstopp bei der Truppe kann deshalb durchaus im Lebenslauf zum Pluspunkt werden, bestätigt Runge: „Die Bundeswehr steht seit Jahrzehnten in dem guten Ruf, eine sehr fundierte und qualifizierende Führungskräfteausbildung zu gewährleisten. Absolventen werden früh an große Verantwortung herangeführt. Fähigkeiten wie strategisches und taktisches Denken, hohe Belastbarkeit und Stressresistenz kommen hinzu. Das ist in nahezu allen Bereichen der Privatwirtschaft nach wie vor sehr gefragt.“ Früher konnte eine Station bei der Bundeswehr bei einigen Arbeitgebern durchaus als Nachteil ausgelegt werden. Das hat sich nach Ansicht Runges infolge der russischen Invasion in der Ukraine geändert.

Krieg erhöht Interesse an der Bundeswehr

Ohne eine große Portion Idealismus geht es laut Runge bei der Bundeswehr nicht. Gerade dieser Anspruch könne aber aktuell zum Pluspunkt im Werben um junge Fachkräfte werden. „Die Bundeswehr verteidigt unsere Freiheit und unsere Werte und sorgt – wie auch die Polizei oder Feuerwehr – dafür, dass wir alle ruhiger schlafen können“, sagt der Karriereberater. Er erwartet, dass mehr junge Menschen sich dafür engagieren möchten. „Es dürfte gerade nach der imperialistischen, völkerrechtswidrigen Aggression Russlands gegenüber der Ukraine so manchen geben, der sich deshalb für die Bundeswehr entscheidet.“

Ob das das Fachkräfteproblem bei der Truppe lösen kann? Runge hat seine Zweifel. Für ihn war die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht ein strategischer Fehler. „Eins hat man zwangsläufig leider gleich mit abgeschafft: nämlich die große Gruppe regelmäßig 'nachwachsender' Talente“, bilanziert er. „Die Bundeswehr hat in der Folge sicher mit vielen konkreten Reformen und Maßnahmen zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität punkten können. Aber diesen immensen, natürlichen Vorteil wird sie niemals wettmachen können.“
Zwar verschafft das Sondervermögen über 100 Milliarden Euro der Bundeswehr auch als Arbeitgeberin mehr Aufmerksamkeit. Zusätzliche Posten entstehen dadurch aber bislang nicht. Bei der Zeitenwende gehe es zunächst um die materielle Einsatzbereitschaft, sagt der Bundeswehrsprecher. Die Bundeswehr teilt auf Anfrage mit, dass 2021 rund 300 externe Hochschulabsolventinnen und -absolventen in eine militärische Laufbahn eingestellt wurden. Insgesamt zählt die Truppe aktuell rund 182.100 Soldaten.

Grundlegende Änderungen bei der Besoldung sind somit nicht zu erwarten. Beim Werben um Nachwuchskräfte würde sich Runge eine „klare, ehrliche Ansagen“ wünschen. Dazu gehöre, offen darzulegen, was Bewerber erwartet, nicht nur in finanzieller Hinsicht. „Das vermeidet Missverständnisse beziehungsweise eine verklärte Soldatenromantik.“

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