Mitarbeiterbindung Zufriedenheit ist kein Garant für Loyalität

Ist die Zufriedenheit mit dem Job ausschlaggebendes Kriterium dafür, ob Arbeitnehmer ihrem Job treu bleiben? Eine aktuelle Studie sagt nein. 27 Prozent sind regelmäßig auf Jobsuche - obwohl sie zufrieden sind.

Elf Strategien für mehr Motivation am Arbeitsplatz
Die Gründe für Motivationstiefs können vielfältig sein – umso wichtiger ist es, die Ursachen zu reflektieren, sie zu verändern oder zu kompensieren. Die Haufe-Akademie beschreibt 11 Strategien, die dabei helfen sollen. Je nach Persönlichkeitstypus greifen dabei verschiedene Methoden und sogenannte Motivationsverstärker: Ein Mensch, der impulsiv reagiert und oft bildlich denkt, benötigt Motivationstechniken, die mit Imagination und Visualisierung arbeiten. Für rational handelnde Personen eignet sich hingegen eher eine analytische Vorgehensweise. Quelle: dpa
1. Reflektieren: Wo liegen die Ursachen?Woher kommt das Motivationstief: Liegt es an der Stimmung im Team? Wünschen Sie sich mehr Austausch mit Kollegen oder Vorgesetzten? Macht Ihnen Zeit- oder Konkurrenzdruck zu schaffen? Bekommen Sie nicht genügend Anerkennung für Ihre Leistung? Oder sind Sie mit Ihrem Arbeitspensum permanent am Limit? Die Ursachenforschung erfordert natürlich etwas Zeit und genaues Nachdenken, um die mutmaßlichen Faktoren ausfindig zu machen. Am besten legen Sie die Punkte schriftlich nieder, so gewinnt Ihr Problem Struktur. Quelle: dpa
2. Kompetenzen aneignen und erhöhenHaben Sie das Gefühl, Ihre Leistungen und Engagement werden nicht genug gewürdigt? Dann sollten Sie unbedingt das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten suchen. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Stärken und belegen Sie Ihrem Vorgesetzten, wie das Unternehmen von Ihrer Arbeit profitiert. Um mehr Anerkennung zu erlangen, bietet es sich außerdem an, sich weiter zu qualifizieren. Natürlich müssen Sie Ihr Vorhaben zuerst mit Ihrem Vorgesetzten besprechen, schließlich investiert Ihr Unternehmen in Sie. Außerdem gibt es staatliche Fördermaßnahmen, die Sie in Anspruch nehmen könnten. Quelle: dpa
3. Umfangreiche Projekte in Arbeitsschritte einteilenEinen gewaltige Berg Arbeit vor sich zu sehen ist zunächst mal fast immer deprimierend. Hilfe bietet gutes Zeit- und Projektmanagement. Um nicht den Überblick über bereits geleistete Arbeit zu verlieren, sollten umfangreiche Aufgaben in mehrere Schritte unterteilt werden. Das Projekt wird so einerseits übersichtlicher, zum anderen winkt ein kleines Erfolgserlebnis, sobald ein Arbeitsschritt abgehakt ist. Außerdem gelangen Erfolge auf diese Weise immer wieder ins Bewusstsein. Hat sich schon ein bestimmtes Handlungsmuster eingebürgert, sollte dieses noch einmal auf Schwachstellen überprüft werden, rät die Haufe-Akademie. Oft hilft es auch, Stress als Herausforderung zu betrachten. Wer es trotz Trubel und Hektik schafft, mit kühlem Kopf ein Projekt zu steuern, der kann mit Recht stolz auf sich sein. Generell ist es hilfreich, sich Grundlagen im Projektmanagement anzueignen, um von erprobten Methoden zu profitieren. Quelle: dpa-tmn
4. Visualisierung von Teilschritten, Erfolgen und ZielenUm motiviert zu bleiben, ist es hilfreich sich den fortlaufenden Prozess der Arbeit stets vor Augen zu führen - mit Hilfe von Tabellen, Grafiken, Zeichnungen. Das zeigt nicht nur Ihnen selbst, wie weit Sie gekommen sind, sondern auch den Kollegen und Vorgesetzten. Visualisierung bedeutet aber auch, geistige Bilder entstehen zu lassen. Denn Imaginationen setzen Anker im Unterbewusstsein fest. Je realistischer die Vorstellung gelingt, desto größer ist die Motivation. Quelle: Getty Images
5. Selbstwürdigung und SelbstbelohnungOhne Rückmeldung über geleistete Arbeit sinkt die Motivation. Wenn Chefs ihre Mitarbeiter dagegen loben, steigern sie deren Leistungsbereitschaft. Doch nicht jeder Vorgesetzte zeigt sein Lob in Worten, nicht immer erkennen wir Zeichen der Anerkennung. Eventuell fragen Sie Ihren Vorgesetzten einfach, was er oder sie von Ihrer Arbeit in den letzten Wochen hält. Gleichzeitig können Sie sich auch selbst helfen: Laut aktueller Studien spielt es keine Rolle, ob die Anerkennung von außen erfolgt, also durch Vorgesetzte und Kollegen, oder von innen durch einen selbst, so die Haufe-Akademie. Sorgt der Chef nicht für positives Feedback, dann belohnen Sie sich selbst mit einem guten Essen oder einem Shoppingbummel. Quelle: Getty Images
6. Autosuggestion mittels positiver FormulierungenDas letzte Projekt ist gründlich schiefgegangen? Das Motivationsloch tut sich auf. Wir setzen einen Fehler mit Versagen gleich, lassen negative Gedankenschleifen à la „ich kann das nicht“ zu. Man sollte sich jedoch davor hüten, seine Fähigkeiten nach einzelnen Rückschlägen gänzlich in Frage zu stellen. Fehler passieren und haben auch eine gute Seite: den Lerneffekt. Beim zweiten oder dritten Durchgang lässt sich eine Aufgabe meist besser lösen als beim ersten Mal. Lieber denken: „Ich schaffe das!“ Quelle: Getty Images

