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Motivation So werden Sie mit dem verdammten Montag fertig

Montags-Blues: So werden Sie damit fertig Quelle: Getty Images

Der erste Tag der Woche ist für viele arbeitende Menschen ein Grund zum Fluchen und Jammern. Ist ihre negative Einstellung Teil des Problems? Wer sich ein wenig Zeit nimmt, erleichtert sich den Abschied vom Wochenende.

Es ist fast 40 Jahre her, dass ein junges Mädchen im kalifornischen San Diego wegen eines Montags zum Gewehr griff. Die 16 Jahre alte Brenda Ann Spencer lehnte sich am 29. Januar 1979 aus ihrem Fenster und schoss auf Menschen vor ihrer Schule. Sie ermordete den Schulleiter und den Hausmeister, verletzte ein knappes Dutzend Mitschüler. Warum sie das tat, erklärte sie einem Reporter lapidar so: „Ich mag keine Montage. Das hier macht den Tag aufregender.“

Der Musiker Bob Geldof war von der Geschichte so fasziniert, dass er für seine Band „Boomtown Rats“ einen der berühmtesten Songs der Rockgeschichte schrieb: „I don’t like Mondays“. Eine Zeile lautet da: „Ich will den ganzen Tag niederschießen.“

Auch wenn seit dem Amoklauf von San Diego zum Glück niemand mehr aus Montags-Hass zu solch drastischen Mitteln gegriffen hat: Der erste Tag der Arbeitswoche bleibt bei vielen Menschen unbeliebt.

Oder wird da nur eine gut kultivierte Legende am Leben erhalten? Schließlich könnte der Montag ja auch für Aufbruch stehen: Es geht wieder los, juchu! – Das wäre doch auch eine Möglichkeit. Wer seinen Job liebt oder gerne in die Schule geht, dort womöglich die besten Freunde wiedersieht, hat vielleicht gar nicht so eine Aversion gegen den Montag. Und was ist mit all den Einsamen, Workaholics oder den in Kollege/Kollegin oder Mitschüler/Mitschülerin Verliebten? All die sehnen womöglich den Montag herbei.

Und warum überhaupt Montag? Zwar sind Montag bis Freitag in der westlichen Welt offiziell Werktage, Samstag und Sonntag Wochenende. Der Sonntag als komplett freier Tag wurzelt im Christentum – am siebten Tage sollst Du ruhen, heißt es in der Bibel. Für Muslime ist der Freitag der Ruhetag, für Juden der Samstag. In manchen arabischen Ländern ist „Wochenende“ am Donnerstag und Freitag, in anderen am Freitag und Samstag. Buddhisten nehmen sich an Voll-, Neu- und Halbmondtagen eine Auszeit zum Meditieren. Atheisten ist es einerlei, doch auch sie brauchen mal Erholung. Unabhängig von ihrer Religion arbeiten auch Menschen am Wochenende, manche haben genau montags immer frei.

Bleiben wir dennoch beim Montag als Symbol für den ersten Tag der westlichen Fünftagewoche. Um ihn nicht zu hassen, gilt vor allem eines: „Der Übergang ist entscheidend“, sagt Zeitforscher Karlheinz Geißler. Wer nach einem erfüllten Wochenende morgens in die Klamotten und zur Maschine stolpert und direkt in vollem Tempo starten muss, der wird wohl keine gute Erfahrung mit dem Montag haben.

Der Mensch ist keine Maschine

Sein schlechter Ruf klebt Montag seit der Zeit der Industrialisierung an, als Arbeit erstmals im Takt von wenig filigranen Maschinen verrichtet werden musste – übrigens auch an Samstagen; der einzige Ruhetag war damals noch der Sonntag. Zu jener Zeit passierten die meisten Arbeitsunfälle an Montagen. „Das liegt daran, dass der Mensch nicht so funktioniert wie die Maschine. Die läuft innerhalb von Sekunden auf Hochgeschwindigkeit – der Mensch nicht“, sagt Geißler. Noch heute heißen Autos, die häufiger defekt sind, in Werkstätten „Montagsautos“.

Die Umstellung von natürlichem Rhythmus auf eine irgendwie vertaktete Arbeitsroutine – das ist bis heute das Problem vieler Menschen, die den Montag nicht mögen. Schüler leiden meist erstmals im Teenageralter darunter, denn ihr Biorhythmus lässt echtes Wachsein vor 10 Uhr morgens gar nicht zu. Trotzdem müssen sie oft weit vor 8 Uhr in der Schule sitzen. In manchen Städten haben Eltern Initiativen gegründet, um einen späteren Schulstart zu erwirken, in Schleswig-Holstein und Hamburg gab es entsprechende Vorstöße der Grünen in Landtag und Bürgerschaft. Vielleicht würde die Einführung zumindest eines später beginnenden Montagsunterrichts den künftigen Arbeitnehmern ersparen, den Montag so negativ zu sehen.

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