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Motivation So werden Sie mit dem verdammten Montag fertig

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Noch schlimmer, als montagsmorgens zu arbeiten? Gar nicht zu arbeiten!

Ein wenig Hoffnung darauf besteht ohnehin: Mit zunehmender Flexibilisierung von Arbeitszeiten, Gleitzeit, Homeoffice-Regelungen und vereinzelt auch der Verkürzung der Vollzeit von acht auf sechs oder sieben Stunden haben Arbeitnehmer in vielen Branchen schon jetzt mehr Hoheit darüber, wie sanft sie in die neue Woche starten können und wollen. Wie der ideale Übergang aussehen sollte, ist individuell verschieden. Fest steht laut Geißler nur: „Wenn Sie keinen Übergang haben, macht das schlechte Laune.“

Nun werden Arbeitnehmer nicht in jeder Branche mit besagten Flexibilitäts-Goodies beglückt. Auch heute noch gibt es Schichtarbeiter an Maschinen, und während die Flexiblen sich noch entspannt ihr Croissant beim Bäcker holen, stehen die VerkäuferInnen dort natürlich schon seit frühester Frühe für die Kunden bereit. Bleibt für diejenigen, die keine Wahl haben, als Trost nur der entsprechend frühere Feierabend?

Der Bielefelder Arbeitspsychologe Tim Hagemann sieht eine Möglichkeit darin, sich vor Augen zu führen, was einem an der Arbeit Spaß macht. „Oder dass sie dafür sorgt, dass man sich seinen Lebensunterhalt verdient.“ Er weist außerdem auf das ungleich größere Übel hin: „Keine Arbeit zu haben, ist der größte Stressor überhaupt. Die höchsten Stresswerte haben Langzeitarbeitslose. Es ist in unserer Gesellschaft sehr wichtig und man identifiziert sich darüber, in Arbeit zu sein.“ Trotzdem, gibt Hagemann zu, mache Arbeit natürlich nicht immer nur Spaß.

Um sich zu motivieren, helfe die Kunst des Belohnungsaufschubs. „Es ist ja nicht nur die Arbeit, für die wir uns manchmal schwer motivieren können“, sagt Hagemann. Auch der Besuch im Fitnessstudio könne große Überwindung kosten. Da helfe es, daran zu denken, wie groß die Zufriedenheit nach dem Sport sein werde. „Wenn ich mich auf die positiven Gefühle fokussiere, die mit der Zielerreichung verbunden sind, dann fällt die Motivation leichter.“

Auch Arbeitgeber könnten einiges dazu beitragen, um ihren Mitarbeitern den Übergang von Freizeit auf Arbeitszeit zu erleichtern, sagt Hagemann: „Wichtig für die Befindlichkeit der Mitarbeiter ist generell, dass die Arbeit gut zu leisten ist. Ein gutes Arbeitsklima und ausreichende Unterstützung, angemessene Bezahlung, klare Zielvorgaben und Wertschätzung sind außerdem wichtig.“

Beim Blick in eine mögliche bessere Zukunft sieht auch der Arbeitspsychologe die Lösung aber eher darin, die psychologisch ungünstige Gedankendichotomie „gute Freizeit – blöde Arbeit“ möglichst aufzulösen. „Die Frage, wie viel man arbeitet, ist ein wichtiger Faktor. Es ist sicher zu überlegen, ob nicht insgesamt weniger gearbeitet werden sollte beziehungsweise, ob man über flexiblere Arbeitszeitregeln nachdenkt“, sagt Hagemann. Wenn es zumindest phasenweise möglich wäre, nur an vier Tagen zu arbeiten, wäre dies der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie der Beschäftigungsfähigkeit bis zum Alter von 67 Jahren sehr zuträglich, glaubt der Wissenschaftler.

Der Trend geht derzeit – zumindest bei den Mittel- und Besserverdienern – in diese Richtung. Vor die Wahl gestellt, ob sie mehr Freizeit oder mehr Geld wollten, votierten große Teile von befragten Bahnmitarbeitern und Beschäftigen in der Metallindustrie für die Zeit und gegen das Geld. Bei der Bahn entschieden sich 2017 mehr als die Hälfte für mehr Urlaubstage statt Gehaltserhöhung. Die IG Metall hat in diesem Jahr eine Befragung unter den Beschäftigten durchgeführt, die ebenfalls zwischen Sonderzahlung und mehr Urlaub wählen können. Auch hier zeigte sich, dass die Urlaubstage als deutlich wertvoller betrachtet wurden. Unter Schichtarbeitern wählten laut IG Metall sogar 80 bis 90 Prozent die Freizeitoption.

Bis wir alle nur noch 30 Stunden in Vollzeit arbeiten, welche wir tiefentspannt auch noch selbstbestimmt auf die Woche verteilen können, bleiben die Ratschläge von Zeitforscher Karlheinz Geißler. „Wie gestalte ich den Übergang, von Rhythmus zu Takt, von Freiheit zu Zwang – das ist die entscheidende Frage“, sagt er. Ein Übergang könne sein, in der Kaffeeküche über die Fußballergebnisse vom Wochenende zu plaudern, die Büropflanzen zu gießen – oder einfach erst einmal tüchtig über den blöden Montag zu schimpfen. Auch das ist in vielen Büros ja längst mehr liebgewonnenes Ritual als hundertprozentig ernstgemeinter Frust.

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