Das Portal Careerbuilder hat mehr als 1000 deutsche Arbeitnehmer befragt, ob sie mit ihrem Job zufrieden sind und warum. Die gute Nachricht für Arbeitgeber: 66 Prozent der Befragten gaben an, zufrieden beziehungsweise sehr zufrieden in ihrem Job zu sein. Schaut man sich bestimmte Job-Aspekte an, so variiert der Zufriedenheitsgrad, bleibt aber insgesamt positiv. Zwei Fünftel aller Arbeitnehmer (42 Prozent) gaben an, “zufrieden” oder “sehr zufrieden” mit den beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber zu sein, ein Fünftel (20 Prozent) ist “unzufrieden” oder “sehr unzufrieden“. Was die Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten betrifft, so sind fast die Hälfte (47 Prozent) „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“ mit ihren Optionen. Nur 12 Prozent gaben an, „unzufrieden“ zu sein. Die meisten Arbeitnehmer haben auch im Bereich der Work-Life-Balance wenig zu beanstanden: 65 Prozent der Arbeitnehmer sind “zufrieden” oder “sehr zufrieden”, während nur einer von zehn (10 Prozent) “unzufrieden” ist.

Was die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigert

Aber: Nur weil jemand mit seinem Chef und den Kolegen zufrieden ist und auch beim Gehalt nichts zu meckern hat, heißt das noch lange nicht, dass derjenige seinem Arbeitgeber treu bleibt. Laut der Studie geben mehr als ein Viertel (27 Prozent) an, regelmäßig nach neuen Herausforderungen zu schauen, selbst wenn sie derzeit fest angestellt sind. “Da sich der Arbeitsmarkt öffnet und neue Möglichkeiten entstehen, beginnen Arbeitnehmer damit, ihre Chancen zu prüfen – fast ein Drittel der Arbeitnehmer schauen regelmäßig nach neuen Herausforderungen, obwohl sie zufrieden sind“, so Rosemary Heafner, Leiterin Human Resource bei CareerBuilder.

Trotzdem sollten Unternehmen die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter nicht aus den Augen verlieren. So zeigt nämlich eine Studie der Unternehmensberatung Hay Group, dass es bei der Mitarbeitermotivation in einigen Betrieben noch hapert. Die Studie analysiert das Engagement und die Motivation der Mitarbeiter deutscher Unternehmen auf Basis der Daten von 240.000 Arbeitnehmern aus 75 Unternehmen. In der Mehrzahl der Kategorien sind die Werte im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen – ein nicht zu unterschätzendes Warnsignal.

"Noch nie haben sich die Marktbedingungen und das Geschäftsumfeld von Unternehmen so schnell und so grundlegend verändert wie heute. Diese Veränderungen haben immense Auswirkungen auf das Engagement und die Motivation der Mitarbeiter", sagt Michael Träm, Geschäftsführer der Hay Group. "Wenn sich die Unternehmen an die neue Gegebenheiten anpassen, müssen sie ihr wichtigstes Kapital – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – auf diesem Weg mitnehmen."

In Arbeit
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So seien beispielsweise Weiterbildungen und eine klare Kommunikation der Schlüssel, um Mitarbeiter zu motivieren. Allerdings sind immer noch 60 Prozent (2013: 65 Prozent) der Mitarbeiter in deutschen Unternehmen der Ansicht, dass Sie nicht genügend Zeit für Weiterbildungen haben. 45 Prozent finden, dass ihr Unternehmen nicht offen und ehrlich über Veränderungen kommuniziert – eine Verbesserung zum Vorjahr (2013: 54 Prozent).

Viele fühlen sich nicht ausreichend bezahlt

Hinzu kommt, dass es eine gefährliche Lücke zwischen Leistung und Vergütung gebe: 70 Prozent der befragten Mitarbeiter haben den Eindruck, dass keine klare Verbindung zwischen ihrer Leistung und ihrer Vergütung erkennbar ist. "Die hohe Zahl der Mitarbeiter, die das Gefühl haben, für ihre Arbeit und ihren Einsatz nicht ausreichend bezahlt zu werden, stellt für Unternehmen ein großes Risiko dar", sagt Dr. Träm.

"Unzufriedene Mitarbeiter können ihre Fähigkeiten im Internet viel einfacher und besser darstellen als vor der Digitalisierung – die Hürden für den Jobwechsel sind viel geringer als in der Vergangenheit." Allerdings heiße das nicht unbedingt, dass sich die besagten 70 Prozent für unterbezahlt halten, so Katrin Heinold von der Hay Group. Das sei "nur" bei 30 Prozent der Fall. Der Rest seien Leute, die ihre Performance bewusst limitieren, weil sie davon ausgehen, dass es nicht honoriert wird wenn sie mehr leisten. Wer von seinen Mitarbeitern also mehr will, als nur Dienst nach Vorschrift, muss ihnen eventuelle Mehrarbeit auch in irgendeiner Weise bezahlen.

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